Mittwoch, 29. Dezember 2010

Whatever Works (2008)

Da ist er wieder, der zynische und neurotische alte Mann, ein Physiker, der sogar schon für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, ihn aber nicht erhalten hat, seitdem mehr oder weniger verbittert seine Umwelt mit Lebensphilosophien belästigt, und dessen Alltag und Weltsicht durch ein unkonventionelles, sexy junges Mädel durcheinandergewirbelt wird.

Hm
.

Den alten Mann spielt Larry David ("Seinfeld"-Autor und Erfinder des genialen "Curb Your Enthusiasm"), das junge Ding spielt Evan Rachel Wood, der Film stammt von Woody Allen und heißt WHATEVER WORKS (Whatever Works).
Das Drehbuch hat Allen bereits in den 70ern verfasst und aus unerfindlichen Gründen im Jahr 2008 wieder aus der Schublade geholt (offiziell, um einem Autorenstreik zuvor zu kommen), dabei hat man die Geschichte von Allen schon dutzende Male gesehen. Ich bin normalerweise jederzeit bereit, einen Allen zu verteidigen - wenn er nicht gerade so schlecht ausfällt wie "Scoop" (2006) - aber WHATEVER WORKS hat mich nach 20 Minuten eher genervt als belustigt.

Ja, es gibt die gelegentlich witzige und scharf formulierte Pointe, es gibt die bekannten Neurosen der ewig plappernden New Yorker und den ab und zu auf den Punkt gebrachten politischen Blick. Auf der anderen Seite gibt es keinen visuellen Einfall (mit Ausnahme der nicht gerade originellen Idee, Larry David direkt in die Kamera sprechen zu lassen und damit die vierte Wand zu durchbrechen), dafür aber holzschnittartige Charaktere, Klischees über Künstler, Konservative und offene Beziehungen, und am Ende werden irgendwie doch alle glücklich, auch wenn es bei dem einen oder anderen sehr schnell gehen muss, ihn unter die Haube zu kriegen. Auch schauspielerisch gibt es nur Mittelmaß. Hauptdarstellerin Wood ist zum Beispiel vollkommen austauschbar und uncharismatisch.

Nein, da habe ich schon weitaus Besseres von Woody Allen gesehen. Wo ist der Esprit des "Stadtneurotikers" (1977), die Magie von "Manhattan" (1979), und wenn schon nicht die, dann wenigstens die Quirligkeit von "Schmalspurganoven" (2000)?
Zum ersten Mal hat mich das pausenlose Gerede gelangweilt und vollständig kalt gelassen. Keine Figur hat mich ansatzweise interessiert, und die dem Stoff zugrunde liegende Altherrenfantasie ist mehr als abgestanden. Didn't Work For Me, um es mal mit der Sprache des Films zu sagen. Vielleicht beim nächsten Mal wieder, denn eines ist sicher - bei Woody Allen gibt es immer ein nächstes Mal.

02/10

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