Donnerstag, 30. Dezember 2010

Odette Toulemonde (2007)

Die verwitwete Belgierin Odette Toulemonde (Catherine Frot) arbeitet als Verkäuferin in der Kosmetikabteilung eines großen Kaufhauses. Ihre ganze Liebe gehört dem Schriftsteller Balthazar Balsan (Albert Dupontel), dessen Liebesromane sie Tag für Tag verschlingt, um aus dem tristen Alltag auszubrechen. Bei einer Autogrammstunde steht sie dem Idol endlich gegenüber und bekommt nicht einmal ihren Namen korrekt heraus, weswegen er "Für Dette" ins Buch schreibt. Beim zweiten Treffen schreibt Odette ihm deswegen einen langen Brief, in dem sie ihm erklärt, wie sehr sie ihn und seine Bücher liebt.

Balthazar hat dagegen mit eigenen Problemen zu kämpfen. Ein bekannter Kritiker verreißt sein neuestes Werk, seine Frau hat ein Verhältnis (mit besagtem Kritiker), und sein eigener Sohn schämt sich für seinen berühmten Namen. Da kommt der herzzerreißende Brief von Odette gerade recht, der ihm beweist, dass es doch noch jemanden gibt, der ihn liebt. Odette staunt nicht schlecht, als Balthazar plötzlich vor ihrer Tür steht. Sie nimmt ihn bei sich auf, in ihrer kleinen Wohnung mit der stets schlecht gelaunten Tochter (Nina Drecq), deren peinlichem Lebensgefährten und dem schwulen Sohn (Fabrice Murgia) mit seinen wechselnden Lovern. Balthazar schöpft wieder Kraft fürs Leben und die Kunst. Aber hat die Liebe der beiden eine Chance in der Realität?

ODETTE TOULEMONDE (Odette Toulemonde) war ein Riesenhit in Frankreich. Regisseur Éric Emmanuel Schmitt, der auch die Vorlage zum Film - die gleichnamige Kurzgeschichtensammlung - schrieb, ist eine wundervoll leichte und beschwingte romantische Komödie gelungen, voller liebenswerter Details, Musik und magischer Momente. In der Welt von Odette Toulemonde ist trotz der vorgegebenen Tristesse alles möglich. Wenn sie ein Buch von Balthazar liest, schwebt sie über dem Boden, ein Bekannter namens Jesus wandelt übers Wasser und blutet aus den Handflächen, Tapetenmuster werden lebendig, und wenn Odette verliebt ist, fliegt sie hoch hinaus über die Dächer, im Finale sogar bis auf den Mond.

Die kleinen Anleihen bei "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001), der das Kino in Frankreich deutlich geprägt hat, sind unübersehbar. Die ärmliche Umgebung von Odettes Welt ist nur behauptet, allein die Ausstattung in ihrer Wohnung ist so gekonnt gekünstelt, dass Almodóvar seine helle Freude hätte.
Im Gegensatz zu amerikanischen Komödien wird hier nicht die Partnersuche zum einzigen Lebensziel erklärt. Odette ist über 40 und hat sich mit den Gegebenheiten des Lebens abgefunden, die Liebe gibt es obendrauf, weil sie ein wundervoller, mitfühlender Mensch ist, der es verdient hat, geliebt zu werden. Mit der Figur der Odette gibt sich der Film die meiste Mühe, und es ist herrlich, Catherine Frot zuzuschauen, wie sie mit Staubwedel zur Musik von Josephine Baker durch die Wohnung tanzt, bei der Begegnung mit Balthazar aus dem Stottern nicht mehr herauskommt oder mit der ganzen Familie eine Bananentanz-Choreografie aufführt.

Um zum Happy-End zu kommen, muss Schmitt zwar im letzten Akt auf ein paar Klischees zurückgreifen, die sich bis dahin nicht im Film finden, aber das ist nur ein winzig kleiner Kritikpunkt. Insgesamt ist ODETTE TOULEMONDE ein herzerwärmendes Filmerlebnis voll skurriler Komik, liebenswerter Charaktere und bezaubernder Momente.
Einer der schönsten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe und ideal geeignet, der letzte Blogeintrag in diesem Jahr zu werden. Guten Rutsch!

09/10

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