Dienstag, 25. Januar 2011

Spasmo (1974)

Wer an den italienischen Giallo denkt, denkt automatisch an Sex, Gewalt, schwarze Handschuhe, ausgeklügelte Kamerafahrten und avantgardistische Musik. In Umberto Lenzis Beitrag SPASMO (Spasmo) bekommen wir allerdings fast nichts davon, und somit ist er selbst für eingefleischte Giallo-Fans eine ziemlich zermürbende Tortur.

Zum Inhalt: der Industriellensohn Robert Hoffmann findet am Strand die bewusstlose Suzy Kendall und verliebt sich umgehend, weswegen er seine aktuelle Freundin in die Wüste schickt. Auf einer Party trifft er Kendall wieder, und die beiden landen in einem Motel. Dort wird Hoffmann von einem Unbekannten überfallen, den er in Notwehr tötet. Doch die Leiche ist kurz darauf verschwunden. Hoffmann und Kendall fahren in das Landhaus von Kendalls Freundin, wo sich die Kette seltsamer Ereignisse fortsetzt. Und warum liegen oder hängen überall Schaufensterpuppen herum? Bis zur überraschenden Auflösung vergeht noch einige Filmzeit...

Die Prämisse von SPASMO ist interessant, aber leider beweist Umberto Lenzi wieder einmal, dass er als Regisseur nur wenig Talent für Spannungsaufbau oder Atmosphäre besitzt, zwei Grundvoraussetzungen des Giallos. Der Name Lenzi ist für immer mit den berüchtigten Kannibalenfilmen verbunden, die er in den späten 70ern/frühen 80ern inszenierte, und auch diese glänzen nicht gerade durch inszenatorisches Geschick. Mit "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1972), dem letzten Film der auslaufenden Edgar Wallace-Reihe, hat er einen soliden Beitrag zum Giallo abgeliefert, aber auch der hätte sehr viel besser werden können, wenn ein Bava, Argento oder Sergio Martino Regie geführt hätte. Ursprünglich war für SPASMO übrigens Lucio Fulci als Regisseur vorgesehen.

So verschleppt Lenzi das Tempo, bis auch der letzte Zuschauerf sanft entschlummert ist - schade, denn die Auflösung von SPASMO ist sehr bizarr und hätte einen besseren Film verdient. Das bisschen Stimmung, das gelegentlich aufkommt, entsteht durch die Aufnahmen der Schaufensterpuppen, die sich seit Mario Bavas "Blutige Seide" (1963) immer gut in Horrorfilmen machen. Ansonsten bleibt der Thriller erstaunlich blutleer in jedem Sinne. Brillante Dialoge erwartet man ohnehin nicht in diesem Genre, das eher auf oberflächliche Schauwerte setzt, doch ist hier die gesamte Story zu konfus und langatmig geraten.

Die Schauspieler können ebenfalls nichts reißen. Robert Hoffmann, bekannt aus dem Wallace-Krimi "Neues vom Hexer" (1965), geht mit wenig Ausdruck durch den Film, und Partnerin Suzy Kendall kann zwar auf einige Rollen in Klassikern des Genres zurückblicken ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", 1970), bleibt aber ebenso nichtssagend.
Der einzige, der ein erhöhtes Maß an Kreativität an den Tag legt, ist Ennio Morricone, dessen Score sich fantastisch anhört und für die wenigen guten Momente sorgt. Seinen Soundtrack kann man auch ohne den dazu gehörigen Film genießen.

So bleibt am Ende nur ein enttäuschendes Fazit. SPASMO wird niemanden davon überzeugen, dass es im Giallo-Genre echte Meisterwerke zu entdecken gibt. Schade.

03/10

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