Samstag, 12. Februar 2011

Basket Case - Der unheimliche Zwilling (1982)

Eine Perle des Underground-Kinos und einer der originellsten Horrorfilme der 80er ist Frank Henenlotters BASKET CASE - DER UNHEIMLICHE ZWILLING, der erst auf Video zum Kultfilm avancierte und viele Fans gewann, die ihn im Kino verpassten.

BASKET CASE erzählt von den siamesischen Zwillingen Duane (Kevin van Hentenryck) und Belial, die als Kinder getrennt wurden - eine Operation, die unglaublich schief ging. Seitdem trägt der (körperlich) gesunde Duane seinen deformierten Bruder in einem Weidenkorb mit sich herum und rächt sich an den Ärzten, die für die verpfuschte OP verantwortlich waren. Belial ist dabei weniger Mensch als ein bizarrer Klumpen Fleisch mit Armen, Kopf und Reißzähnen, aber seiner grausamen Rache entgeht niemand. Als sich Duane aber in die nette Sprechstundenhilfe Sharon (Terri Susan Smith) verliebt, wird ein Keil zwischen die einst so engen Brüder getrieben...

BASKET CASE ist ein mit wenig Geld hergestellter Independent-Film, der in jeder Szene die Begeisterung seines jungen Schöpfers Henenlotter ausstrahlt, so ähnlich wie man sie in Sam Raimis "Tanz der Teufel" (1981) und Don Coscarellis "Das Böse" (1979) findet. Ohne Schere im Kopf und mit verrückten Einfällen links und rechts entfacht Henenlotter ein echtes Feuerwerk an Gags, Horror und Splatter.

BASKET CASE ist dabei schwer einzuordnen. Seine absurde Grundidee, die allein schon konservative Kritiker brüskiert, wird noch durch die groteske Inszenierung und spektakuläre Mordsequenzen, in denen das Kunstblut in Strömen fließt, auf die Spitze getrieben. Die fantastische und irreale Story findet aber aufgrund des geringen Budgets an absolut realistischen Originalschauplätzen statt, was dem Film einen authentischen Look verleiht. So mietet sich Duane mit seinem Weidenkorb in einem schäbigen Hotel in New York ein, das für jeden Autorenfilmer der 70er die reine Freude wäre. Man spürt den Dreck, man riecht den Moder, und man empfindet auch die Einsamkeit der Großstadt, in der sich vorwiegend zwielichtige und skurrile Gestalten herumtreiben. Duane und sein Bruder im Körbchen sind nicht wirklich absonderlicher als der Rest der Charaktere, auch wenn diese vielleicht nicht gerade Chirurgen in zwei Hälften zerlegen.

Neben den Locations nimmt Henenlotter auch die Beziehung der beiden Brüder ergreifend ernst. Duane hat den mit Skalpell und gegen seinen Willen getrennten Zwilling aus dem Müll gerettet, in dem er nach der OP 'entsorgt' wurde, und seitdem kümmert er sich liebevoll um ihn, füttert ihn, trägt ihn überall mit sich herum. Als sich Duane verliebt, wird Belial eifersüchtig, fühlt sich vom Bruder im Stich gelassen und dreht durch. Diese menschlichen Gefühle in dem zumeist mit Stop Motion animierten Monster verwirren den Zuschauer und lassen ihn trotz dessen grausiger Taten teilhaben am Schicksal der Kreaturen, so wie es die besten Monsterfilme schaffen.

Regisseur Frank Henenlotter hat nach BASKET CASE mit "Frankenhooker" (1990) eine herrlich abgedrehte Frankenstein-Variante, und mit "Elmer" (1988) eine Drogen-Metapher, ganz im Stil seines Erstlings (inklusive Gastauftritt von Kevin "Duane" van Hentenryck mit Weidenkorb), inszeniert. Seine beiden Sequels "Basket Case 2" und "Basket Case 3" erreichten leider nicht die Qualität des Originals und beweisen nur, dass man eine gute Idee nicht unbedingt reproduzieren kann. Nach einer langen Pause von über 10 Jahren kehrte er mit "Bad Biology" (2008) zum Horrorfilm zurück.

09/10

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