Sonntag, 20. Februar 2011

Panische Angst (1980)

Und noch ein Film aus der guten, alten Post-"Halloween"-Zeit, diesmal sogar ein sehr dreister Abklatsch von John Carpenters brillantem Original, allerdings minus der Spannung und allem anderen, was "Halloween" (1978) auszeichnet.

PANISCHE ANGST (He Knows You're Alone) von Armand Mastroianni erzählt von einem Killer, der kurz vor der Hochzeit von seiner Braut in den Wind geschossen wurde und deswegen nun junge Frauen ermordet, die ebenfalls bald heiraten wollen. Wie günstig, dass sich gerade eine Gruppe hübscher Damen von ihren attraktiven Verlobten verabschiedet hat, die zum gemeinsamen Bachelor-Weekend aufbrechen und ihre Bräute schutzlos zurücklassen. Da hat der Killer freie Bahn...

Die Ähnlichkeiten zu "Halloween" sind mehr als unübersehbar, sie springen einem förmlich ins Gesicht. So ist etwa die Musik schamlos abgekupfert, die Heldin (Caitlin O'Heaney) wird wie weiland Jamie Lee Curtis die gesamte Filmlänge über vom irren Schlitzer verfolgt, statt des Psychiaters Donald Pleasence befindet sich ein Cop, der noch eine Rechnung offen hat, auf der Fährte des Mörders, und der Killer schlägt gerne zu, nachdem die Opfer Sex hatten.
Die bei Carpenter noch eher naiv geführte 'Botschaft', dass unmoralisches Verhalten schnell mal zum Tode führt, wird hier zum plumpen Hauptthema. Die allein gelassenen Bräute verabreden sich mit sympathischen Joggern oder haben wilden Sex mit verheirateten Professoren, die im Austausch für Körperflüssigkeiten gute Noten verteilen. Die männlichen Junggesellen-Abschiedler benehmen sich brav und rufen zu Hause an, während die Frauen bekommen, was sie verdienen - bis auf unsere Heldin, die zwar Zweifel an der bevorstehenden Hochzeit äußert und von ihrem netten Ex (Don Scardino) bedrängt wird, ansonsten aber ein anständiges Mädel bleibt und folgerichtig verschont werden darf - bis zum obligatorischen Schluss-Schock natürlich.

Wo John Carpenter jedoch durch Kamera, Schnitt und Musik eine bedrohliche, faszinierende Stimmung erschafft, ist PANISCHE ANGST vollkommen stillos und ohne Timing und Atmosphäre. Die Sequenz etwa, in der besagte Studentin mit ihrem Professor schläft und danach ermordet wird, ist dermaßen in die Länge gezogen, dass jedem Slasher-Fan der Appetit vergeht und man sanft ins Reich der Träume entschlummert, während sich die Protagonisten in Lebensgefahr befinden. Die Bilder sind flach, und die Handlung bietet keinerlei überraschende Wendung. Der (stumme) Killer glotzt bösartig durch Fenster, killt eine Braut nach der nächsten, und die Heldin muss am Ende um ihr Leben rennen. Das ist alles.

Positiv zu vermerken ist der Filmbeginn, in dem sich das erste Opfer gerade einen Slasher-Film im Kino ansieht, was zu einem kurzen Überraschungsmoment führt und später von Wes Craven in dessen "Scream 2" (1997) übernommen wurde. Wer aber meint, der Film würde danach die Formel des Genres parodieren, wird schnell enttäuscht, denn er folgt ihr sklavisch für den Rest der Laufzeit. Der Schlussfight zwischen Killer und Heldin ist einigermaßen unterhaltsam geraten, ansonsten ist PANISCHE ANGST nur erwähnenswert, weil der junge Tom Hanks hier eine kleine Frührolle spielt und zwei belanglose Auftritte als freundlicher Jogger bekommt.

PANISCHE ANGST ist leidlich unterhaltsam, bietet aber zu wenig für sein Geld. Die Mordszenen finden fast alle im Off statt, wodurch der Blutgehalt sehr gering ausfällt, und die Füllszenen zwischen den Thriller-Momenten treten auf der Stelle. Alles in allem ein Film, der zurecht weitgehend unbekannt geblieben ist.

04/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...