Samstag, 18. Dezember 2010

The Untouchables - Die Unbestechlichen (1987)

Chicago, zur Zeit der Prohibition. Al Capone (Robert de Niro) versorgt die Stadt mit geschmuggeltem Alkohol, schmiert korrupte Polizisten und kontrolliert Chicago mit Terror und Gewalt. Erst Eliot Ness (Kevin Costner), ein Agent des Schatzamts, kann nach einigen Rückschlägen mit seiner selbst aufgestellten Gruppe von ehrbaren Polizisten der Schreckensherrschaft ein Ende bereiten. Doch der Preis dafür ist hoch und verlangt viele unschuldige Opfer...

Mit THE UNTOUCHABLES (The Untouchables) gelang Brian de Palma endlich der erhoffte Erfolg bei Kritikern und beim Publikum. Seine Gangsterballade ist als opulenter, moderner Western inszeniert (besonders deutlich in der großen Schießerei zwischen Schmugglern und berittenen Polizisten an der kanadischen Grenze), in dem Gut und Böse klar voneinander getrennt sind und das Gute am Ende triumphiert. Kein Wunder, dass bei einer solchen Schwarzweiß- und Heldenzeichnung das Mainstream-Publikum Schlange stand, das normalerweise Schwierigkeiten mit einem de Palma-Film hat.
Das Drehbuch von David Mamet ist so simpel wie effektiv. Die Figuren sind überdeutlich charakterisiert - wir haben den jugendlichen Draufgänger (Andy Garcia), den konservativen Gutmenschen (Costner), den naiv-drolligen Buchhalter, der zum ersten Mal eine Waffe in die Hand nehmen muss (Charles Martin Smith), und - als besonderes Schmankerl - den desillusionierten älteren Cop, der wieder Lust auf Gerechtigkeit bekommt (Sean Connery) und unserem jungen Helden ein paar klugscheißerische Lektionen erteilt.

Connery spielt diesen Cop mit der ihm eigenen, enormen Präsenz, und selbst wenn er hier nicht die außergewöhnlichste Leistung seiner Karriere zeigt (mein Vorschlag wäre Sidney Lumets "The Offence", 1973), hat er seinen Oscar für THE UNTOUCHABLES mehr als verdient. Neben ihm kann Kevin Costner in seiner Rolle absolut bestehen, er ist ein ebenso attraktiver wie sympathischer Protagonist und wurde durch den Film zum Superstar.

Neben den edlen Armani-Kostümen, der eleganten Cinemascope-Kameraführung und der beeindruckenden Musik Ennio Morricones ist es aber in erster Linie wieder de Palmas visuelle Bravour, die THE UNTOUCHABLES zu einem Juwel unter den Gangster- und Mafiafilmen macht. Er inszeniert einen Höhepunkt nach dem nächsten, und sein aufregendes Finale im Chicagoer Bahnhof, bei dem jeder Zuschauer vor Spannung den Atem anhält, ist mit seiner "Stufen von Odessa"-Hommage an Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" (1925) mittlerweile selbst in die Filmgeschichte eingegangen.

Zu den weiteren Highlights gehören die bereits erwähnte Schießerei an der Grenze, der Filmtod Connerys mit dem inzwischen kultigen Dialogsatz "Das kann nur ein Spaghettifresser sein - kommt mit 'nem Messer zu 'ner Schießerei!", sowie die Jagd über die Dächer des Gerichtsgebäudes, die mit dem Tod von Billy Drago alias Capones Handlanger Frank Nitti endet. Der ist übrigens den kompletten Film hindurch in Weiß gekleidet, was in einem de Palma-Film nichts Gutes verheißt - wir erinnern uns an Angie Dickinsons Weiß-in-Weiß-Outfit in "Dressed to Kill" (1980), Deborah Sheltons ähnlichen Look in "Body Double" (1984) oder Pacinos weißen Anzug in "Scarface" (1983). Keiner dieser Charaktere hat den Film lebend verlassen.

Obwohl THE UNTOUCHABLES ein zweifellos grandioses Kinoerlebnis ist, gibt es zwei Kritikpunkte. Patricia Clarkson wird als Ness' langweilige Ehefrau mit zwei Dialogsätzen und einer nichtssagenden Rolle verschwendet, und Robert de Niro spielt seinen Al Capone dermaßen manieriert und überzogen, dass er zur cartoonhaften Witzfigur verkommt. Offenbar wollte er in der knappen Filmzeit, die ihm zur Verfügung steht, eine nachhaltige Wirkung erzielen, aber weniger ist manchmal mehr. Eine Bedrohung jedenfalls geht nicht von ihm aus, man schmunzelt eher über seine eitle Schmierigkeit. Dass man ihm selbstverständlich gerne zusieht, steht außer Frage.

Mit THE UNTOUCHABLES hat sich Brian de Palma zum ersten Mal in seiner Karriere den verdienten Respekt von allen Seiten erarbeitet. Mit diesem Erfolg in der Tasche inszenierte er darauf seinen wohl persönlichsten Film, "Die Verdammten des Krieges" (1989), der aber an den Kinokassen floppte, was ihn tief getroffen hat. Mit dem darauf folgenden Mega-Flop "Fegefeuer der Eitelkeiten" (1990) war de Palmas Karriere beinahe ruiniert. Innerhalb von nur drei Jahren wurde er vom gefeierten Starregisseur zum Buhmann der Filmwelt. Diese Lektion mussten schon viele vor (und nach) ihm lernen.

08/10

Die Guten - Eliot Ness und seine Gang

Der Böse - Al Capone (Robert de Niro)

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