Montag, 27. Dezember 2010

Vier Frauen und ein Mord (1964)

VIER FRAUEN UND EIN MORD (Murder Most Foul) ist der dritte der vier Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford nach Motiven von Agatha Christie.
Der dem Film zugrunde liegende Roman ist ironischerweise eine Hercule Poirot-Geschichte, wurde aber für die Figur der Miss Marple entsprechend umgearbeitet. Der Originaltitel entstammt einem Zitat aus Shakespeares "Hamlet".


Nach dem hochherrschaftlichen Landsitz und dem Reiterhotel verschlägt es unsere sympathische Heldin dieses Mal an einen weiteren ur-britischen Ort, nämlich auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Nach der Ermordung einer ehemaligen Schauspielerin, bei der ein Tatverdächtiger an Ort und Stelle verhaftet wurde, tritt Miss Marple zunächst als Geschworene in dessen Mordprozess auf und verhindert aufgrund berechtigter Zweifel an seiner Schuld das einstimmige Urteil. Während die Verhandlung neu angesetzt wird, ermittelt sie selbst und gerät an eine Schauspieltruppe, die gerade ein Kriminalstück auf die Bühne bringt. Unter den Mimen muss sich auch der Mörder befinden...

Da man nach dem Erfolg der beiden Vorgänger erneut auf Nummer Sicher gehen wollte, läuft auch VIER FRAUEN UND EIN MORD exakt nach dem Schema von "16 Uhr 50 ab Paddington" (1961) und "Der Wachsblumenstrauß" (1963) ab. Wieder ist Miss Marple undercover unterwegs und macht dem ermittelnden Inspektor Craddock (Charles Tingwell) das Leben schwer, wieder bekommt sie einen männlichen Gegenpart (nach James Robertson-Justice und Robert Morley nun Ron Moody), der ihr in Skurrilität in nichts nachsteht, erneut häufen sich die Todesfälle nach ihrer Ankunft, und wieder entpuppt sich der Mörder als derjenige, den man am wenigsten verdächtigt hat.

Dass dieses im Grunde immer gleiche Rezept wieder so wunderbar funktioniert und eigenständig wirkt, liegt an der Liebe zum Detail, den hervorragenden Dialogen und natürlich den Darstellern. Als ambitionierte Bühnendiva kann Margaret Rutherford herrlich die Rampensau herauslassen und Ron Moody in den Wahnsinn treiben. Moody ist köstlich als Schmierenkomödiant, der sich für einen begnadeten Schauspieler hält (zum Wegschmeißen ist sein Bühnenauftritt mit den viel zu großen Gesten: "Hier lebst du? In dieser Höhle? Ein Sohn von mir?" ).

Das Schöne an den Rutherford-Filmen ist die unprätentiöse Regie George Pollocks, der sein Handwerk perfekt beherrscht und nie versucht, mehr aus den Geschichten zu machen als kurzweilige Krimiunterhaltung. Und so bietet auch VIER FRAUEN UND EIN MORD allerbeste, zeitlose Unterhaltung mit komödiantischen Glanzlichtern.

09/10

1 Kommentar:

  1. Lieber Ray, ich finde immer noch "16 Uhr 50" am besten, weil er die stärksten Spannungsszenen hat. Aber toll sind sie ja alle. Liebe Grüße, Mathias

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