Sonntag, 27. Februar 2011

Creepshow (1982)

Der Episoden-Horrorfilm CREEPSHOW (Creepshow) lief hierzulande unter dem Titel "Die unglaublich verrückte Geisterstunde", Regie führte George A. Romero, der bereits für die "Brennen muss Salem"-Adaption vorgesehen war, welche schließlich von Tobe Hooper inszeniert wurde. Die Geschichten stammen aus der Feder von Stephen King und basieren nicht auf bereits veröffentlichtem Material, sondern wurden für den Film neu geschrieben.

In der Rahmenhandlung des Films leidet der junge Billy (Joe King, Sohn von Stephen) unter dem tyrannischen Vater (Tom Atkins), der ihm das Lesen von Horror-Comics verbietet. Prompt taucht ein Creep vor Billys Fenster auf und erzählt ihm (und uns) ein paar Gruselmärchen: am Vatertag taucht ein ermordeter Vater aus dem Grab auf und killt seine schnöselige Verwandtschaft, ein Komet mit seltsamer Pflanzensaat landet hinter der Farm des Dorftrottels Jody Verrill (Stpehen King persönlich) und überwuchert bald alles und jeden, ein Überwachungsfanatiker (Leslie Nielsen) nimmt grausame Rache an seiner ehebrecherischen Frau und deren Liebhaber (Ted Danson), die ihn daraufhin als Zombies besuchen, eine Kiste mit geheimnisvollem Inhalt wird einem Uni-Professor (Hal Holbrook) zum Verhängnis, und schließlich muss sich ein menschenfeindlicher Milliardär (E.G. Marshall) in seinem Designer-Penthouse mit einer Armee von Kakerlaken auseinandersetzen...

Dass CREEPSHOW ein Familienfilm ist, sieht man gleich an der Besetzung von Stephen King und dessen Spross Joe, dazu spielen Makeup-Guru Tom Savini und Gaylen Ross ("Dawn of the Dead", 1978) kleine Rollen. Die Geschichten basieren auf den mittlerweile legendären "E.C. Comics", und so inszeniert "Zombie"-Vater Romero das Spektakel in grell-knalligen Farben und extremer Stilisierung mit teilweise abstrakten Bildhintergründen, er hält die Darsteller zum Overacting an und sorgt für jede Menge Humor im makaberen Geschehen. Dazu gibt es allerlei optische Tricks wie das "Umblättern" von Szenen, Sprechblasen und Standbilder. Was Comic-Verfilmungen betrifft, ist CREEPSHOW ein Musterbeispiel, wie man die literarische Quelle in den Film einbezieht.

Die Episoden selbst sind von unterschiedlicher Qualität. Die "Vatertag"-Geschichte regt eher zum Schmunzeln an und bietet nur am Ende einen gelungenen Schocker (siehe unten), in der schwächsten Episode "Mondgestein" agiert Stephen King allzu übertrieben laienhaft. "Weggespült", "Expedition ins Tierreich" und die geniale Story "Insektenspray" hingegen sind absolute Leckerbissen und in Komik und Grauen gut ausbalanciert.
Inhaltlicher Anspruch, der die Werke von Romero auszeichnet, ist nur in der letzten Episode zu finden, wenn E.G. Marshall als Reinlichkeitsfanatiker und Konzernchef den ultimativen Ausbeuter darstellt, der Menschen wie Küchenschaben behandelt und durch diese dann zu Tode kommt. In dieser besten Geschichte sorgt der zynische Humor, zusammen mit dem einfallsreichen Production Design und einer extrem grimmigen Atmosphäre für wohligen Ekel und reichlich Gänsehaut.

Dank der hervorragenden Besetzung kommt kaum Langeweile auf. Die humorigste Darstellung kommt von Adrienne Barbeau ("The Fog", 1980) als saufende, vulgäre Professoren-Gattin aus der Hölle, die von ihrem Mann Holbrook an das Monster aus der Kiste verfüttert wird. Leslie Nielsen hingegen überrascht mit einer über weite Strecken kontrollierten Leistung als eiskalter Mörder. Unvergesslich bleibt E.G. Marshall als Supermilliardär, und in der ersten Episode ist ein junger und skurriler Ed Harris zu sehen.

In den deutschen Kinos lief CREEPSHOW übrigens ohne die Episode mit Leslie Nielsen und Ted Danson, weil der Film dem Verleiher zu lang war (abgesehen davon, dass sich so etwas überhaupt nicht gehört, hätte ich persönlich eher "Mondgestein" weggelassen). Auf Video wurde sie wieder eingefügt. Von CREEPSHOW existieren mittlerweile mehrere deutsche Fassungen mit unterschiedlicher Synchronisation. Die alte Kino-Synchro ist dabei mit Abstand besser als eine für die DVD-Veröffentlichung hergestellte, sehr billig gemachte Nachsynchronisation.

Romero und King wurden gute Freunde und planten mehrere gemeinsame Projekte. Ein paar Jahre nach CREEPSHOW sollte Romero Kings "Friedhof der Kuscheltiere" inszenieren - der wahrscheinlich beste Horrorfilm, der nie gemacht wurde. Wie allgemein bekannt, übernahm Mary Lambert bei der Verfilmung die Regie. Romero inszenierte dafür Anfang der 90er "Stephen King's Stark" (The Dark Half) mit mittelprächtigem Erfolg.

Fazit: CREEPSHOW bietet kunterbunte Gruselunterhaltung, nicht für die ganze Familie. Es gibt Zombies, Monster, schräge Charaktere und Krabbelviecher en masse, sowie Köpfe auf Silbertabletts, und das alles garniert mit viel bösem Humor. CREEPSHOW war so erfolgreich, dass die Fortsetzungen nicht allzu lange auf sich warten ließen.

08/10


Fröhlichen Vatertag - "Creepshow"

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