Mittwoch, 9. März 2011

Mörder ahoi! (1964)

Der vierte und letzte Miss Marple-Film mit Margaret Rutherford als schrulliger Privatschnüfflerin (wenn man von ihrem Gastauftritt in "Die Morde des Herrn ABC", 1965, absieht) basiert nicht auf einem Roman ihrer Erfinderin Agatha Christie, sondern wurde eigens für die Reihe neu erdacht. MÖRDER AHOI! ist somit voll und ganz auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten und folgt beinahe sklavisch den Fußspuren der Vorgänger.

Nach Herrenhaus, Theatermilieu und Reitergestüt verschlägt es unsere Lieblingsermittlerin diesmal in eine weitere britische Bastion, die Marine. Nachdem ein Vorstandsmitglied der Stiftung "Zur besseren Jugend" mittels vergifteten Schnupftabaks um die Ecke gebracht wurde, führen Miss Marples Recherchen sie direkt auf das Segelschiff "H.M.S. Battledore", wo sie allen Anwesenden ein Dorn im Auge zu sein scheint, sich aber trotzdem in ihrer Funktion als Kuratoriumsmitglied fröhlich breit macht. Mit Mr. Stringer (Stringer Davis) als hilfreichem Assistenten an Land, kommt die rüstige Rentnerin auf dem Schiff mehreren dubiosen Vorgängen auf die Spur, und es soll nicht bei einem Toten bleiben...

Inszeniert wurde dieser Beitrag erneut vom Routinier George Pollock, und man merkt dem Film in jeder Einstellung an, dass er und seine Hauptdarsteller ein mehr als eingespieltes Team sind. Man merkt allerdings auch, dass Agatha Christie nicht Pate stand, denn der zu lösende Kriminalfall ächzt und wackelt an allen Ecken und Enden.
So ist es mehr als unglaubwürdig, dass der sympathische Inspektor Craddock (Charles Tingwell) weitab von seiner Zuständigkeit ermittelt, nur damit er wieder im Film dabei sein kann, was zu weiteren Logiklöchern führt - bei einer Befragung des Schiffspersonals erwähnt niemand, dass Miss Marple an Bord ist, nur damit sie sich (erfolglos) vor dem Inspektor verstecken kann. Miss Marples nächtliche Morseaktionen mit Mister Stringer sind ein hübscher Einfall, gleichzeitig aber vollkomen unwahrscheinlich, weil viel zu offensichtlich und gefährlich. Wenn Inspektor Craddock im Finale unserer Miss Marple nicht zu Hilfe eilen kann, weil eine Bordluke versperrt wurde, ist das in hohem Maße albern. Und warum sieht man auf dem Schiff - außer auf ihren diebischen Landgängen und bei Marples Begrüßung - eigentlich nie Matrosen (nicht einmal im Bildhintergrund), sondern immer nur die Vorgesetzten?

Das Hauptaugenmerk von MÖRDER AHOI! liegt eindeutig in der Komik, nicht der Krimispannung, weswegen der Film im letzten Drittel auch kurz schwer durchhängt, wenn alle Beteiligten nur noch reden anstatt zu handeln. Da der Humor aber einwandfrei funktioniert, fällt das nicht allzusehr ins Gewicht. Allein die kurze Einstellung, in der Margaret Rutherford im Gefängnis mit baumelnden Beinen auf der Pritsche ihrem Schicksal harrt, ist unbezahlbar.

Die Darsteller befinden sich wie immer in höchster Spiellaune, ganz besonders Charles Tingwell neigt in MÖRDER AHOI! gelegentlich zum Overacting. Margaret Rutherford leistet mit ihrer One-Woman-Show wieder Schwerstarbeit und lässt die Schwächen des Buchs schnell vergessen. Mit Lionel Jeffries als versoffenem Kapitän hat man ihr wieder einen starken Partner zur Seite gestellt. Lediglich Miss Marples Gutmütigkeit wird ein bisschen überzogen - die bei Christie durchaus auch nervende Seniorin löst hier nicht nur den Fall, sondern auch noch allerlei private Wehwehchen der Besatzung. Das ist dann schon ein wenig des Guten zuviel.

Insgesamt sorgt MÖRDER AHOI! - wie seine Vorgänger - für kurzweilige Unterhaltung mit britischem Flair. So schade es auch ist, dass die Reihe lediglich aus vier Filmen besteht (irgendwie möchte man mindestens zehn davon) - der leichte Qualitätsabfall, der hier zu ahnen ist, hätte sich möglicherweise fortgesetzt, und manchmal ist es tatsächlich besser aufzuhören, wenn es am schönsten ist.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...