Montag, 18. April 2011

Das Haus an der Friedhofmauer (1981)

DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER (Quella villa accanto al cimitero) gehört neben "Woodoo" (1979), "Ein Zombie hing am Glockenseil" (1980) und "The Beyond" (1981) zu den großen Klassikern Lucio Fulcis. Auch wenn er nicht die surreale Qualität seiner Vorgänger erreicht und allzu deutlich amerikanische Vorbilder kopiert, kann er dank seiner düsteren Atmosphäre, guten Darsteller und einigen herben Splatterszenen überzeugen.

Der Inhalt: Der New Yorker Universitätsprofessor Dr. Norman Boyle (Paolo Malco) soll den Selbstmord eines Kollegen aufklären und zieht dafür mit Frau (Katherine MacColl) und Sohn in ein abgelegenes Haus in Boston, das - richtig geraten - von Grabsteinen umgeben ist. Schon kurz nach dem Einzug geschehen mysteriöse Dinge. Eine Fledermaus greift den Doktor an, ein mysteriöses Hausmädchen taucht auf, die Tür zum Keller will sich nicht öffnen, und der engelhafte Sohn nimmt Kontakt mit einem kleinen Mädchen auf, das ihn warnt, das Haus zu betreten. Dann wird die Maklerin brutal ermordet, und auch das Hausmädchen verliert seinen Kopf. Wie es scheint, lebt der alte Hausbesitzer namens Dr. Freudstein seit Jahrzehnten im Keller und kann nur überleben, wenn er sich Organe von jungen Lebenden implantiert...

Die Vorbilder sind offensichtlich - DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER beginnt wie "Shining" (1980) mit einem Schuss "Amityville Horror" (1979), nimmt dann aber andere Wege und kehrt nach der Hälfte wieder auf vertrautes Fulci-Terrain zurück, sprich blutrünstige Mordsequenzen, Eingeweide, Würmer und Tore in eine andere Welt/Zeit. Die Namensspiele mit 'Dr. Freudstein', einer offensichtlichen Mischung aus Psychiater und verrücktem Wissenschaftler, sowie 'Norman' Boyle, der doch wohl an Hitchcocks Meisterwerk erinnert, sorgen für launige Subtexte.

Anders als die o.g. Vorgänger ist DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER aber klar in der Realität angesiedelt und bemüht sich, einen linearen Plot zu stricken, wobei es das eine oder andere Mal zu merkwürdigen Logikausfällen kommt - etwa, wenn Katherine MacColl morgens gut gelaunt zum Frühstück in die Küche kommt und kaum Notiz davon nimmt, dass das Hausmädchen literweise Blut vom Boden wischt. Der Morgenkaffee ist erst mal wichtiger. Die Frage, wie das Monster Dr. Freudstein überleben konnte, wenn das Haus doch offiziell jahrelang leer stand, wird ebenfalls nicht beantwortet.

Als Fulci-Fan sieht man aber getrost über solche Schlampigkeiten hinweg und genießt das morbide Ambiente, die schrägen Einfälle wie eine geköpfte Schaufensterpuppe, die klasse Musik von Walter Rizzati , sowie Fulci-Stammschauspielerin Katherine MacColl, die wie immer eine sympathische und attraktive Heldin abgibt. In der Nebenrolle als Maklerin ist Euro-Trash-Star Dagmar Lassander zu sehen. Wie die erwachsenen Kollegen liefert auch Kinderdarsteller Giovanni Frezza eine gute Leistung ab, leider wird er in der englischen Sprachfassung wie ein nervendes Kleinkind synchronisiert, hier ist die deutsche Synchronfassung deutlich besser gelungen.

Die Cinemascope-Kameraarbeit von Sergio Salvati hilft dem Film über einige Spannungsdurchhänger im Mittelteil hinweg, und in den Splatterszenen tobt sich Fulci zur Freude seiner Fans ordentlich aus. Er lässt das (überzeugende) Blut fließen als gäbe es kein Morgen und hält wie ein Pornoregisseur die Kamera auf offene Wunden, bis auch der letzte Tropfen Lebenssaft vergossen ist. Fulci taucht übrigens selbst kurz als Auftraggeber zu Beginn des Films auf.

Alles in allem ist DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER gute Horror-Unterhaltung ohne den hohen Kultfaktor von "Glockenseil" oder "The Beyond", aber dennoch ein typischer Fulci, der auch für weniger hartgesottene Zuschauer geeignet ist. Nach diesem Film sollte Fulci mit dem "New York Ripper" (1982) noch einmal für heftiges Aufsehen sorgen, bevor seine Arbeiten drastisch schwächer wurden. Sein Untoten-Zyklus von "Woodoo" bis "Friedhofsmauer" (den zwischendurch entstandenen, mittelmäßigen "The Black Cat" außer acht gelassen) zeigt ihn auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Schaffenskraft.

08/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...