Sonntag, 9. Januar 2011

WarGames - Kriegsspiele (1983)

Der junge Computernerd David (Matthew Broderick) hackt sich in das System eines - wie er glaubt - Spieleherstellers, um dessen noch nicht veröffentlichten Spiele zu testen. Er beginnt das Spiel "Weltweiter Thermonuklearer Krieg" und schickt als Simulation sowjetische U-Boote und Raketen auf den Weg. Was er nicht weiß: tatsächlich spielt er mit dem amerikanischen 'WOPR'-Computer, der selbständig über das US-Atomwaffen-Arsenal entscheidet und bereits den Gegenangriff plant. Bevor David weiß, was er getan hat, steht der Dritte Weltkrieg bevor, und der Computer weigert sich, das Spiel zu beenden...

WARGAMES - KRIEGSSPIELE (War Games) verwandelt die letzte Phase des Kalten Krieges, das Wettrüsten der Supermächte, sowie gesellschaftliche Ängste vor einem bevorstehenden Atomkrieg und dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes durch leistungsfähigere Maschinen in eine temporeiche und höchst unterhaltsame Geschichte, die immer noch gut funktioniert, wenn man von der - aus heutiger Sicht - amüsanten, vorsintflutlichen Computertechnik absieht, die hier benutzt wird und alle Nostalgiker auf eine herzerwärmende Zeitreise in die Welt der C-64er und überdimensionalen Disketten schicken dürfte. Angesichts des Größenwahnsinns im aktuellen Kino macht das Wiedersehen mit einem so klassisch-straffen Thriller, der fast völlig auf spektakuläre Effekte oder Subplots verzichtet und seine Figuren nicht mit überflüssigem, psychologischen Ballast überfrachtet, noch mehr Spaß. WARGAMES wirkt trotz einigen Aufwands fast bescheiden und deswegen umso liebenswerter.

Regisseur John Badham ("Dracula", 1979) ist zwar kein Künstler oder Visionär, aber ein ausgezeichneter Handwerker. Er hält das Geschehen mit überraschenden Wendungen und konstanter Drehung der Spannungsschraube bis zum Schluss unterhaltsam, wobei besonders das Finale auf mehreren Ebenen mitreißt. Die beste Sequenz allerdings gelingt ihm gleich zu Beginn, wenn zwei US-Offiziere im Raketensilo den Abschussbefehl für die Atomraketen erhalten, aber nicht wissen, dass es sich lediglich um eine Simulation handelt. Auch hier hätte ein talentierterer Regisseur (man denkt unwillkürlich an Brian De Palma) noch mehr herausholen können, aber für ein Mainstream-Publikum reicht das Adrenalin-Level vollkommen aus.
Schnitt, Musik und Kamera stehen sämtlich im Dienst der Story, die Charaktere sind sympathische Klischees (die Wissenschaftler sind liebenswert-schrullig, die Militärs können den Krieg kaum erwarten), die Darsteller sind alle auf Typ besetzt und können sämtlich überzeugen. Matthew Broderick hatte mit WARGAMES seinen Durchbruch und spielt seinen tapsigen Schlauberger mit höchstem Knuddel-Faktor.

Und während nur wenige Jahre später Filme wie "Top Gun" (1986) Kriegseinsätze und Sowjetvernichtung als Hurra-Hochglanz-Spektakel feierten, endet WARGAMES mit einer überraschend pazifistischen Botschaft. Wenn schon ein Computer lernt, dass in einem wahnsinnigen Spiel (sprich: Wettrüsten) der einzig sinnvolle Spielzug darin besteht, nicht zu spielen, weil niemand gewinnen kann - dann kann das doch auch die Welt lernen, oder?
Daumen hoch für einen gut gemeinten und gut gemachten Thriller, der fröhlich über seine Logiklöcher hüpft und den Verantwortlichen in Machtpositionen noch einen guten Rat mit auf den Weg gibt.

8.5/10

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