Montag, 28. März 2011

Ciao (2008)

Nachdem sein bester Freund Mark bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, durchforstet Jeff (Adam Neal Smith) die E-Mails des Verstorbenen, um Freunde und Bekannte von dessen Ableben zu berichten. Dabei stößt er auf den Italiener Andrea (Allessandro Calza), den Mark per Internet kennen gelernt hat, und der ihn in Kürze besuchen wollte. Jeff lädt ihn ein, trotz des tragischen Vorfalls zu kommen, und so beginnt für beide eine schicksalhafte Begegnung, die vom gemeinsam erlebten Verlust zu einer intimen Nähe übergeht...

Ein schöner Filmstoff, das steht fest. So muss der "Hinterbliebene" Jeff seinen lange unterdrückten, bzw. ungeäußerten Gefühlen gegenüber dem Verstorbenen ins Auge sehen, während Andrea Abschied von jemandem nimmt, den er zwar nie gesehen hat, der aber einen Seelenverwandter für ihn war. Der Titel "Ciao" steht sowohl für Begrüßung als auch Abschied und bringt sein Thema perfekt zum Ausdruck.

CIAO (Ciao) wurde mit sehr wenig Geld von Yen Tan inszeniert und hat gute Rezensionen in schwulen Filmkreisen erhalten. Mich hat der Film trotz der interessanten Grundstory leider nicht wirklich angesprochen, zu langatmig und steif ist die Geschichte erzählt, zu mittelmäßig agieren die beiden Hauptdarsteller, die vom Drehbuch kaum Ecken oder Kanten erhalten. Die Trauer über den Verlust drückt Regisseur Tan in langen, starren und mit minimalistischer Musik unterlegten Einstellungen aus, die zunächst ein relativ überzeugendes Gefühl von Leere vermitteln, nach kurzer Zeit aber redundant und beliebig werden. Schon klar, dass hier emotionaler Stillstand erzählt werden soll, aber als Zuschauer hat man das Prinzip schnell verstanden und wartet auf neue Erkenntnisse, während CIAO immer wieder die gleichen Bilder präsentiert (wie Fotos an der Wand und Hauseinfahrten).

Die Handlung wird beinahe vollständig von den beiden Protagonisten getragen, lediglich Jeffs beste Freundin Lauren (Ethel Lung) taucht hin und wieder auf, wenn mal "darüber geredet" werden muss. Sie dient lediglich als Bindeglied und ist keine eigenständige Figur.
Der Look von CIAO ist dem Thema entsprechend düster und aufgrund der Budget-Beschränkungen flach. Positiv zu vermerken wäre noch, dass die Annäherung der beiden Männer relativ subtil erzählt wird und nicht - wie in anderen schwulen Filmen - rein über äußerliche Anziehung funktioniert.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass CIAO sicher gut gemeint ist, aber für ein überzeugendes Drama zum Thema "Tod und Abschied" fehlen ihm inhaltliche Tiefe und schauspielerische Klasse. Die Langsamkeit der Inszenierung, die ich andernorts begrüße, wirkt hier gewollt und bleiern. Man wird den Verdacht nicht los, dass CIAO bei strafferer Regie nicht genügend Substanz hätte, um über 90 Minuten zu kommen. Tom Fords "A Single Man" (2009) hat mich zwar aus anderen Gründen nicht überzeugt, bietet aber zum gleichen Thema sehr viel eindrucksvollere Bilder, Einfälle und mit Colin Firth einen Schauspieler, der Trauer und Verlust in allen Facetten darzustellen weiß.

04/10

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