Montag, 3. Januar 2011

Das letzte Ufer (1959)

Der Atomkrieg ist vorbei, die Menschheit ist fast ausgerottet. Nur in Australien haben die Menschen überlebt, aber ihre Zeit läuft ab, je höher jeden Tag die radioaktive Strahlenbelastung wird. Captain Towers (Gregory Peck), Kommandant eines amerikanischen Atom-U-Boots, verliebt sich in die alkoholabhängige Moira (Ava Gardner), während der junge Leutnant Holmes (Anthony Perkins) sich vor allem Sorgen um Frau und Baby macht. Der Zyniker Osborne (Fred Astaire) hat dagegen längst mit allem abgeschlossen. Eine Rettung ist nicht in Sicht. Wie geht man mit dem bisschen Zeit um, das einem bleibt?

Stanley Kramers Endzeitdrama DAS LETZTE UFER (On the Beach), nach dem Roman von Nevil Shute, erhielt gemischte Kritiken. Für manche war er ein überlanger, misslungener Science Fiction-Versuch, der lediglich auf seine Stars setzt, für andere war er ein eindringliches Meisterwerk, das den Mut hat, ein persönliches Statement zur Rettung einer Menschheit zu setzen, die es wert ist, gerettet zu werden.
Dieser Mut, einen durch und durch deprimierenden Film zu schaffen, an dessen Ende fast alle Hauptdarsteller ihr Leben gelassen haben oder noch lassen werden, muss in der Tat bewundert werden. Stanley Kramer lässt von Anfang an keine Hoffnung zu, das drohende Ende könne eventuell noch aufgehalten werden. Nicht einmal durch den vermeintlichen Funkkontakt, der aus dem ausgestorbenen San Diego kommt, und der sich leere Cola-Flasche herausstellt, die sich in einer Fensterjalousie verfangen hat. Mit ihr gelingt Kramer ein wirkungsvolles Symbol für den Zusammenbruch der Zivilisation. Immerhin, wenn bei Coca Cola das Licht ausgeht, dann ist das Ende nah.

DAS LETZTE UFER ist ein Katastrophenfilm, in dem die Katastrophe bereits passiert ist, bevor der Film beginnt. Die noch größere Katastrophe steht bevor und wird nach dem Abspann geschehen. Die Filmzeit verbringen wir mit Todgeweihten. Oft können wir ihre Gesichter gar nicht mehr erkennen, so sehr liegt der Schatten des Todes schon über ihnen. Sie sind Gespenster einer wahnsinnig gewordenen Welt. Da alle nur auf das Ende warten, ist DAS LETZTE UFER auch kein Actionfilm, sondern ein dialoglastiges Drama. Die Charaktere sind präzise gezeichnet und werden von der erlesenen Besetzung eindringlich gespielt. Auch wenn der Film gelegentlich in Hollywood-Melodramatik abrutscht (deutlich in der Überbetonung der Filmmusik), ist er doch auf anderer Ebene wieder erschreckend modern. Ein paar wenige Längen sind dabei leicht zu verschmerzen.

Die Frage, wer den Krieg begann und warum, wird kurz gestellt, aber bewusst nicht beantwortet. Anders als in Kramers folgenden Gerichtsdramen "Wer den Wind sät" (1960) und "Urteil von Nürnberg" (1961) geht es nicht um die Schuldfrage, sondern um die Konsequenzen.
So findet er auch keinen Humor in seinem Endzeitszenario und konzentriert sich auf die wenigen Überlebenden, die ihrem Tod entgegensehen. Einige wagen noch eine letzte große Liebe, andere erfüllen sich einen Kindheitstraum, wieder andere verlieren den Verstand und blenden die Realität komplett aus.
Lohnt es sich, im Angesicht des Todes noch Gefühle zu investieren? Etwas Neues zu beginnen? Oder sollte man sich gleich in die Erlösungsversprechen der Religion flüchten? Die letzten Gläubigen versammeln sich unter einem Banner mit der Aufschrift "There's Still Time...Brother". Es ist das letzte Bild im Film.
Es ist noch Zeit. Aber wie viel?

09/10

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