Freitag, 11. März 2011

Kinder des Zorns (1984)

Nach einer atmosphärischen Kurzgeschichte von Stephen King inszenierte Fritz Kiersch 1984 seinen Horrorfilm KINDER DES ZORNS (Children of the Corn), der weder besonders erfolgreich war noch gute Kritiken bekam, auf Video aber so viele Fans gewann, dass er eine ganze Reihe von Sequels nach sich zog.

Der Film erzählt von einem jungen Paar (Peter Horton und "Terminator"-Femme Fatale Linda Hamilton), das auf einer einamen Landstraße in Nebraska einen Jungen überfährt und ihn in seine Heimatstadt zurückbringen will. Doch dieser Ort namens Gatlin scheint eine Geisterstadt zu sein. Wie es aussieht, sind vor längerer Zeit die Kinder der Stadt einem religiösen Wahn verfallen und haben alle Erwachsenen getötet. Nun leben sie ohne elterliche Betreuung in einer teuflischen Gemeinschaft - mit Ausnahme einiger Kinder, die sich dem Kreis entziehen und versuchen, aus der Stadt zu fliehen. Bald schon wird Jagd auf die Abtrünnigen und unsere Protagonisten gemacht. Die müssen sich nicht nur gegen die Teufelskinder wehren, sondern auch noch gegen ein Wesen, das im Maisfeld wohnt, und das die Kinder der Stadt geistig versklavt...

Das klingt herzlich bescheuert und ist es über weite Strecken auch. KINDER DES ZORNS (eine zwar alliterarisch stimmige, aber unsinnige Übersetzung der "Kinder des Mais") beginnt recht vielversprechend mit einer blutrünstigen Sequenz, in der die Kinder ihre Eltern und andere Erwachsene in einem Diner töten. Hier besitzt der Film eine grimmige, fast dokumentarische Qualität, und ein solches Massaker noch vor dem Vorspann erlebt man nicht alle Tage im Genre. Die stimmungsvolle Musik von Jonathan Elias (selbstverständlich mit Kinderchören) und ein netter Vorspann lassen auf 90 Minuten Gruselunterhaltung hoffen, doch nach dem verhängnisvollen Unfall und dem Eintreffen unseres Pärchens in der Stadt Gatlin ist der Horror bald vorbei.

Einige schöne Aufnahmen der menschenleeren Stadt sowie der mordgierigen, mit Sicheln bewaffneten Kids sorgen noch für wohlige Schauer, doch dann stellen sich immer mehr Unglaubwürdigkeiten, Logiklöcher und unfreiwillige Lacher ein. Das "Mais-Monster" namens "Er, der hinter den Reihen wandelt" (geht es nur mir so, oder erinnert das Ganze an M. Night Shyamalan "The Village" und dessen "Die, von denen wir nicht sprechen"-Monster?) ist eine einzige Enttäuschung. Vermutlich aus Budgetgründen (KINDER DES ZORNS weist alle merkmale der Güteklasse C auf) ist es lediglich als Haufen Erde zu sehen, der sich unterirdisch durch den Maisacker pflügt und lässt eher an einen bösen Maulwurf denken.

Aus dem religiösen Wahn der Jugendlichen und der abgeschlossenen Gemeinschaft wird keinerlei inhaltliche Tiefe bezogen, was schade ist. Die Darsteller mühen sich redlich, da aber keine Figur wirklich ausgearbeitet ist, bleiben alle blass. Ganz schlimm wird es gegen Ende, wenn Peter Horton eine "flammende Rede" an die Teufelskinder hält, die er plötzlich alle mit Vornamen kennt, und die - obwohl sie schlecht geschrieben und gespielt ist - natürlich die bösen Kids zur Rebellion gegen ihren Anführer aufrüttelt. Das verursacht schon heftiges Kopfkratzen. Ein weiterer "Höhepunkt" ist Linda Hamiltons frühe "School's Out"-Performace, mit der sie Horton ein sexy Geburtstagsständchen bringt, welches aber außerordentlich peinlich geraten ist.

Stephen King kommentierte KINDER DES ZORNS nur lapidar, ihm war es egal. Der Film entstand in einer Zeit, als Produzenten sich förmlich um jeden Satz des Autors rissen, selbst wenn er auf einem Bierdeckel niedergeschrieben war. King versprach bis Anfang der 90er das große Geschäft, und so schossen Adaptionen wie Pilze aus dem Boden, die meisten davon allerdings ungenießbar. KINDER DES ZORNS bewegt sich irgendwo im unteren Mittelfeld. Er ist auf eine trashige Art unterhaltsam, wenn man ihn nicht ernst nimmt (der Film besitzt keinerlei Selbstironie) und kein Total-Reinfall wie "Nachtschicht" (1990) oder "The Mangler" (1995), aber von den hochklassigen Verfilmungen "Carrie" (1976), "The Shining" (1980) oder "Misery" (1990) ist er Lichtjahre entfernt.

Nichtsdestotrotz wurden bis zum heutigen Tag sechs (!) Sequels und ein Remake (2009) produziert. Bis auf Teil 2 wurden alle Nachfolger direkt auf Video bzw. DVD veröffentlicht. Wo genau der Reiz der Reihe liegt, bleibt unklar, aber die Nachfrage bestimmt das Angebot.

05/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...