Donnerstag, 13. Januar 2011

Date Night (2010)

Bevor wir über DATE NIGHT (Date Night) sprechen, möchte ich ein paar Filme aufzählen, die Regisseur Shawn Levy zuvor gemacht hat. Und bitte:

Voll verheiratet (2003)
Witzlose Flitterwochen-Komödie mit Ashton Kutcher.

Im Dutzend billiger (2003)
Witzloses, verkitschtes Remake für die ganze Familie mit einem dauergrinsenden Steve Martin.

Der rosarote Panther (2006)
Witzloses, das Original beleidigendes Remake für die ganze Familie mit einem dauergrinsenden Steve Martin.

Nachts im Museum 1 & 2 (2006/2009)
Witzloses Abenteuer für die ganze Familie mit einem unlustigen Ben Stiller.

Wie hoch stehen nun die Chancen, dass es sich bei DATE NIGHT um eine witzige, unterhaltsame Komödie handelt? Eben. Dabei hätte die Prämisse das Zeug dazu gehabt. Filme über Menschen, die durch Zufall oder widrige Umstände in Extremsituationen geraten und eine Nacht voller Katastrophen erleben, aus der sie verändert wieder hervorkommen, gab es bereits zuvor. Martin Scorsese hat mit "After Hours" (1984) die beste davon gemacht, aber sogar ein harmloser Beitrag wie "Die Nacht der Abenteuer" (1987) war zumindest für ein paar Lacher gut.

Bei DATE NIGHT hingegen beginnen die Probleme schon im Vorspann, wenn wir (begleitet vom wohl unpassendsten Rocksong der Filmgeschichte) eine zehnminütige Exposition serviert bekommen, die das Leben von Ehepaar Steve Carell und Tina Fey als langweilige Routine beschreibt. Da merkt man, dass der Film sich sehr witzig findet, nur... er ist es nicht. Die Kinder der beiden sollen liebenswert-nervig sein, sind aber nur nervig, und ganz ehrlich - wie oft haben wir Filme gesehen, die den Alltag einer Familie beschreiben und mit dem "morgendlichen Aufstehen" beginnen? Ich kann es nicht mehr zählen, ich weiß nur, es hängt mir zum Hals raus. Während damals Billy Wilder "Es geht immer noch besser" sagte, lautet heute die Devise: "Das hat hundertmal funktioniert, das wird auch noch weitere 100 mal funktionieren!"

Nun gut. Unser "normales" Ehepaar hat zwar wie üblich keine Geldsorgen, aber mit dem Sex ist es irgendwie vorbei. Dass erwachsene Menschen nach Hochzeit und Nachwuchsproduktion möglicherweise noch andere Interessen haben, spielt in den Gedankengängen Hollywoods keine Rolle (und findet dort wahrscheinlich auch nicht statt), dieses Ehepaar soll frustriert sein und ist es auch. Schade nur, dass kein einziger Gag zündet.

Der weitere Handlungsverlauf im Schnelldurchlauf: unser Ehepaar verpasst eine Restaurant-Reservierung und schnappt sich den freien Tisch eines anderen Paares, welches nicht erschienen ist (Hitchcocks "North by Northwest" lässt herzlich grüßen). Prompt tauchen ein paar Gangster auf, die einen Speicherstick verlangen (früher wären es das Videoband oder die CD gewesen), was zu absurden Situationen, Verfolgungsjagden und einem groß angelegten SWAT-Einsatz im Finale führt, bevor unser Paar - leicht derangiert, aber endlich wieder in Leidenschaft vereint - nach Hause ins langweilige Alltagsleben entlassen wird.

Klingt gar nicht so übel, aber es fehlt an jeder Ecke der Witz. Wie ein Film überhaupt ein solches Talent wie das von Tina Fey verschwenden kann, ist mir ein Rätsel. Jede Episode von Feys TV-Comedy "30 Rock" ist hundertmal witziger als DATE NIGHT. Zwar nutzt der Film ihre Fähigkeit zu absurder Improvisation, diese passt aber leider nicht zum Charakter der "normalen, berufstätigen Frau". Allein wegen Tina Fey habe ich mir diesen Quark überhaupt angesehen. Steve Carell fand ich hingegen noch nie komisch (er spult nur seine bekannte "ausdrucksloses Gesicht"-Nummer ab), und auch DATE NIGHT hat daran nichts geändert.

Der "Höhepunkt" von DATE NIGHT ist eine überlange Autoverfolgungsjagd mit verkeilten Wagen, kreativer wird es nicht. Die Szene, in der Fey und Carell einen "erotischen" Tanz an der Stripperstange absolvieren müssen, erinnert vage an die "Blues"-Sequenz aus der "Nacht der Abenteuer" und sorgt ebenfalls nur für müdes Lächeln. Den einzig amüsanten Auftritt bekommt James Franco als dümmlicher Möchtegern-Gangster. Mark Wahlberg hingegen kann zwar ein erfolgreiches Workout vorweisen und absolviert den Film komplett ohne Hemd, schauspielerisch zeigt er aber nichts, komödiantisch schon gar nichts. Ein Gesichtsausdruck reicht.

DATE NIGHT ist insgesamt ein überproduziertes und schlicht langweiliges Spektakel für die ganze Familie, dessen Witz schon vor dem Dreh verloren gegangen ist. Solange talentfreie und bisslose Leute wie Shawn Levy Hollywood-Komödien inszenieren dürfen, wird sich an deren schrecklicher Qualität auch nichts ändern.

02/10

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