Samstag, 29. Januar 2011

Alien 3 (1992)

Nach den Vorgängern "Alien" (1979) und "Aliens - Die Rückkehr" (1986) konnte ein dritter Teil eigentlich nur qualitativ abfallen, und so war es dann auch. Mittlerweile besitzt Regisseur David Fincher einen so guten Ruf, dass viele Fans seinen ALIEN 3 (Alien 3) heute besser beurteilen als seinerzeit, aber die Wahrheit ist, dass der Film kaum jemandem gefiel, als er herauskam, und er ist auch in den Jahren nicht besser geworden.

Über die teilweise katastrophalen Produktionsbedingungen, die wesentlich zum Misslingen des Films beitrugen, kann man sich auf dem Bonusmaterial der verschiedenen DVD-Fassungen informieren, und auch Fincher selbst äußerste sich lange - wenn überhaupt - nur negativ über seine Erfahrungen. Dass ALIEN 3 kein Totalausfall ist, liegt an einem starken Production Design und Sigourney Weaver, die - obwohl sie ursprünglich gar nicht vorgesehen war - erneut die Hauptrolle der Ellen Ripley übernahm und gewohnt souverän durch den Film geht.

Der Plot: Die Überlebenden aus Teil 2 - Ripley, die kleine Newt und Corporal Hicks - befinden sich während des Vorspanns von ALIEN 3 auf dem Weg zur Erde, doch durch einen an Bord befindlichen 'Facehugger' und die daraus resultierende Notlandung auf einem fremden Planeten werden Newt und Hicks getötet. An dieser Stelle muss ich kurz einhaken, denn wenn ich etwas hasse, dann die frühe "Ermordung" von Überlebenden aus dem vorangegangenen Teil, um Platz für neue Charaktere zu machen. Haben wir nicht alle mitgelitten und um das Leben von Newt und Hicks gebangt, über zwei Stunden lang? Und bumms, ätsch, sind leider tot. So geht man leider zu oft mit Filmfiguren in Sequels um, und es kotzt mich jedesmal an.
Aber weiter im Text. Der Planet, auf dem sich Ripley nun wiederfindet, erweist sich als Strafkolonie, in der verurteilte Gewaltverbrecher in einer quasi-religiösen Gemeinschaft zusammen leben und aller Gewalt abgeschworen haben. Der mitgereiste 'Facehugger' hat unterdessen einen Rottweiler als Wirtskörper gefunden, aus dem ein neues Alien geboren wird. Ohne Waffen müssen sich Ripley und die Strafgefangenen nun gegen das außerirdische Monster zur Wehr setzen, das Ripley seltsamerweise verschont...

Die Idee, nach der Armee von Aliens in "Aliens - Die Rückkehr" wieder zu einem einzigen Monster zurückzukehren, gegen das eine Gruppe von Außenseitern kämpfen muss, ist durchaus begrüßenswert, allerdings konnte ich mit dem Einfall des 'Mönchsordens' nie wirklich etwas anfangen. Dieser führt lediglich zu endlosen Monologen und Ansprachen mehr oder weniger uninteressanter Charaktere, die das Tempo des Films verschleppen.
Sigourney Weavers Glatze (allen Bewohnern der Kolonie wird wegen Läusegefahr der Kopf geschoren) ist da noch die beste Idee und verleiht dem Film einen Wiedererkennungseffekt. Dass Weavers Ripley diesmal selbst infiziert ist und ein Alien in sich trägt, scheint auf den ersten Blick ein interessanter Ansatz, führt aber lediglich zu einer (unausweichlichen) Selbstopferung am Ende, die leider stark an "Terminator 2" (1991) erinnert und kaum originell wirkt. So sehr man Sigourney Weaver einen guten Abgang aus der Filmreihe, die sie berühmt gemacht hat, wünscht - ich hätte sie lieber nicht als Märtyrerin, sondern als siegreiche Kämpferin gesehen.

Das Alien selbst ist diesmal deutlich schneller und wendiger, ebenso sind die Actionszenen höllisch schnell montiert. Das ist ok, solange es nur um die Dezimierung der Gefangenen geht, aber im Finale, wenn ein relativ unverständlicher Plan ausgeführt wird, das Alien im Tunnel-Labyrinth des Planeten in die Enge zu treiben, verliert ALIEN 3 unter Finchers Regie völlig den Sinn für Übersicht und Topografie, so dass man zwar lauter Action, Geschrei und sich schließende Tore zu sehen bekommt, aber nie begreift, wer sich eigentlich wo befindet, und warum. Das ist leider alles andere als spannend, und hier zeigt sich, was für ein guter Action-Regisseur James Cameron ist, der in "Aliens - Die Rückkehr" den Zuschauer immer miteinbezogen und ihm größtmögliche Orientierung im Geschehen gegeben hat.

Die weitere Konfusion von Drehbuch und Produktion merkt man u.a. an der angedeuteten Liebesbeziehung von Weaver und Charles Dance, die im Nirgendwo versandet, sowie an der Tatsache, dass Darsteller Paul McGann zwar weit vorne im Vorspann genannt wird, im fertigen Film (zumindest in der Kinofassung) aber kaum auftaucht, weil seine Szenen auf dem Boden des Schneideraums endeten. Es gibt Filme, denen man das Chaos hinter den Kulissen nicht anmerkt, hier merkt man es an allen Ecken und Enden.

Positiv zu vermerken ist die Musik von Elliot Goldenthal, wenngleich sie nicht ganz mit Jerry Goldsmith und James Horner in den Vorgängern mithalten kann. Der düster-gelackte Look des Film ist sicher der Hauptpluspunkt, und die Schauspieler geben ihr bestes. Sehr schön gelungen ist die Schluss-Montage der verschlossenen Türen, die dem (naiven) Publikum weismachen sollen, dass hier ein Ende erreicht ist, und nicht zuletzt ist das überraschende Wiedersehen mit Lance Henriksen ein sehr guter Einfall.
Nichtsdestotrotz fängt ALIEN 3 nie wirklich Feuer, man bleibt distanziert und schaut dem Treiben zu, ohne involviert zu sein. Der Film nimmt sich zu ernst und versucht aus einem ursprünglich bösen Gruselspaß etwas scheinbar anspruchsvolleres machen zu wollen, es wird aber nie klar, was das sein soll.

Mein Fazit: zu viele uninteressante Charaktere und zu viel pseudo-philosophisches Geschwafel statt ehrlicher Spannung, Grusel oder Action. Trotzdem hat ALIEN 3 seine Momente und ist zehnmal besser als der verkorkste "Alien Resurrection" (1997).

06/10

Kommentare:

  1. Hi Mathias, wieder mal sehr treffend. Jetzt bin ich natürlich gespannt auf den "Alien Resurrection Verriß, ich mag diesen absurden Teil 4 schon sehr gerne.
    LG Ray

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  2. Hi Ray, ich weiß noch nicht, ob ich den überhaupt schreibe, eigentlich möchte ich es lieber bei den 3 Teilen belassen. :-) Liebe Grüße!

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  3. Ein Wunder, dass Du dem Streifen überhaupt 6 Punkte gibst - der war im Vergleich zu 1+2 wirklich schlecht. Die Glatze fand ich auch einen guten Einfall und auch die Musik ist mir positiv aufgefallen, fand ich besser als in teil 2. Ansonsten hab ich genau die selben Kritikpunkte wie Du, aber haargenau die selben. Schade ist, dass Clemens/Charles Dance schon so früh abgetreten ist - das hab ich nicht verstanden. Manchmal fragt man sich wirklich, was in den Köppen der Drehbuchschreiber vorgeht. Aus dem Techtelmechtel hätte man noch etwas rundum entwickeln können.

    Ein Rottweiler war es übrigens nicht, sondern ein schwarzer Stier. Das Vieh hatte doch Hörner! :)

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  4. Ich gebe zu, die sechs Punkte haben einen Fincher-Bonus, aber er gehört eindeutig zu den Filmen, die ich mir nach Kino (wo er besser funktionierte) und DVD kein weiteres Mal anschauen werde. Liebe Grüße!

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