Dienstag, 25. Januar 2011

Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)

Ridley Scotts ALIEN (Alien) ist nicht nur einer meiner Alltime-Favourites, sondern auch die spannendste, unheimlichste und unterhaltsamste Geisterbahnfahrt aller Zeiten.
Während die Welt noch über "Star Wars" (1977) staunte, kam mit diesem Sci-Fi-Horror das böse Stiefkind von George Lucas' Weltraumsaga in die Kinos und wurde umgehend zum Kassenhit und zu einem Phänomen, das nicht nur zahllose (schlechte wie wenig gute) Nachahmer fand, sondern heute noch in Filmen unterschiedlichster Genres gewürdigt wird. In diesem Sinne ist ALIEN ein moderner Klassiker und hat seinen festen Platz in der Filmgeschichte eingenommen.
Ebenso wie William Friedkins "Der Exorzist" (1973) konfrontierte Scott das Mainstream-Publikum mit drastischen Effekten, die in dieser Form zuvor nur dem eingefleischten Horror-Publikum vorbehalten waren.

Die Story ist ebenso simpel wie effektiv: Die Crew des Raumfrachters "Nostromo" befindet sich auf dem Weg durchs All zurück zur Erde, als sie ein Notsignal von einem fremden Planeten empfängt. Dort entdecken die Astronauten zwar kein Leben, aber ein außerirdisches Raumschiff und tausende merkwürdiger Eier. Aus einem springt eine Kreatur (der sogenannte 'Facehugger') wie ein Springteufel heraus und klammert sich am Gesicht eines der Besatzungsmitglieder fest. Schnell verlässt man den unheimlichen Ort, doch das Grauen ist bereits zu Gast auf der "Nostromo", denn die Kreatur aus dem Ei hat eine tödliche Saat im Körper des Astronauten abgelegt, die in einem der schreckenerregendsten Momente des Horrorkinos daraus hervorbricht. Nun muss die Crew sich auf die Jagd nach dem Monster machen, das sich in den Labyrinthen des Raumschiffes versteckt, dabei rasend schnell wächst und die Besatzung unaufhaltsam aus dem Hinterhalt dezimiert...

Keine Frage, selten war ein Horrorfilm so nervenzerrend und innovativ wie ALIEN, und das mit einer Geschichte, die durchaus nicht neu und den klassischen Haunted House-Stories wie "The Cat and the Canary" entliehen war. Dafür ist die Umsetzung umso bahnbrechender geraten. Vergessen sind die klinisch sauberen, bunten Weltraumszenarien von "Star Wars", in denen Gewalt nur comichaft und Sex überhaupt nicht existiert. ALIEN ist dreckig, düster, humorlos, nebelverhangen, und die Design-Kreationen des Künstlers H.R.Giger stecken voller sexueller Methaphern - so sieht der Eingang des außerirdischen Raumschiffes aus wie eine gigantische Vagina, während das Monster mit seinem ständig Schleim absondernden Maul einem bedrohlichen Phallus ähnelt. Befruchtungsvorgang und 'Geburt' des Alien - mit dem Mensch als Wirtskörper - stellen folgerichtig eine perverse Abwandlung des menschlichen Fortpflanzungsprozesses dar.

Kein Wunder, dass eine Frau ist, die letztendlich den Riesenpenis ins Weltall katapultieren muss, wo es durch den Antriebsstrahl der Rettungskapsel zu Tode gegrillt wird. Das Final Girl ist die kämpferische Sigourney Weaver, die mit ALIEN ihren verdienten Durchbruch feierte, und deren Rolle ursprünglich von den Autoren O'Bannon und Shusett für einen Mann geschrieben wurde, bis Ridley Scott auf die Idee kam, die Rolle mit einer Frau zu besetzen, aber bewusst keine weiteren Änderungen an den Dialogen vorzunehmen, weswegen Weavers 'Ripley' eine faszinierende Mischung aus beiden Geschlechtern bleibt. Ihre Entscheidung, im Angesicht des Todes noch die Bordkatze zu retten und damit das eigene Überleben zu riskieren, darf man wohl als weiblich-empathisch bezeichnen, während ihr Umgang mit den Kollegen eher robust und kumpelhaft wirkt, insbesondere ihre Weigerung, den infizierten John Hurt nach seinem fatalen Trip auf den Planeten des Grauens wieder an Bord zu lassen.
So verabschiedete sich ALIEN vom Abzieh-Rollenbild der Frau in Science Fiction-Filmen, die zumeist nur schöne Wissenschafts-Assistentin oder kreischendes Opfer von Monstern sein durfte, das sich hilfesuchend an die Brust des männlichen Helden wirft.

Ridley Scott merkt man in ALIEN den gelernten Grafikdesigner in jeder Einstellung an. Die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz sind derart fließend, dass sie praktisch nicht mehr existieren. ALIEN ist ein visueller Genuss ohne Ende, von der ersten Einstellung, in der die Kamera durch das Raumschiff streift, bevor die Crew aus ihrem Hyperschlaf geweckt wird, bis zum Ende, wenn die beiden weiblichen Sieger (Ripley und Katze) sich wieder in ihren gläsernen Sarg zurückziehen (aus dem sie in der Fortsetzung "Aliens", 1986, gerettet werden).
Unter den Crewmitgliedern gibt es keine Helden, es sind lediglich hart arbeitende Menschen, die dem Grauen mehr oder weniger hilflos gegenüberstehen, und die sich mit alltäglichen Problemen (wie ihrer Bezahlung) herumärgern. Der Verzicht auf Stars (wenngleich einige bekannte Gesichter dabei sind sind) sorgt für extreme Glaubwürdigkeit, und der allwissende, aber nichts preisgebende Computer mit der kalten Frauenstimme passt - ebenso wie der intrigante Android - perfekt ins 70er-Zeitalter mit seinen Verschwörungstheorien und dem Unbehagen gegenüber Autoritäten und Technik.

So bietet ALIEN ein faszinierendes Konzept, das in jeder Beziehung brillant umgesetzt wurde. Die Verbindung aus alten Gruselmär-Motiven mit fortschrittlichen Ideen in der Geschlechterbesetzung und dem atemberaubend futuristischen Design machen ihn zu einem perfekten Thriller, der ebenso reißerisch wie subtil vorgeht, und der bis ins letzte Detail mitsamt seiner Stroboskop-Effekte und Herztöne im unteren Hörbereich den Zuschauer zu packen weiß wie kaum ein anderer. Selten waren Terror, Angst und Klaustrophobie so greifbar wie in ALIEN. Ein Meisterwerk und mit Abstand Ridley Scotts bester Film.
Die Tatsache, dass momentan diskutiert wird, ob es ein Prequel geben soll, macht klar, dass das Thema ALIEN noch lange nicht erledigt ist.

10/10


Schneewittchen im gläsernen Sarg - Sigourney Weaver in "Alien"

Kommentare:

  1. Hi Mathias, eine klasse Rezension zu einem Film, der ebenfalls zu meinen Favs gehört. LG Ray

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  2. Lieber Ray, dankeschön! :-) Den Film schaue ich mir mindestens einmal pro Jahr an, der steht ganz weit oben auf meiner Bestenliste. Liebe Grüße!

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  3. Wann hab ich den Film eigentlich zuletzt gesehen...? Na, auf jeden Fall ist es schon wieder viel zu lange her! Rays Lob für die schlaue & unterhaltsame Rezension zu einem schlauen & unterhaltsamen Film kann ich mich nur anschließen!

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  4. Na, dann sind wir uns ja alle schön einig. :-) grins Liebe Grüße!

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