Mittwoch, 5. Januar 2011

Reporter des Satans (1951)

Billy Wilders REPORTER DES SATANS (Ace in the Hole) entstand nach "Sunset Boulevard" (1950) und knüpft nahtlos an dessen düster-pessimistische Weltsicht an, geht sogar ein paar Schritte weiter.

Der Film erzählt vom gescheiterten Reporter 'Chuck' Tatum (Kirk Douglas), einem unsympathischen Karrieristen, der gern mal zu tief in die Flasche schaut und keinen Job mehr bei einer Zeitung bekommt, die etwas auf sich hält. Im Wüstenkaff Albuquerque findet er eine Anstellung bei einer Lokalzeitung, bekommt aber nichts zu tun. Als er zu einer Klapperschlangenjagd in die Wüste geschickt wird, erfährt er zufällig, dass ein Mann (Richard Benedict) auf der Suche nach indianischen Überbleibseln in einer Berghöhle verschüttet wurde. Tatum findet den eingeschlossenen Unglücksraben, der von Geröll so eingeklemmt ist, dass er sich kaum bewegen kann, und bereitet eine Sensationsstory vor. Er verhindert, dass andere Reporter über das Schicksal des Mannes berichten und lockt jede Menge Schaulustiger an, während der Eingeschlossene immer schwächer wird. Tatum verzögert durch Einflussnahme die Rettungsarbeiten und korrumpiert alle Menschen in seiner Umgebung. Die Tragödie ist schließlich nicht mehr aufzuhalten...

Billy Wilder zeichnet in REPORTER DES SATANS in der Tat ein ebenso zynisches wie realistisches Bild der Presse, und zwar nicht nur von der Boulevardpresse, wie oft im Zusammenhang mit dem Film zu lesen ist. Douglas' Berufsethos erfahren wir gleich zu Beginn, wenn er sich über das Mantra "Tell the Truth" lustig macht, das als Stickerei und Mahnung in den Büros der Zeitung hängt. Ihm geht es nicht darum, die Wahrheit zu erzählen, sondern Zeitungen zu verkaufen. Mit einem Einzelschicksal geht das immer besser als mit einer Statistik. Werden hundert Männer verschüttet, interessiert das niemanden. Wird einer verschüttet, will jeder alles erfahren.

Doch nicht nur Douglas bekommt als Reporter des Satans sein Fett weg. Die Ehefrau des Verschütteten freut sich über den Andrang von Schaulustigen, der sympathische Fotograf träumt plötzlich von der großen Karriere. Die Presse verwandelt - wenn es nach Wilder geht - alles in Dreck. Sie appelliert an die niedersten Instinkte, während sie Empathie und Mitleid heuchelt, und das dumme Volk trabt zum Schauplatz des Unglücks wie zum Rummel und frisst gierig, was ihr das Medium vorsetzt.

Man muss nicht extra erwähnen, dass sich bis heute nichts geändert hat. REPORTER DES SATANS ist so aktuell wie eh und je, man staunt eher darüber, dass es 1951 schon genau so zuging. Wilders Film ist handwerklich makellos. Klare Bilder, gute Darsteller, packende Inszenierung. Wohl fühlt man sich dabei nicht, und Wilder bemüht sich auch nicht ein bisschen, den von Kirk Douglas gespielten Antihelden irgendwie sympathischer zu machen. Seine finale Läuterung ist lediglich ein Zugeständnis an Hollywood, das an naive Träume glauben möchte und diese gern verkauft. Kein Wunder, dass kaum jemand den Film sehen wollte, wer lässt sich schon gern so ungeschminkt den Spiegel vorhalten?
Von Wilders schwarzen Filmen ist dies der schwärzeste. Sogar "Double Indemnity" (1944) geht liebevoller mit seinen verkommenen Figuren um, und einen Edward G. Robinson sucht man hier vergebens.

Übrigens ist der Film hierzulande bislang nicht auf DVD erschienen. Noch so ein Skandal.

09/10

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