Donnerstag, 24. Februar 2011

Brennen muss Salem (1979)

BRENNEN MUSS SALEM (Salem's Lot) war die zweite Verfilmung eines Stephen King-Romans nach Brian De Palmas Riesenerfolg "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" (1976). Regie führte Regisseur Tobe Hooper, der mit seinem Kulthit "The Texas Chainsaw Massacre" (1974) einen großen Fankreis gewonnen hatte.

Stephen Kings Roman wurde aufgrund der Materialfülle als Zweiteiler für das US-Fernsehen produziert, und wenn man die Beschränkungen bedenkt, die das Medium dem Horrorfilm auferlegt, handelt es ich um eine recht ordentliche Adaption mit einigen Highlights, die man allerdings nur in der originalen Langfassung sehen sollte, aber dazu später mehr.

Inhalt: Der Schriftsteller Ben Mears (David Soul) kehrt nach vielen Jahren in seine Heimatstadt 'Salem's Lot' zurück, wo er noch immer unangenehme Gruselerinnerungen mit einem alten Gemäuer, dem 'Marsten Haus', verbindet, die er in einem Buch verarbeiten will. Dieses Haus wurde soeben neu bezogen, von einem mysteriösen Antiquitätenhändler (James Mason) und dessen Geschäftspartner, der aber seltsamerweise nie zu sehen ist. Kurz darauf verschwinden Einwohner des kleinen Städtchens oder fallen einem mörderischen Blutsauger zum Opfer. Zwei Möbelpacker, die eine alte Kiste ins Marsten Haus liefern, spüren den Hauch des Bösen, und bald schon muss Ben Mears der Tatsache ins Gesicht sehen, dass er das Böse in 'Salem's Lot' vernichten muss, wenn er jemals wieder Ruhe finden will...

Neben diesem Hauptplot erzählt der Film noch einige Nebenstränge und spielt den Horror-Stoff als "Unsere kleine Stadt" durch. Zusätzlich zu der dreistündigen TV-Fassung wurde eine 103-minütige Kurzfassung erstellt, die in Europa im Kino lief. Diese Version beinhaltet zwar alle Horror-Momente, macht aber durch den Verzicht auf Nebenhandlungen und Charakterisierungen einen holprigen und konfusen Eindruck. Die teilweise drastischen Schnitte sorgen für eine völlige Fehlgewichtung. So ist Hauptdarsteller David Soul etwa im Mittelteil für ca. 20 Minuten völlig aus dem Film verschwunden, seine Partnerin Bonnie Bedelia trifft es sogar noch ärger. Als Zuschauer versteht man nicht, wer eigentlich die Hauptfigur des Films sein soll, weil ständig Nebenfiguren abrupt eingeführt und andere nicht zu Ende erzählt werden.
Die Langfassung war im deutschen TV unter dem Titel "Schrecken im Marsten Haus" zu sehen, und nur so kann man den Film auch genießen. Auf DVD wurde hierzulande leider nur die verstümmelte Version veröffentlicht, die dazu noch schlechte Bild - und Tonqualität bietet.

Der Film selbst bietet eine schöne 70er-Gruselatmosphäre, wobei die Musik von Harry Sukman und die Bilder von Kameramann Jules Brenner enorm helfen. Die Schauspieler leisten gute Arbeit, wenngleich David Soul etwas blass in der Hauptrolle bleibt. Bonnie Bedelia als Souls Love-Interest ist wie immer klasse, sie gehört zu den Darstellerinnen, deren Talent von Hollywood nie richtig genutzt wurde, und die z.B. als Ehefrau von Bruce Willis in "Stirb langsam" 1 und 2 verschenkt wurde. In der King-Adaption "Needful Things - In einer kleinen Stadt" (1993) war sie ebenfalls zu sehen.

James Mason liefert eine Meisterleistung als stets elegante, aber finstere rechte Hand des Obervampirs. Dieser wird gespielt von Reggie Nalder, der Cineasten noch als Attentäter aus Hitchcocks "Der Mann, der zuviel wusste" (1956) in Erinnerung sein dürfte und hier als Max Schreck-Verschnitt verkleidet wird, was Stephen King überhaupt nicht gefiel. Tobe Hooper nannte das eine Hommage an Murnaus "Nosferatu" (1922), aber King orientierte sich inhaltlich eher an Bram Stokers "Dracula". So kommen viele wichtige Elemente aus Stokers Roman in variierter Form vor - die Kiste mit Muttererde, das Kinderopfer für den Obervampir, der Makler als Werkzeug des Bösen, etc.

Neben vielen Dialogszenen, in denen Tobe Hooper lediglich die Schauspieler führt und sich ansonsten zurückhält, gibt es einige gelungene Horror-Momente, insbesondere die Sequenzen, in denen die Kinder-Vampire in waberndem Nebel vor Fensterscheiben auftauchen und um Einlass bitten, bevor sie ihre Zähne in die Hälse ihrer Freunde schlagen. Das Marsten Haus strahlt als zentraler Hort es Bösen überzeugend Fäulnis und Modrigkeit aus, und der finale Kampf Gut gegen Böse ist packend in Szene gesetzt. Nichtsdestotrotz braucht man für die drei Stunden Laufzeit gutes Sitzfleisch, und nicht alle Subplots tragen wirklich viel zur Spannung oder Atmosphäre bei.

BRENNEN MUSS SALEM war immerhin so erfolgreich, dass sich kurz darauf sämtliche Horror-Regisseure um King-Stoffe rissen und eine Phase begann, in der kaum ein Monat ohne neue King-Verfilmung verging, bis das Publikum irgendwann genug hatte. Hoopers Film kommt nicht an die Meisterwerke "Carrie", "Shining" (1980) oder "Dead Zone" (1983) heran, aber was Fernsehen anbelangt, gehört er eindeutig zu den besseren Produktionen des Genres. Er wirkt zwar heute etwas angestaubt, kann aber gut unterhalten und für ein bisschen Gänsehaut sorgen.

B-Filmer Larry Cohen inszenierte 1987 die Fortsetzung "Salem II - Die Rückkehr", die nichts mit dem Vorgänger zu tun hat, aber als schwarze Komödie sehenswert ist. 2004 entstand ein unspektakuläres Kino-Remake mit Robe Lowe.

07/10 (TV-Fassung) 05/10 (Kinoversion)

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