Dienstag, 8. Februar 2011

Loft - Die neue Saat der Gewalt (1985)

Wes Cravens "Last House on the Left" (1972) goes Arthouse.

Regisseur Eckhart Schmidt, der einige Jahre zuvor mit dem "Fan" (1982) bereits für Wirbel gesorgt hatte, bekam mit LOFT - DIE NEUE SAAT DER GEWALT erneut Ärger mit der staatlichen Zensurbehörde, die den Film nur mit Schnittauflagen ab 18 freigeben wollte. Auf DVD ist dieser bizarre Film nun endlich vollständig zu genießen.

LOFT spielt in einer nicht näher benannten Zukunft, an einem einzigen Schauplatz. Während sich draußen Kriegsgeräusche mit einem Industrial Wave-Soundtrack mischen, besuchen Raphaela (Rebecca Winter) und Raoul (Andreas Sportelli) eine Vernissage. Sie sind jung, hübsch, reich und schlecht gelaunt. Im Eingang werden sie von einer angeketteten Sibylle Rauch angepöbelt, die Teil der Performance-Art ist. Nette Menschen oder freundliche Worte gibt es nicht. Raoul hat sexuellen Notstand und will Raphaela gleich an Ort und Stelle vernaschen. Die ziert sich noch, lässt sich aber andauernde Demütigungen gefallen. Als die Vernissage beendet ist, stehen Raphaela und Raoul allein den vermeintlichen Veranstaltern gegenüber, einer Gruppe von jungen, gewaltbereiten Punks, die das Paar auf verschiedene Weise quälen. Ein Entkommen aus dem Loft gibt es nicht, und so müssen die Yuppies schließlich zurückschlagen. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt...

War "Der Fan" über weite Strecken realistisch angelegt, bleibt LOFT von Beginn bis Ende reines Kunstprodukt. Die Dialoge sind theaterhaft und mit Bedeutung auf- bis überladen, Gewalt und Sex werden ausgiebig zelebriert, Kameramann Bernd Neubauer taucht das nihilistische Geschehen in grell-bunte Bilder, die einen Argento stolz machen würden.

Nach Aussage von Eckhart Schmidt geht es in LOFT um den Kampf Kunst gegen Geld. Die Yuppies interessieren sich nicht für die ausgestellten Bilder, sondern sind nur mit sich selbst beschäftigt. Ihre Geldgeilheit und Charakterlosigkeit sind für den Krieg verantwortlich, der draußen stattfindet. Nun schlagen die Bilder zurück. Nachdem das Paar am Ende seine Peiniger umgebracht hat, sind diese - ebenso wie die Bilder - verschwunden. "Ihr gewinnt immer - aber wir kommen zurück - immer!" ruft der psychopathische Anführer (Karl-Heinz von Liebezeit) im Todeskampf. Es ist ein ewiger Kampf. Als Zuschauer wird man nicht eingebunden, Identifikationsfiguren existieren nicht. Man schaut nur mit Unbehagen zu, wie das hübsche Paar sich immer mehr verhält wie die Angreifer und zu weitaus drastischeren Methoden greift, um dem Wahnsinn zu entkommen.

Schmidts Inszenierung wird durch einige unfreiwillig komische Dialoge ("Das ist Wahnsinn!") und hölzerne Darstellungen sabotiert. Unter den Darstellern befindet sich übrigens auch ein junger Max Tidof, der eine klasse Leistung als Gedichte rezitierender Killer zeigt und in der blutrünstigsten Sequenz mit einer Glasscherbe im Hals verendet.
Schmidt greift auf einige Horror-Vorbilder zurück, namentlich Dario Argento, aus dessen "Tenebrae" (1982) er sich das Finale borgt. Wieder andere Regisseure haben sich bei Schmidt bedient. So ist es durchaus vorstellbar, dass sich Quentin Tarantino LOFT angesehen hat, denn die Art und Weise, wie einer der "Gang" den gesamten Film über verblutend am Boden liegt, erinnert nicht zufällig an "Reservoir Dogs" (1992).

Wem kann man nun LOFT empfehlen? Dass er nicht jedermanns Sache sein dürfte, liegt auf der Hand. Für alle, die auf abseitiges Kunstkino stehen, in denen die Grenzen zwischen Anspruch, Exploitation und Trash nicht mehr auszumachen sind, und die kein Problem mit drastischer Gewaltdarstellung und simuliertem Sex haben, ist dieser verstörende Schocker sicher ein Geheimtipp. Ebenso wie "Der Fan" ist LOFT ein intensives Zeitgeist-Dokument der 80er. Wer Mark Lesters "Die Klasse von 1984" mag, dem wird auch LOFT gefallen.

07/10

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