Freitag, 18. März 2011

Shock Waves (1977)

SHOCK WAVES (Shock Waves) von Ken Wiederhorn ist einer dieser schönen Funde im tiefen Dschungel des Horror-B-bis Z-Trashs, auf den man eher zufällig stößt, und der so viel befriedigender ist als viele Hochglanzproduktionen, ein Film mit origineller - wenngleich absurder - Idee und atmosphärischer Umsetzung.

Worum geht es? Irgendwo in der Karibik wird die junge und verängstigte Brooke Adams von einem Fischer aus dem Meer geborgen. Offenbar ist sie die einzige Überlebende einer Reisegruppe und hat Schreckliches durchgemacht. Was genau das war, erfahren wir in Rückblenden. Ihr Ausflugsdampfer wurde vor kurzer Zeit nach mehreren mysteriösen Ereignissen von einem geisterhaften Frachter gerammt und ist gesunken. Eine kleine Gruppe konnte sich auf eine einsame Insel retten. Dort lebt die leicht ausgemergelte Horror-Legende Peter Cushing, der einen ehemaligen Nazi-Offizier spielt und mit den Überresten seiner toten Kameraden teuflische Experimente anstellt. Und zwar verwandelt er diese in Unterwasser-Zombies, die an Bord von U-Booten keinen Sauerstoff mehr brauchen und somit unbesiegbar sind. Ein toller Plan, doch die Schiffbrüchigen kommen ihm leider in die Quere. Also lässt er seine Armee von Nazi-Zombies auf die Ärmsten los, die schon bald um ihr Leben rennen...

SHOCK WAVES gehört zum Horror-Subgenre des "Nazi-Zombie-Films", zu dem es doch einige Beiträge gibt, und man sieht förmlich den Rauch aus den Ohren hiesiger Zensurbehörden steigen beim Anschneiden eines solchen Themas. Geschmacklos, ja sicher, aber die Schrecken des Krieges waren häufig Hintergrund in der Geschichte des Horrorfilms. So wundert es auch nicht, dass SHOCK WAVES auf Video stets schwer zu bekommen war und einige Passagen entfernt wurden. Auf DVD (Anbieter: Marketing) ist der Film nun in sehr guter Qualität und ungekürzt zu bewundern.

Ken Wiederhorn stand nur wenig Geld zur Verfügung, das sieht man in jeder Einstellung, aber er macht das Beste daraus. Dabei ist SHOCK WAVES weniger brutal und blutrünstig als atmosphärisch und surreal, was ihm schon mehrere Pluspunkte beschert. Die Aufnahmen der weißblonden Zombies mit dunklen Taucherbrillen, die plötzlich hinter den Protagonisten aus dem Wasser steigen und nicht aufzuhalten sind, sorgen für einige echte Gänsehaut-Momente. Splatter-Fans kommen hier nicht auf ihre Kosten, weil die Zombies - im Gegensatz zu ihren Romero-Verwandten - ihre Opfer nicht verspeisen, sondern mit bloßen Händen erwürgen oder ertränken.

Das karibische Ambiente wird von den Kameramännern trotz geringer Möglichkeiten sehr gut genutzt, ganz besonders das verlassene und heruntergekommene Anwesen, in dem Peter Cushing lebt und arbeitet. Neben Ikone Cushing ist mit John Carradine ein weiterer Veteran des Horrorfilms zu sehen. Interessanterweise spielte Cushing in der Neuauflage von "Mit Schirm, Charme und Melone" (The New Avengers) aus den 70ern ebenfalls in Folge 1 (The Eagle's Nest) den Anführer einer Gruppe, die auf einer abgelegenen Insel die Wiederbelebung des tiefgefrorenen Hitlers plant... schon merkwürdig, mit was für Altersrollen sich ein so hervorragender Schauspieler wie Cushing herumschlagen musste.

Ken Wiederhorn, der nach SHOCK WAVES noch den leidlich sehenswerten Slasher-Beitrag "Die Augen eines Fremden" (1981) inszenierte, bevor er in den Niederungen des Fernsehens verschwand, holt alles an Spannung aus den Fluchtversuchen der Gestrandeten heraus, die sich in Kühlräumen verstecken, durch Swimming Pools flüchten und selbst auf offener See nicht sicher sind vor den Zombie-Tauchern.
Ebenfalls gelungen ist das typische 70er-Feeling, das so weit entfernt ist vom gelackten Mainstream-Kino heutiger Tage. Hier wirkt alles sehr authentisch, dreckig, heruntergekommen, die Darsteller scheinen sich wirklich verausgabt zu haben, und man hat immer das Gefühl, an Ort und Stelle zu sein, anstatt sich in einem Computerspiel zu befinden. Natürlich wird der Film ein heutiges junges Zielpublikum nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken, aber das ist auch gut so.

Für mich ist das genau der richtige Trash für heiße Sommertage. SHOCK WAVES ist reich an Suspense und sorgt neben seinem zugegeben abgeschmackten Sujet für einige unvergessliche Grusel-Momente. Hochklassiges Horrorkino sieht natürlich ganz anders aus, aber warum nicht mal einen herzhaften Biss in schmalzgebackenes Fast Food-Kino statt erlesener Sterneküche?

7.5/10

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