Mittwoch, 12. Januar 2011

Maniac (1980)

"I Warned You Not To Go Out Tonight!"

Und das ist ernst gemeint. Denn da draußen im nächtlichen New York treibt sich Frank Zito (Joe Spinell) herum, der gerne Prostituierte skalpiert, Krankenschwestern durch leere U-Bahnhöfe jagt oder Autofahrern mit einer Schrotflinte den Kopf wegpustet. In seiner heruntergekommenen Wohnung haust Frank in Gesellschaft von Schaufensterpuppen, denen er gerne die Todes-Trophäen (sprich: Skalps) seiner Opfer auf den Plastikkopf nagelt. Und das alles nur, weil Mama immer die Zigaretten auf Franks nacktem Körper auszudrücken pflegte. Da kann nicht mal Fotografin Anna (Caroline Munro, die eine Italienerin mit britischem Akzent spielt) helfen, die kurzzeitig eine Art Freundschaft zum Serienkiller aufbaut, ihm aber dann doch lieber eins mit einer Grabschaufel überzieht. Als dann noch die Schaufensterpuppen/Opfer in Franks Apartment lebendig werden und sich für die erlittenen Qualen rächen, ist der Alptraum komplett...

Nein, schön anzusehen ist MANIAC (Maniac) nicht. Und berüchtigt ist er auch. MANIAC war der erste Horrorfilm, der nach seiner Veröffentlichung auf Video in den 80ern hierzulande aus Jugendschutzgründen beschlagnahmt wurde, und das ist er bis heute. Auch in den USA hagelte es Proteste gegen einen Film, der Gewalt gegen Frauen zur Hauptattraktion macht, das Morden und Skalpieren mit beängstigend realistischen Spezialeffekten und Makeup-Tricks genüßlich zelebriert, und der so grimmig inszeniert ist, dass einem das Popcorn im Halse steckenbleibt. Allein das provokante Filmplakat (nicht das o.a., sondern das andere) erregte damals heftig die Gemüter und wurde in Nachrichtensendungen diskutiert.

Und doch, MANIAC hat die Jahrzehnte und die Kontroversen überlebt. Während andere Slasher längst in Vergessenheit geraten sind, feierte MANIAC jüngst seinen 30-jährigen Geburtstag (Herzlichen Glückwunsch!) mit einer 'Special Edition'-DVD in den USA. MANIAC bleibt bestehen, er bleibt im Gedächtnis. Nicht nur wegen der bluttriefenden Mordsequenzen, die von Makeup-Guru Tom Savini so überzeugend in Szene gesetzt werden, dass man heute noch staunt (die Masken-Arbeit steckt jeden modernen CGI-Effekt locker in die Tasche), sondern wegen seiner unnachgiebigen Atmosphäre.
MANIAC entstand zum Großteil an Originalschauplätzen in New York (teilweise wurde ohne Genehmigung gedreht), und Regisseur William Lustig fängt die Stadt in all ihrer Hässlichkeit ein. Heruntergekommene Stundenhotels, Sexkinos, verwaiste Parkplätze, die Welt von MANIAC ist eine urbane Hölle, die Menschen wie Frank Zito (Spinell) ausspuckt. Die wenigen Szenen bei Tageslicht irritieren geradezu, denn in dieser Hölle ist fast ausschließlich Nacht.

Regisseur William Lustig bleibt stets dicht an seinem Protagonisten und inszeniert ihn so emotionslos wie ein wissenschaftliches Studienobjekt. Es bietet sich ein interessanter Vergleich mit dem ungefähr zeitgleich entstandenen "Dressed to Kill" (1980) an, der ebenfalls eine ausgedehnte Jagd durch die New Yorker U-Bahn schildert. Beide sind mörderisch spannend, funktionieren aber auf völlig unterschiedliche Weise. Ist es bei De Palma die ausgeklügelte Cinemascope-Kameraarbeit, finden wir bei Lustig einen gnadenlosen Realismus.

Joe Spinell spielt diesen irren Frank Zito mit Hingabe. Sein fortwährendes Gemurmel und Grunzen ist gar nicht komisch (nichtmal unfreiwillig), man begreift stattdessen, dass er selbst ein Gejagter ist. Interessant ist auch auf das beinahe zärtliche Thema, das Komponist Jay Chattaway unserem Serienkiller auf den Leib schreibt. Eine traurige Geschichte.
Das einzige, was an MANIAC nicht funktioniert, ist die Andeutung einer Liebesgeschichte zwischen Spinell und der hinreißend schönen und smarten Caroline Munro, die im wahren Leben einem Frank Zito keinen zweiten Blick schenken würde.

MANIAC erhielt nicht eine positive Besprechung, er wurde beschimpft, verjagt und geprügelt. Das Publikum machte ihn schon damals zum Hit, auch weil er schnell seinen Ruf als "Nasty" weg hatte. Alle Verbote und Versuche, MANIAC unter den Teppich zu kehren, liefen ins Leere. Tom Savini hat sich jahrelang vom Film distanziert, heute erzählt er lustige Anekdoten vom Dreh. MANIAC ist immer noch da, und er bleibt.
Dieser dreckige, abstoßende kleine Film ist einer der besten Horrorfilme seines Jahrzehnts.

10/10

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