Samstag, 12. März 2011

Stephen Kings "Stark" (1993)

Nachdem mehrere gemeinsam geplante Projekte von Autor Stephen King und Regisseur George A. Romero aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert wurden, inszenierte der Urvater des Zombie-Films 1990 seine eigene Adaption des King-Bestsellers "The Dark Half", die sich dicht an die Vorlage hält. Herausgekommen ist ein sehenswerter, solider Horrorfilm mit exzellenter Besetzung, der aber für Romeros Verhältnisse zu konventionell in Szene gesetzt ist.

In STEPHEN KINGS STARK (The Dark Half) wird der junge Autor und Literatur-Dozent Thad Beaumont (Timothy Hutton) von einem Studenten erpresst, der entdeckt hat, dass Thad neben seinen anspruchsvollen Arbeiten unter dem Pseudonym George Stark blutrünstige und sexgeladene Horrorgeschichten verfasst. Gemeinsam mit seiner Frau (Amy Madigan) beschließt Thad, das Pseudonym öffentlich zu machen und es ein für allemal zu begraben. Womit aber niemand rechnet: der fiktive Autor 'Stark' wehrt sich gegen seine Auslöschung, nimmt die Gestalt seiner ebenfalls fiktiven Hauptfigur "The Machine" an und beginnt einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen alle, die ihn verschwinden lassen wollen...

Stephen King, der selbst einige Jahre unter dem Pseudonym Richard Bachmann schrieb, verarbeitete in seinem Roman eigene Erfahrungen mit der Verabschiedung eines "zweiten Ichs". Diesem Quasi-Doppelgänger ein Gesicht zu geben und ihn selbstständig handeln zu lassen, ist eine faszinierende Idee, die von George Romero glänzend umgesetzt wurde, ganz besonders in der Darstellung der Doppel-Hauptrolle von Timothy Hutton, der die beiden Ichs - den netten Familienvater Beaumont und den saufenden, fluchenden 'Stark' - hervorragend verkörpert. Method Actor Hutton erwies sich bei den Dreharbeiten offenbar als schwierig und verlangte u.a. zwei Set-Trailer - einen für sich als Beaumont und einen weiteren für seine 'Stark'-Figur. Seine Leistung im Film ist aber fehlerlos. So stellt die Figur des George Stark die dunkle Seite des aufrechten Amerikaners Beaumont dar, eine dunkle Seite, die wir womöglich alle besitzen, in der niederste Instinkte und Gewaltfantasien unterdrückt werden. Der Film lässt den Zuschauer lange im Unklaren darüber, ob es sich bei Thad Beaumont vielleicht um eine gespaltene Persönlichkeit handelt, entscheidet sich dann aber doch für das Monster aus dem Unterbewusstsein.

Unterstützt wird Timothy Hutton von einem klasse Ensemble, zu dem neben dem wie immer beeindruckenden Michael Rooker ("Henry - Portrait of a Seriel Killer", 1986) auch Julie Harris ("Bis das Blut gefriert", 1963) gehört, die als skurrile Professorin eine Rolle spielt, die ursprünglich für einen Mann geschrieben war. Der stimmungsvolle Score von Christopher Young hilft dem Film dazu über einige Längen hinweg. Romero verzichtet auf extreme Splatter-Effekte, dazu ist sein Film zu sehr für den Mainstream-Markt konzipiert. Stattdessen konzentriert er sich auf das psychologische Duell der beiden Autoren-Kontrahenten und einige Set Pieces, in denen der Killer Stark zuschlägt.

George A. Romero arbeitete für STARK erstmals mit einem Hollywood-Studio zusammen, den Orion Pictures. So sieht sein Film auch deutlich teurer und gelackter aus als frühere, persönlichere Arbeiten. Die für den Regisseur übliche Gesellschaftskritik findet sich dementsprechend nicht in STARK, tatsächlich ist Romeros unverwechselbare Handschrift hier kaum zu spüren. Lediglich einige Anspielungen auf Weggefährten Dario Argento zeichnen STARK als Romero-Film aus - und natürlich die Tatsache, dass 'Stark' ein Untoter ist, der aus dem Grab entsteigt.

Dennoch: von einem Romero erwartet man eigentlich mehr als oberflächliche Hochglanz-Unterhaltung. Dazu ist STARK ca. 15 Minuten zu lang (besonders die Exposition bis zu 'Starks' Auferstehung), und das mit Special Effects überladene Finale enttäuscht trotz der gelungenen Tricks.
Das bittere Ende kam nach der Fertigstellung des Films, als die Orion Pictures, die sich bereits während der Dreharbeiten in Geldschwierigkeiten befanden, endgültig Insolvenz anmeldeten und STARK für zwei Jahre in den Regalen verschwand. Als er 1993 aufgeführt wurde, war die Stephen King-Welle abgeebbt, und der Erfolg des Films - obwohl kein Flop - blieb hinter den Erwartungen zurück.
Alles in allem war STARK keine gute Erfahrung für den Regisseur, und es sollte sieben Jahre dauern, bis er mit "Bruiser" (2000) sein nächstes Werk präsentierte.

7.5/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...