Sonntag, 13. März 2011

Piranha 3-D (2010)

Man sieht förmlich das Reiben verschwitzter Hände am Konferenztisch beim Pitch des Films - "Wir haben Spring Break! Brüste! Killer-Piranhas! Brüste! Gore! Noch mehr Brüste!" Wer wollte diesem Film nicht sofort grünes Licht geben, wenn doch sämtliche inneren Kassen klingeln? Eben.
Und so haben wir PIRANHA 3-D.
Oder auch: "Eis am Stiel" meets Splatter.

PIRANHA 3-D (Piranha 3-D) gibt sich ganz als Trash, hat aber eigentlich keine Ahnung, was Trash ausmacht und kaschiert mit diesem Label lediglich schlampige Technik, grauenvolles Schauspiel und das Fehlen jeglicher Spannung. Wer nach der Pre-Title-Sequenz, in der Richard Dreyfuss im kompletten "Jaws"-Outfit (bis hin zur Brille) von den titelgebenden Piranhas zerfleischt wird, auf einen selbstironischen Umgang mit den Klassikern oder dem Genre hofft, wird schnell eines besseren belehrt. Der Humor von PIRANHA 3-D ist weder selbstreflektierend noch augenzwinkernd. PIRANHA 3-D findet es witzig, knackige Jungs und Mädels mit und ohne Bademode in blutige Teile zu zerfetzen. Und die Brüste nicht zu vergessen. Große Brüste! In 3-D, wie gesagt.
Damit ist PIRANHA 3-D der wahrgewordene feuchte Traum von pubertierenden Teenagern und verklemmten Erwachsenen, die im wahren Leben nie näher an Brüste herankommen als hier, wo sie einem mit Hilfe der entsprechenden Augengläser direkt entgegenploppen. Man denkt unwillkürlich an Eli Roth, und siehe da, da taucht er in einem Gastauftritt auch schon auf, als "Wet T-Shirt Host", wie passend.

Was Filme wie PIRANHA 3-D nicht verstehen (wollen) ist die Tatsache, dass echter Trash - sagen wir im Stil von John Waters oder Roger Corman - Charme und Skurrilität besitzt, oft verkörpert von liebenswert schrulligen Figuren (hier lohnt ein kurzer Blick auf den Original-"Piranha", 1978, mit dem dieses Remake nur dem Namen nach etwas zu tun hat). Außerdem werden als Gegenentwurf zum Mainstream im Trash gern die Außenseiter zu Helden gemacht. Roth, Aja und Konsorten aber kreieren nur dumme, eindimensionale und bis zum Erbrechen langweilige Charaktere, die man nicht mögen kann, für deren Schicksal man sich einen Dreck interessiert, und die nur als Kanonenfutter dienen (besonders die Außenseiter), und am Ende siegen die aufrechten Amerikaner und/oder die staatliche Autorität - in diesem Beispiel Elisabeth Shue als Sheriff.
Subversiv? "In aller Freundschaft" ist subversiver.

Jaja, ich weiß, man kann und man soll PIRANHA 3-D nicht ernst nehmen, dies ist Fast Food-Kino, schon verstanden. Aber ganz so einfach kann man es sich auch nicht machen. Trotz aller gut gemeinter Politischer Unkorrektheit hantiert Alexandre Aja hier mit einer unangenehmen Doppelmoral, wenn er mit Jerry O'Connell (der eine unerträglich schlechte Darstellung abliefert) als Regisseur von Internet-Pornos à la "Girls Gone Wild" eine Figur anbietet, die pausenlos als charakterloses Dreckschwein denunziert wird, junge Frauen ausbeutet und am Ende bekommt, was er verdient, wenn die Piranhas ihn vom Hals abwärts abnagen und sich um seinen Penis reißen. Entschuldigung, aber macht Alexandre Aja nicht EXAKT das gleiche in PIRANHA 3-D? Oder haben die Unmengen nackter Brüste irgend eine inhaltliche Relevanz, die mir entgangen ist? Eine so ungeschminkt heuchlerische Mentalität ist schon wieder bewundernswert.

Was gibt es noch? Gute Darsteller wie Elisabeth Shue, Ving Rhames und Adam Scott nehmen dankbar das Geld für die Miete entgegen, müssen aber nichts spielen, Christopher Lloyd wiederholt einfach seinen Part als verrückter Wissenschaftler aus "Zurück in die Zukunft" (1984), ansonsten wird - es ist 3-D - oft direkt in die Kamera gegöbelt. Und die Brüste nicht zu vergessen!
Die Dramaturgie beschränkt sich auf das einfachste Katastrophenfilm-Szenario, eine Stunde lang passiert nichts (mit Ausnahme eines absurden lesbischen Unterwasser-Balletts, zu dem - schon wieder! - Léo Delibes Oper "Lakme" missbraucht wird), dann kommt es zum großen Massaker, bei dem die Körperteile nur so links und rechts davonfliegen, Haare sich in Außenbordmotoren verfangen, es wird gemetzelt, gefressen und gereihert, als gäbe es kein Morgen. Hier leisten die CGI-Tricktechniker gute Arbeit, während alle Unterwasser-Sequenzen (von denen nicht eine unter Wasser entstanden ist) und die Piranhas so schlecht animiert sind, dass man sich in einem Jump 'n Run aus den frühen 90ern wähnt.

Ob man es witzig oder gar sexy findet, Frauen mit nackten Brüsten und abgerissenen Beinen zu sehen, ist Geschmackssache, und über den wollen wir nicht streiten. Horrorfilme dürfen geschmacklos sein, warum nicht? Was mich aber stört ist die Tatsache, dass hinter der gewollten Rotzigkeit des Films nicht jugendliche Begeisterung für Tabubrüche steckt (sagen wir, wie in Raimis "Evil Dead", 1981), sondern knallhart kalkulierte Hinterhältigkeit, und die hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Gorehounds und Voyeure kommen jedenfalls auf ihre Kosten.

Die Frage, wohin der Horrorfilm mit Werken wie PIRANHA 3-D steuert, der relativ erfolgreich war, ist müßig. Jede Generation bekommt die Filme, die sie will und auch verdient. Es werden andere Zeiten kommen, in denen die ewig Pubertierenden wie Eli Roth und - mit Abstrichen - Alexandre Aja (der zumindest mit "The Hills Have Eyes" (2006) einen einigermaßen erwachsenen Film inszeniert hat) entweder ihren filmischen Horizont erweitern müssen oder nicht mehr relevant sind. Dass sie momentan ihre angepeilte Zielgruppe bestens bedienen, ist in Ordnung.
Ich selbst sage es lieber mit den Worten von Danny Glover in - nun, so ziemlich jedem Film, in dem er mitspielt: "Ich bin zu alt für diesen Scheiß!" Und damit soll es auch gut sein.

03/10

Kommentare:

  1. Hi Mathias, so ähnlich stelle ich mir diesen Film auch vor, ich hab ihn aber trotzdem mal geordert. LG Ray (aus Schaden wird man nicht immer klug...grins)

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  2. Oh la la, hoffentlich bereust Du das Geld nicht. kicher Ich habe ihn nur geliehen, weil mir schon sowas schwante. Liebe Grüße, Mathias

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