Freitag, 28. Januar 2011

Aliens - Die Rückkehr (1986)

"This Time, It's War!"

ALIENS - DIE RÜCKKEHR (Aliens) ist die Ausnahme von der Regel, nach der ein Sequel nie so gut sein kann wie das Original. James Camerons packende Sci-Fi-Horror-Achterbahn geht bewusst andere Wege als Ridley Scotts Vorgänger, knüpft aber stilistisch und inhaltlich in bewundernswerter Weise an. War "Alien" (1979) eine Lehrstunde in klaustrophobischer Gruselspannung, ist die Fortsetzung ALIENS ein lautes, nervenzerrendes, actionbetontes Kampfspektakel. Und so sind beide Filme eng miteinander verbunden und doch eigenständige Meilensteine des Sci-Fi-Kinos.

Die Überlebende aus Teil 1, Ellen Ripley (Sigourney Weaver) liegt zu Beginn von ALIENS noch immer mit ihrer geretteten Katze 'Jones' im gläsernen Hyperschlaf-Sarg, aus dem sie von einem Bergungstrupp befreit und zur sicheren Raumstation zurückgebracht wird. Dort erfährt sie, dass inzwischen nicht nur 57 Jahre vergangen sind, sondern dass sich auf dem ominösen Planeten, auf dem ihre dezimierte Crew damals das Grauen vorfand, mittlerweile Siedler befinden, zu denen aber die Raumstation den Kontakt verloren hat. Ripley soll nun eine Einheit der Marines begleiten, die dort nach dem rechten sehen soll. Die von Alpträumen geplagte Ripley entscheidet sich nach anfänglichem Zögern, mitzureisen. Auf dem Planeten angekommen, findet der Suchtrupp neben einem überlebenden Mädchen namens Newt (Carrie Henn) nur noch Leichen vor - und eine Überzahl von Aliens, die umgehend Jagd auf die Soldaten und Ripley machen...

ALIENS beginnt ruhig und nimmt sich Zeit für die Etablierung der Situation und der Charaktere, wobei Sigourney Weavers Ripley im Zentrum der Erzählung steht. Sie ist Herz, Seele und Muskeln dieses Weltraum-Schockers, und das Drehbuch schenkt ihr gleich mehrere Momente, in denen sie Verwundbarkeit wie Stärke zeigen kann. Weaver, die zunächst in der Fortsetzung nicht mitmachen wollte, ließ sich schließlich doch überzeugen und zeigt eine so starke Leistung, dass sie als eine der beeindruckendsten Frauenfiguren der 80er in die Filmgeschichte eingegangen ist und eine Oscar-Nominierung erhalten hat, was für einen Film diese Genres geradezu sensationell ist.

Weavers Ellen Ripley ist eine sensible, aber zähe Kämpferin, die mit dem quasi-Adoptivkind Newt und dem sympathischen Corporal Hicks (Michel Biehn), der ihr die Bedienung der Handfeuerwaffen erklärt, eine moderne Patchwork-Familie bildet, für die sie bereit ist, ihr Leben zu opfern und die böse Alien-Mutter zum ultimativen Kampf der Übermütter herauszufordern. "Get away from her, you bitch!" Selten hat man eine Darstellerin im testosteron-geschwängerten Action-Genre so übermächtig agieren sehen, und doch bleibt sie immer ein Mensch mit Ecken, Kanten und Schwächen. Ihr die Menschlichkeit zu nehmen ist nur einer der vielen Fehler des grauenvollen "Alien Resurrection" (1997).

Die übrigen Figuren verblassen fast angesichts so viel harter Weiblichkeit, aber eben nur fast. Die Marines sind größtenteils Klischees, werden aber so überzeugend gespielt, dass ihr Schicksal nicht kalt lässt, darunter Camerons Stammschauspieler Jenette Goldstein ("Near Dark", 1987) als Power-Lesbe, Bill Paxton ("True Lies", 1994) als großmäuliger Schwächling und der schweigsam-attraktive Michael Biehn ("Abyss", 1989).
Erwähnenswert sind natürlich noch Paul Reisers korrupter Konzernmitarbeiter Burke, der die Aliens zur Erde schmuggeln möchte und für die wohl beste Sequenz sorgt, in der Weaver und Henn sich - eingeschlossen und von den Kameraden isoliert - gegen einen 'Facehugger' zur Wehr setzen müssen, und nicht zuletzt Lance Henriksen als höflicher Android 'Bishop', der sich selbst opfert, damit die ihm anvertrauten Menschen überleben können.

Diese bunt zusammengewürfelte Truppe ist viel mehr als das Kanonenfutter in vergleichbaren Filmen, und unter James Camerons gnadenlosen Regie wird ihr Überlebenskampf körperlich spürbar. Ähnlich einer Rummeplatz-Attraktion nimmt ALIENS mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Fahrt auf und reißt den Zuschauer mit, bis er dann - wenn scheinbar alles vorbei ist - noch einmal zum letzten Schlag ausholt und ein weiteres, noch bombastischeres Finale dranhängt. Im Gegensatz zu Ridley Scotts "Alien" baut Cameron auch eine gute Dosis Humor ein, so dass die haarsträubenden Ereignisse immer wieder ironisch kommentiert werden und für kurze Durchatmer sorgen. James Horner hat mit seinem wuchtigen Soundtrack seine beste Arbeit abgeliefert, die heute noch gern in Trailern verwendet wird.

Was ALIENS so hervorragend macht, ist die Tatsache, dass die Darsteller und die Handlung nie von den Effekten erschlagen werden und diese immer im Dienst der Geschichte stehen. Zudem vollbringt keiner der Charaktere eine Leistung, die über ein nachvollziehbares Maß hinausgeht oder die Gesetze der Schwerkraft sprengt, wie es in moderneren Vertretern des Genres mittlerweile Standard ist. Hier fliegt niemand minutenlang durch die Luft oder vollführt schwerelose Kunststücke. Die Überlebenden kämpfen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften, sie bluten, heulen und schwitzen.

Mit ALIENS war der Höhepunkt des Actionkinos erreicht. Der Wert, der hier noch auf Identifikation trotz Bombast gelegt wurde, war schnell beendet, als nachfolgende Action-Kracher sich mit teuren Materialschlachten und Effektfeuerwerken selbst übertrafen, dem Genre aber den Boden unter den Füßen wegzogen. James Cameron stand dabei selbst an vorderster Front und setzte mit "Abyss" (1989), "Terminator 2"(1991) und "True Lies" (1994) immer neue Maßstäbe in Sachen Tricktechnik und Aufwand.
ALIENS aber ist viel mehr als ein tricktechnisch perfektes Spektakel. Deswegen kann man ihn 25 Jahre später immer noch zum x-ten Mal sehen, und deswegen ist und bleibt er für mich auch James Camerons bester Film.

10/10


"Get away from her, you bitch!" -
Ellen Ripley (Sigourney Weaver) im Duell 'Mutter vs. Mutter'.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...