Samstag, 15. Januar 2011

Communion - Messe des Grauens (1976)

Und noch so ein unentdeckter Schatz in der Low-Budget-Horrorware der 70er, Alfred Soles' COMMUNION (auch bekannt als "Holy Terror" oder "Alice, Sweet Alice"), eine Mischung aus frühem Slasherfilm und Psycho-Thriller.

Worum geht es? Zwei Schwestern, Karen und Alice (Paula Sheppard und Brooke Shields) stehen kurz vor ihrer Erstkommunion, als Karen plötzlich in der Kirche von einer bizarren kleinen Gestalt im gelben Regenmantel erwürgt wird. Da Alice stets mit einem Regenmantel herumläuft und immer neidisch auf die hübschere Schwester war, fällt der Verdacht umgehend auf sie. Ihre alleinerziehende Mutter steht ohnehin kurz vor einem Nervenzusammenbruch, seit sie von ihrem Mann verlassen wurde. Alices Tante Annie (Jane Lowry), die ihre Nichte für geistig krank hält, wird das nächste Opfer des Killers.
Während Alice unter die Aufsicht von Polizei und Psychologen gestellt wird, geschehen weitere Morde. Doch wer hat einen solchen Hass auf die Familie? Der übergewichtige Nachbar und Katzenliebhaber, der Karen nicht ausstehen kann? Oder der gutmütige Pfarrer, der sich ebenfalls ein wenig zu liebevoll um Karen und ihre Mutter kümmert?

Die Auflösung dieses Whodunits wird von Regisseur Sole relativ früh präsentiert, was den Reiz des Films deutlich erhöht, denn es handelt sich um die Person, die man kaum verdächtigt hätte. So entstehen starke Spannungsmomente, in denen der Zuschauer den Täter kennt, die Charaktere aber im Dunkeln tappen, während er die ganze Zeit in ihrer Nähe ist.

Alfred Sole hat nach COMMUNION als Regisseur nicht nennenswertes mehr inszeniert, was verwundert, weil er hier in seinem ersten Spielfilm eine beeindruckende Leistung zeigt. Nicht nur sieht man dem Film das geringe Budget nicht an (er wirkt wesentlich teurer und ist hervorragend ausgestattet, die Handlung spielt in den frühen 60ern), er baut auch selbstbewusst mehrere Anspielungen auf Hitchcock ein. So muss einer der Hauptdarsteller völlig überraschend und in einer frühen Phase das Zeitliche segnen, was zu starker Verunsicherung beim Publikum führt. Die Mordsequenzen sind in ihrer Schlichtheit und mit einer Portion Sadismus ebenso schockierend wie wirkungsvoll (Tante Annie wird auf einer Treppe vom Killer angegriffen, der ihr das Messer in die Beine und Füße stößt, da kann man als Zuschauer beim besten Willen nicht still sitzen bleiben), und das blutige Ende vergisst man nicht so schnell.

Das ist aber noch nicht alles. Die Probleme der geschiedenen, neurotischen Mutter der von der Scheidung traumatisierten Alice (herrlich ambivalent von Paula Sheppard gespielt) werden erstaunlich ernst genommen, und der Film nimmt eine distanzierte Haltung zum Katholizismus ein und thematisiert diese auch.
Die Kamera sorgt stets für interessante Einstellungen, und der Verzicht auf Stars erhöht die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Die 12-jährige Brooke Shields, die hier noch im wahrsten Sinne in Kinderschuhen steckt, wird bereits in den ersten zehn Minuten des Films ermordet - was den deutschen Video-Verleiher nicht davon abhielt, sie auf dem VHS-Cover als Star des Films anzupreisen.

Damit keine Missverständnisse entstehen - COMMUNION ist kein Meilenstein des Horrorfilms oder ein Must-See, aber ein schöner, kleiner Thriller mit deftigen Horror-Momenten und skurrilen Charakteren. In einschlägiger Literatur taucht er höchstens als Fußnote auf, genießt aber in Fankreisen einen guten Ruf. Ich kann ihn sehr empfehlen.

7.5/10

Die Maske des Killers - "Alice, Sweet Alice"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...