Dienstag, 29. März 2011

Eating Out (2004)

Da ist es wieder, das Geisterfahrer-Syndrom. Bin ich derjenige, der als einziger richtig fährt, oder habe ich doch die falsche Auffahrt genommen? Ein Gedanke, der mich während 90 qualvoller Minuten nicht mehr losließ.
Glücklicherweise gibt es das Internet, wo man Mitleidende trifft, die einem filmischen Zugunglück wie EATING OUT (Eating Out) ebenfalls nichts abgewinnen können, doch die Mehrheit der Rezensenten ist nach wie vor begeistert. Ein halbes Dutzend Preise auf verschiedenen Gay & Lesbian-Festivals hat EATING OUT ebenfalls abräumen können, und er hat bis heute zwei Fortsetzungen erhalten.

Warum nur?

EATING OUT erzählt die altbekannte Story von einem hübschen Hetero namens Caleb (Scott Lunsford), der dem guten Rat seines schwulen Mitbewohners (Jim Verraros, Ex-Teilnehmer der US-Variante von DSDS) folgt und sich fortan schwul gibt, um die Dame seines Herzens zu erobern, dabei aber die Bekanntschaft mit deren Mitbewohner Marc (Ryan Carnes) macht, der sich umgehend in Caleb verknallt. Marc ist nun aber der Traumtyp von Kyle, und schon dreht sich das Beziehungskarussell wie wild...

Ganz ehrlich, ich habe selten eine so stümperhafte, grauenvoll gespielte und inszenierte "Komödie" gesehen. Dass die beiden Hauptdarsteller knackig sind - und das sind sie nur, wenn man auf typisch bodygebuildete, ganzkörperenthaarte, solariumsgebräunte, Socken-beim-Sex-anbehaltende 08/15-Typen steht, die in schwulen Clubs gern in Käfigen tanzen - KANN nicht der einzige Grund für den Erfolg sein, oder ist die anvisierte Zielgruppe (zu der ich auch gehöre) dermaßen anspruchslos geworden?

Dabei klingt der Inhalt gar nicht mal verkehrt nach einer französischen Farce, die unter der Regie von - greifen wir kurz nach den Sternen - Francois Ozon eine wunderbar schrille, freche Komödie über Geschlechterrollen und Vorurteile hätte werden können, aber ganz sicher nicht unter den laienhaften Händen von Indie-Filmer Q. Allan Brocka, der auch nicht einen Funken künstlerisches Talent besitzt, weder für Timing noch für Tempo, Inszenierung oder Schauspielführung. Die Kamera filmt immer brav denjenigen, der gerade spricht, die schwulen Figuren reden alle wie in einer schlimmen "Sex and the City"-Folge (à la: "I'm SO not doing this", "I'm SO over you, Darling", etc.) - wobei man fairerweise sagen muss, dass auch die schlimmste SATC-Folge nicht so schlimm ist wie EATING OUT.
Die Schauspieler agieren wie in einer Schulaufführung, sie overacten entweder, was das Zeug hält oder stehen einfach nur da und sehen gut aus. Hauptdarsteller Lunsford zum Beispiel zeigt nicht eine einzige überzeugende menschliche Regung, er wandelt wie Barbies Ken (in jeder Beziehung) durch den Film. Lediglich die blonde "Traumfrau" Emily Stiles sorgt in der ersten Szene für einen Schmunzler, wenn sie den naiven Caleb mit einem rotierenden Vibrator attackiert, von da an geht es steil bergab.

Der Bekanntheitsgrad von EATING OUT in den USA ist der Tatsache geschuldet, dass es - Achtung, festhalten! - Frontal Male Nudity der beiden Hauptdarsteller zu sehen gibt (in einer höchst albernen Einstellung). Das beweist nur, wie unglaublich prüde das US-Publikum nach wie vor ist (welche Überraschung) und die Darstellung von Sex, Nacktheit und Körperfunktionen immer noch für Aufsehen sorgen. Man darf anmerken, dass es mehr Nacktheit im deutschen Fernsehen der 80er gab als in EATING OUT.

Absurderweise besitzt EATING OUT den Ruf einer unverklemmten, sexy romantischen Komödie mit nackten Tatsachen, dabei ist der Film von vorne bis hinten verklemmt, und was noch schlimmer ist: er arbeitet ununterbrochen mit den abgestandensten Schwulen-Stereotypen, vom "biestigen" besten Freund bis zum Hetero, der eigentlich doch nur Kerle will. Keines dieser Klischees wird jemals im Film gebrochen oder hinterfragt. Ach wie lustig. Warum also nicht gleich zu einem Film von Jean Daniel Cadinot (Gott hab' ihn selig) greifen, die sind in jedem Fall unterhaltsamer, witziger und professioneller gemacht. Die brauchen auch keine verkrampft konstruierte Geschichte, um die Kerle zur Sache kommen zu lassen.

"I'm SO not watching this again!"

01/10

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