Sonntag, 30. Januar 2011

Alien - Die Widergeburt (1997)

Wie schon bei "Alien 3" (1992) gingen die Meinungen über die Fortsetzung ALIEN - DIE WIEDERGEBURT (Alien Resurrection) extrem auseinander, obwohl der Film - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - finanziell sehr erfolgreich war. Als Fan von Jean-Pierre Jeunet war ich gespannt, was er mit der Saga anstellen würde, aber die Verbindung von europäischem Autorenkino mit amerikanischer Blockbuster-Mentalität funktioniert für mich nach wie vor überhaupt nicht.

Zurück zu den Wurzeln, hieß es, aber Sigourney Weavers Ripley war am Ende von Teil 3 so tot, toter ging es nicht. ALIEN - DIE WIEDERGEBURT spielt also einige hundert Jahre später, und durch bizarre Klonexperimente wird Ripley neu hergestellt, ist aber im Grunde eine völlig anderer Charakter. Nicht nur fehlt ihr jetzt die Menschlichkeit, sie ist jetzt 'endlich' auch die unerbittliche Kampfmaschine, die man eigentlich nie sehen wollte, denn ihre Verwundbarkeit war das, was sie ausmachte, jedenfalls ging es mir so. Zudem hält sich ihr Hass auf die Aliens stark in Grenzen, weil sie sich den außerirdischen Lebewesen verwandt und verbunden fühlt. Das ist doch ganz herzerwärmend, aber irgendwie nicht der Sinn der Sache.

Zu Weaver gesellen sich noch die leider fehlbesetzte Winona Ryder als zarter Roboter, eine Gruppe skurriler Weltraum-Piraten, plus ein wie immer durchgeknallter Brad Dourif als verrückter Wissenschaftler, der Jerry Lewis neidisch machen würde, sowie ein paar neu überarbeitete Aliens, die zwar tricktechnisch perfekt in Szene gesetzt werden, aber so oft zu sehen sind, dass man sich als Zuschauer schnell mit ihnen anfreundet und sie keine wirkliche Gefahr mehr darstellen, vor der man Angst haben müsste.

Gelungen ist erneut der Look des Films, auch wenn die bewusst schräge Inszenierung des französischen Filmkünstlers so gar nicht zu der Horror-Action-Geisterbahnfahrt passen will, die "Alien" einmal war. Es gibt eine Menge Ideen in ALIEN - DIE WIDERGEBURT, und er ist sicher origineller als so manches Hollywood-Sequel, aber jeder Einfallsreichtum ist umsonst, wenn die Grundpfeiler nicht stimmen, und das sind Charaktere, Spannung und Plot. Die Unterwasser-Sequenz, in der die Überlebenden vor tauchenden Aliens fliehen müssen, ist zweifellos brillant inszeniert und erzeugt als einzige Szene so etwas wie Thriller-Spannung.

Die übrigen Departments lassen hingegen zu wünschen übrig. Der Schnitt ist oft konfus, die Musik von John Frizzell spielt ein paar Ligen unter Goldsmith, Horner und Goldenthal, die Nebendarsteller übertreffen sich im Overacting (unter ihnen der stets nervende Ron Perlman), und das Drehbuch entwickelt keinen Spannungsbogen. Drehbuchautor Joss Whedon distanzierte sich übrigens vom fertigen Film, nachdem sein Buch mehrfach umgearbeitet wurde und nannte ihn "unwatchable".

ALIEN - DIE WIEDERGEBURT ist nicht so schlecht, dass man sich über ihn ärgern müsste (das besorgen die grauenvollen "Alien vs. Predator"-Filme), er ist nur trotz vieler Ideen komplett überflüssig, belanglos und verquast. Für mich eine Riesen-Enttäuschung, man muss aber dazu sagen, dass viele ihn gerade wegen der Skurrilität mögen.

03/10

Kommentare:

  1. Hi Mathias....was für ein böser Verriß und eine mickrige 3/10 Wertung.
    Ja, ja ich mag ihn wirklich. Trotz Ron Perlman und Dominique Pinon, bei beiden hatte ich gehofft, dass sie etwas früher den gefrässigen Aliens zum Opfer fallen.
    Dagegen fand ich Ripleys kleines Baby schon sehr putzig, ich hätte auch Mühe gehabt es sicherheitshalber zu entsorgen...LG Ray

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  2. Lieber Ray, das war ja ein Verriss mit Ankündigung (auf Deinen Wunsch übrigens, wenn ich daran erinnern darf, kicher), so böse finde ich ihn aber eigentlich gar nicht. Wenn er doch nur spannender wäre... :-) Liebe Grüße!

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