Dienstag, 15. März 2011

5 Dolls For an August Moon (1970)

FIVE DOLLS FOR AN AUGUST MOON (5 Bambole per la Luna d'Agosto) gehört zu den unbekannteren Filmen Mario Bavas, und der Regisseur selbst hielt ihn Zeit seines Lebens für sein schlechtestes Werk.
In Deutschland wurde er bis zum heutigen Tag nicht veröffentlicht, in den USA konnten Bava-Fans ihn im Jahr 2001 anlässlich der DVD-Veröffentlichung erstmals bewundern. Obwohl der Film nicht zu Bavas eindrucksvollsten Arbeiten zählt, ist er doch sehr viel besser als sein Ruf. Für Freunde des italienischen Giallos gibt es hier eine Menge zu bestaunen.

Der Plot ist sehr simpel gestrickt und an Agatha Christies berühmte "Ten Little Indians"-Erzählung angelehnt. Eine Gruppe schicker, wohlhabender Europäer versammelt sich auf einer einsamen Insel im Mittelmeer, um heiße Partys zu feiern und nebenbei an die Formel eines anwesenden Wissenschaftlers (William Berger) zu kommen, die sehr viel Geld verspricht. Als dieser sich aber weigert, seine Entdeckung preiszugeben, startet eine Serie aus Mord, Selbstmord und Totschlag...

Diese Inhaltsangabe, die nicht mehr als einen roten Faden beschreibt, könnte man fast 1:1 auf Bavas folgenden Klassiker "A Bay of Blood" (1971) anwenden, der aufgrund seiner drastischen Brutalität und zynischen Weltsicht deutlich gelungener ist als FIVE DOLLS. Woran es hier mangelt, ist schlicht Spannung und Suspense, denn die im Grunde interessante und aufregende Mordserie wird von Bava allzu unbeteiligt in Szene gesetzt. Alle Morde werden im Off verübt, stattdessen präsentiert Bava die Opfer als surreale Stilleben, die erstochen an Bäumen hängen, in der sanften Brandung liegen oder in Klarsichtsäcken von der Decke der Kühlkammer baumeln. Aus Lust am Thriller sollte man sich FIVE DOLLS eher nicht anschauen.

Was der Film stattdessen bietet - und was das Herz jedes Trash-Fans höher schlagen lässt - ist zum einen die Besetzung, die aus mehreren Kultfiguren des europäischen 70er-Kinos besteht. Da hätten wir neben William Berger oder Ira von Fürstenberg vor allem die wunderbare und berückend schöne Edwige Fenech, die gleich am Anfang einen wilden Tanz auf einer Party hinlegt, bevor sie sich später sonnenbadend vor glitzernder See auf einem Segelboot räkelt und an ihrem knackigen Lover herumfummelt.

Zum anderen ist FIVE DOLLS - wie so oft bei Bava - ein wahrer Augenschmaus. Vom schrillen Lounge-Design der Sets, über atemberaubende Sonnenuntergänge vor Insel-Panoramen bis hin zu den extravaganten Kostümen der attraktiven Darsteller entsteht ein greifbares Gefühl von Sommer, Strand und Jazz, verstärkt durch einen grandiosen (früher hätte man gesagt: fetzigen!) Piero Umiliani-Score. Bavas ausschweifende Verwendung des Zooms mag zwar manchem Cineasten heute heftige Kopfschmerzen bereiten, aber das war nun mal ein beliebtes Stilmittel seiner Zeit.
Obwohl Mario Bava die Spannung schleifen lässt, gibt es im Film nicht einen einzigen dümmlichen Moment oder eine Szene, in der es nicht etwas Interessantes zu sehen gäbe, sei es das kunstvolle Arrangement der Darsteller im Bildkader, oder den Kontrast von Kostümen, Sets und ausgeklügelter Beleuchtung. Bavas Kamera ist stets in Bewegung, filmt die Protagonisten oft durch Glas und Kunstobjekte hindurch und schafft so einige einprägsame Sequenzen - etwa, wenn Dutzende von Glaskugeln durch das Haus rollen und in einer Badewanne landen, in der eine hübsche Leiche liegt.

Am Ende präsentiert FIVE DOLLS noch einen sarkastischen Twist, der ebenfalls "A Bay of Blood" vorwegnimmt. Wie in vielen seiner Filme zeigt Bava hier einen ausgeprägten Nihilismus, wenn sich die beiden einzigen Sympathieträger des Films als besonders ausgekocht und hinterhältig offenbaren. Positive Gefühle existieren nicht in Bavas Welt aus Habgier und Mord - jeder denkt nur an seinen eigenen Vorteil und geht dafür über Leichen. Das macht seinen Film zwar unnahbar, aber auch faszinierend. Und so muss man trotz einiger Längen feststellen, dass ein Meister der Kamera und Inszenierung, dessen Talent immer noch nicht hoch genug geschätzt wird, selbst einem ungeliebten Werk wie diesem seinen unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Für Bava-Fans gibt es jedenfalls reichlich zu sehen.

Kleine Beobachtung am Rande: der reiche Industrielle (Teodoro Corra), der die Gäste zum Wochenende eingeladen hat, heißt im Film "George Stark". Kommt uns Horror-Fans der Name nicht irgendwie bekannt vor? (siehe hier).

Hierzulande ist FIVE DOLLS nach wie vor nicht zu bekommen, ich verweise gern auf die US-DVD von Image, die den Film im korrekten Format und in wundervollen satten Farben präsentiert, so wie man ihn genießen sollte, am besten in einer lauen Sommernacht.

07/10

Da waren's nur noch neun - "Five Dolls for an August Moon"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...