Mittwoch, 19. Januar 2011

Macabro - Die Küsse der Jane Baxter (1980)

MACABRO (Macabre/Frozen Terror) ist das Regiedebüt von Lamberto Bava, Sohn des großen Horror-Meisters Mario Bava, und gleichzeitig sein bester Film, eine bedrückende Psycho-Studie, die ihren Titel wirklich verdient hat.

Erzählte Papa Mario in seinem letzten Film "Shock" (1977) von einer Frau, die langsam dem Wahnsinn verfällt, haben wir hier mit Bernice Stegers als Jane Baxter schon gleich zu Beginn eine voll ausgebildete, lupenreine Psychopathin, denn die Ereignisse, die bei ihr sämtliche Schrauben gelockert haben, liegen bereits zurück. Ein Jahr zuvor verlor sie nicht nur ihren kleinen Sohn, der aus Eifersucht von seiner Schwester ertränkt wurde, sondern auch den Liebhaber, der bei einem bizarren Autounfall, an dem Jane durchaus mitschuldig war, enthauptet wurde. Nach 12 Monaten in der Nervenheilanstalt kehrt sie nun in ihr altes Haus in New Orleans zurück, aber dem blinden Vermieter (Stanko Molnar), der ebenfalls im Haus wohnt, ist Jane nicht ganz geheuer. Nacht für Nacht dringt erotisches Stöhnen aus ihrer Wohnung. Könnte es sein, dass Jane den abgetrennten Kopf ihres Lovers im Kühlschrank aufbewahrt und mit ihm sündige Nächte verbringt? Das wäre doch zu entsetzlich, oder...?

Das war lediglich ein kleiner Spoiler, denn die Wahrheit über die heißen Nächte mit tiefgefrorenem Kopf wird schnell von Lamberto Bava enthüllt.
Das grundsätzliche Problem von MACABRO ist die Tatsache, dass die Geschichte nicht wirklich die Spielfilmlänge füllt, sondern eher eine makabere Kurzgeschichte ist, und so gibt es hier und da auch einige Längen, in denen einfach nicht klar wird, wohin der Film will. Es fehlt eine dramatische Entwicklung, wie sie etwa Polanski in "Ekel" (1965) beschrieben hat. Da das Abgleiten in den Wahnsinn hier bereits abgeschlossen ist, wenn der Vorspann läuft, gibt es keine Steigerungsmöglichkeit mehr für Frau Jane Baxter, es besteht lediglich die Spannung, wann ihr Geheimnis gelüftet wird.

Das soll aber nicht heißen, dass MACABRO kein guter Film ist, im Gegenteil. Lamberto Bava hat zwar noch deutlich erfolgreichere Horrorfilme gedreht, aber nie einen atmosphärischeren. Die New Orleans-Locations mit Raddampfern, Friedhöfen und alten Häusern sind stimmungsvoll eingefangen, die Musik passt, und Bernice Stegers, die zuvor mit Fellini drehte, ist absolut überzeugend als geisteskranke Jane Baxter, die über das erlittene Unglück nicht hinwegkommt. Trotz seines reißerischen und sicherlich geschmacklosen Inhalts bleibt MACABRO erstaunlich dezent und zurückhaltend. Erst im Finale, wenn sich die Ereignisse überschlagen und die Charaktere der Wahrheit ins Gesicht blicken, schlägt der Horror richtig zu, und der Schluss-Schocker ist so gut inszeniert, dass er mich jedes Mal erwischt.
Der wird übrigens dummerweise sowohl im Trailer als auch auf dem DVD-Cover verraten. Wer sich also das Vergnügen nicht verderben lassen will, sollte weder den Covertext lesen noch die Bilder anschauen, noch die DVD-Extras vor dem Hauptfilm begutachten, also am besten beim Kauf und Einlegen der Scheibe die Augen geschlossen halten...

Mit Nekrophilie, Tod und Verwesung hat Lamberto Bava die Lieblingsthemen seines Vaters aufgegriffen und gezeigt, was er von ihm gelernt hat. Amerikanische Vorbilder sind hier kaum erkennbar, am ehesten noch der britische Klassiker "Peeping Tom" (1960) mit der Figur des blinden Nachbarn, der die Wahrheit ahnt. Ansonsten ist MACABRO ist ein sehr eigenständiger und persönlicher Film. Ich kann ihn allen Fans italienischer Horrorfilme wärmstens ans Herz legen.

08/10

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