Montag, 17. Januar 2011

Dämonen 2 (1985)

Kurz zur merkwürdigen deutschen Titelgebung: Bei DÄMONEN 2 handelt es sich - Fans wissen das - um den ersten Teil der "Dämonen"- Reihe. Während der Nachfolger "Demoni 2" (1986) bei uns im Kino als "Dämonen" lief, erschien das Original lediglich später auf Video (zumindest kurz, bevor es beschlagnahmt wurde) und musste daher DÄMONEN 2 genannt werden, was zu ständigen Verwechslungen führte.

DEMONI war 1985 ein weltweiter Horror-Überraschungshit. Dank seiner furiosen Mischung aus Hardcore-Splatter-Effekten, irrwitzigem Tempo und knalligem Soundtrack kann man ihn trotz (und wegen) vieler Ungereimtheiten, schlechter Darstellerleistungen und alberner Dialoge heute immer noch gut sehen. Produziert wurde DEMONI von Dario Argento, der seinem langjährigen Regie-Assistenten Lamberto Bava (Sohn des großen Meisters Mario) die Regie überließ.

Der (dünne) Inhalt: Im Berliner Kinopalast 'Metropol' findet die Sneak-Preview eines Horrorfilms statt, für die eine bizarre Gestalt mit Gesichtsmaske (gespielt von Regisseur Michele Soavi) Einladungen in der Stadt verteilt. Zwei Studentinnen beschließen, die Vorlesung zu schmeißen und sich lieber im Kino zu amüsieren. Diese Entscheidung bereuen sie aber bald, denn dort erleben sie das absolute Grauen. Eine Zuschauerin verletzt sich im Foyer an einer Stahlmaske, und wie der Teufel es will, infiziert sich die Wunde und verwandelt die Dame in einen rasenden Zombie, der während der Vorstellung durch die Leinwand fällt und mit grünem Schaum vorm Mund Jagd auf das kreischende Publikum macht. Da bleibt kaum ein Körper unversehrt, und jedes der Opfer verwandelt sich wiederum selbst in einen Zombie im Blutrausch. Da die Ungeheuer alle Ausgänge verbarrikadiert haben, gibt es bald nur noch eine kleine Gruppe Überlebender, die aus dem Kino verzweifelt einen Ausweg suchen...

Viel mehr Handlung gibt es nicht. Sobald das Gemetzel losgeht, erzählt DEMONI in einer losen Reihenfolge die Fluchtversuche der Eingeschlossenen, die durch Lüftungsschächte klettern, erfolglos um Hilfe rufen und sich schließlich mit Samurai-Schwert bewaffnet (das praktischerweise im Foyer ausgestellt wird) gegen die übermächtige Zombie-Armee zur Wehr setzen. Als Zuchauer verliert man dabei völlig den Überblick über die Topografie des Gebäudes, das ist auch beabsichtigt. Das 'Metropol' ist nur noch ein Labyrinth aus grell beleuchteten Räumen, in denen hinter jeder Ecke der Tod (oder etwas schlimmeres) lauert.

'Raison d'être' des Films sind die Splatter-Effekte, und die sind heftig, deftig und fantastisch umgesetzt (in der schönen alten Maskentechnik, die ich so vermisse). Da werden Augen aus dem Gesicht gepult, Menschen im Vorbeilaufen skalpiert, und eine der mittlerweile infizierten Studentinnen (die besser den Unterricht nicht geschwänzt hätte) gebärt ein Teufelsmonster aus ihrem Rücken. Die drastischen F/X begründeten den Erfolg des Films, sorgten aber auch für die bundesdeutsche Beschlagnahmung. Spielverderber!

Während die Eingeschlossenen um ihr Leben kämpfen, befinden sich übrigens noch ein paar Punks auf dem Weg ins Kino, die sich ganz schlimm benehmen (sie koksen, saufen und spielen mit Rasierklingen an nackten Brüsten herum) und stets von hämmerndem Pop (Go West, Billy Idol) begleitet werden (den Rest des klasse Scores besorgen "Goblin"). In dieser Parallelhandlung gibt es nicht nur ganz schlechtes Schauspiel, sondern auch viele Originalaufnahmen aus dem nächtlichen Berlin zu bewundern, das damals - wir erinnern uns - noch geteilt war. So bietet DEMONI nicht nur die volle Horror-, sondern auch die volle 80er-Dröhnung. Wer in diesem Jahrzehnt groß geworden ist, wird sich schon nach wenigen Minuten seufzend zurücklehnen und Kostüme, Musik, Ausstattung und Schauplätze genießen.

Regisseur Lamberto Bava ist sicherlich kein zweiter Mario und auch kein Argento, aber er inszeniert DEMONI mit packendem Drive, schert sich einen Dreck um Logik und führt das Spektakel zu einem bombastischen Finale, in dem Macho-Held Urbano Barberini (der im Laufe des Films größere Teile seines Kostüms "verliert" und den gestählten Körper präsentiert, dafür gibt es einen Sonderapplaus) mit dem Motorrad durch das Lichtspielhaus brettert, dabei links und rechts Zombies niedermetzelt, bevor dann ein Hubschrauber durchs Dach des Kinos kracht und den Weg in eine vermeintliche Freiheit eröffnet. Die Schluss-Pointe ist dann eher sinnfrei, bringt die Schlachtplatte aber zu einem hübschen Abschluss.
Dazu taucht Bava das Geschehen in knallig-bunte Bilder, die stark an seinen Mentor erinnern, und auch die teilweise naiv-komischen Charaktere und Dialoge stehen ganz in der Tradition des Vorbilds Argento, der - wen wundert es? - am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Inhaltliche Ansprüche sollte man nicht stellen, und jeden Gedanken an George A. Romero sollte man ebenfalls vorübergehend verbannen. DEMONI ist eine blutgetränkte Comic-Zombie-Achterbahnfahrt, nicht mehr und nicht weniger, aber so rasant, dass man am Ende gleich nochmal einsteigen möchte. Für mich einer der Horror-Höhepunkte der 80er.

Und jetzt nochmal zum  Mitschreiben:
Dämonen 2 = Demoni 1 (der im Kino)
Dämonen = Demoni 2 (der im Hochhaus)

09/10

Noch jemand ohne Fahrschein? - Ein Zombie-Dämon in "Dämonen 2"

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