Dienstag, 29. März 2011

Nur eine Frage der Liebe (2000)

Der französische TV-Film NUR EINE FRAGE DER LIEBE (Juste une question d'amour) konnte bei seiner Erstausstrahlung eine sensationelle Einschaltquote verzeichnen und brachte das Thema 'Coming Out' in die Wohnzimmer der Mainstream-Zuschauer.

NUR EINE FRAGE DER LIEBE erzählt vom Landwirtschafts-Studenten Laurent (Cyrille Thouvenin), der ein ungeliebtes Praktikum in einer Gärtnerei beginnt und sich dabei in den Gärtnerei-Besitzer und Pflanzenzüchter Cédric (Stéphan Guérin-Tillié) verliebt. Das Problem ist, dass Laurent sich nie geoutet hat und seine Eltern, die eine kleine Apotheke besitzen, weiterhin glauben, er und seine Mitbewohnerin Carol wären ein Liebespaar. Cédrics Mutter hingegen kümmert sich liebevoll um Laurent, und als dessen konstante Weigerung, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, zu ernsthaften Problemen in der jungen Beziehung führt, trifft sie eine ebenso mutige wie folgenschwere Entscheidung...

NUR EINE FRAGE DER LIEBE ist vor allem eins - schlicht und sympathisch erzählt. Die Darsteller sind ebenso hübsch wie talentiert. Hauptdarsteller Cyrille Thouvenin könnte Arthouse-Fans noch aus einem weiteren Film mit schwuler Thematik bekannt sein, der empfehlenswerten Komödie "Man liebt es unentschieden" (2000). Thouvenin schafft es überzeugend, die innere Zerrissenheit zum Ausdruck zu bringen, sowohl die Liebe, die er für Cédric empfindet und gleichzeitig die Angst, seine Lebenslüge aufzudecken. Stéphan Guérin-Tillié ist der klare Sympathieträger, selbstbewusst, stark, aber auch aufbrausend, verschlossen und verletzbar. Die Charaktere sind interessant, realistisch und facettenreich entworfen, von Klischees ist hier (fast) nichts zu sehen, auch das zeichnet den Film aus.

Regisseur Christian Faure inszeniert das Drama trotz des ernsten Inhalts mit Humor und Leichtigkeit, so wie es nur die Franzosen können. Sein Film ist ebenso romantisch wie zärtlich, die Sexszenen sind für einen französischen Film sehr zurückhaltend, aber wir haben es hier nunmal mit einem Fernsehfilm zu tun, der sein Publikum nicht schockieren oder provozieren möchte, sondern für Toleranz und Verständnis wirbt. Nicht zuletzt wird er durch den Verzicht auf Voyeurismus auch seinem Titel gerecht und wirkt wesentlich entspannter als vergleichbare US-Produktionen.

Die vielleicht einzige kleine Schwäche liegt für mich in den Elternfiguren, die sehr vorhersehbar und für meinen Geschmack eine Spur zu verzweifelt auf die schlussendliche Enthüllung reagieren. Bei Laurents Eltern ist das Verhalten vorprogrammiert und nötig für das Drama, aber auch die liberale Mutter von Cédric muss mehrfach erwähnen, dass es sehr schwer für sie war, die Homosexualität ihres Sohnes zu akzeptieren. Hier drückt sich mehr die Absicht aus, das Publikum in seiner möglichen Ablehnung von Homosexualität behutsam abzuholen. Vielleicht liegt es auch an mir, ich kann eben nur schwer verstehen, was so schwer daran ist, Homosexualität der Kinder zu akzeptieren. Ich hätte mehr Probleme, wenn meine Kinder sich bei 'Germanys Next Topmodel' oder 'DSDS' bewerben wollen (ein klarer Fall für Jugendarrest, finde ich).

Insgesamt kann ich nur sagen, ich war amüsiert, habe mitgelitten und mitgefiebert, ich wollte unbedingt, dass unsere Liebenden am Ende zusammen bleiben und das Ganze nicht tragisch endet. Nach dem Film war ich so angetan, dass ich ihn gleich noch einmal hätte sehen wollen. Insofern kann ich nur sagen, wer eine gelungene Coming Out-Geschichte sehen will, sollte sich entweder meinen Favoriten "Beautiful Thing" (1996) anschauen, oder eben NUR EINE FRAGE DER LIEBE.

09/10

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