Sonntag, 19. Dezember 2010

Mission: Impossible (1996)

Regisseur Brian de Palma konnte zwar mit früheren Filmen wie "Carrie" (1976), "Dressed toKill" (1980) und "The Untouchables" (1987) große Publikumserfolge erzielen, hatte aber nie einen "echten" Blockbuster-Hit vom Schlage eines Spielberg oder Lucas.
Mit seiner TV-Serien-Verfilmung MISSION: IMPOSSIBLE (Mission: Impossible) konnte er dies endlich nachholen und der Welt beweisen, dass er ebenso imstande war, einen lauten, massenkompatiblen Actionkracher zu inszenieren wie jeder andere. Mit Superstar Tom Cruise als Galionsfigur brach der Film weltweit die Kassenrekorde.

Der Plot: CIA-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) wird beauftragt, die zweite Hälfte einer NOC-Liste (auf der sich die Tarnnamen aller osteuropäischen CIA-Agenten befinden) aus der amerikanischen Botschaft in Prag zu stehlen. Doch die groß angelegte Operation geht schief, und alle Teamkollegen von Hunt kommen ums Leben. Hunt selbst erfährt erst hinterher, dass die Aktion lediglich gedacht war, um einen Maulwurf innerhalb der CIA ausfindig zu machen. Da er der einzig Überlebende ist, fällt der Verdacht auf ihn. Bald schon wird Hunt von allen Seiten gejagt, während er versucht, seine Unschuld zu beweisen, die NOC-Liste an sich zu bringen und den Verräter zu enttarnen...

Aus der kultigen TV-Serie (auf deutsch: "Kobra, übernehmen Sie!") sind nur die Verkleidungen und Lalo Schifrins schmissiges Titelthema übrig geblieben, wobei die Maskentricks durch CGI-Effekte auf den neuesten Stand der Technik gebracht wurden. Um den ultimativen Blockbuster zu inszenieren, musste Brian de Palma eine weitgehend stromlinienförmige Handlung erzählen, dennoch beschwerten sich Kritiker und Publikum umgehend über die "komplizierte Erzählstruktur", die in Wirklichkeit keine ist. Wenn de Palma tatsächlich mal etwas komplexer wird, ist das Publikum gleich hoffnungslos verwirrt - das Paradebeispiel ist die späte Sequenz, in der Jon Voight Tom Cruise in einem Bahnhofsrestaurant seinen Verdacht mitteilt, CIA-Leiter Henry Czerny sei der Maulwurf. Während Cruise diese Theorie im Dialog bestätigt und die Ereignisse des Filmbeginns rekapituliert, sehen wir gleichzeitig in Rückblenden jedoch Voight als Drahtzieher, denn Cruise hat gerade begriffen, dass Voight der wahre Übeltäter ist. Das Publikum muss also Dialog und Bild auseinanderhalten. Gar nicht so kompliziert, oder?

Ansonsten besteht MISSION: IMPOSSIBLE im wesentlichen aus drei Actionszenen. Die erste schildert Cruises spektakuläre Flucht aus einem Prager Café, in der zweiten - dem Herzstück des Films - bricht Cruise ins CIA-Hauptquartier in Langley ein, wo er eine CD mit der NOC-Liste an sich bringt. Diese Sequenz, die (fast) in totaler Stille abläuft und die Spannungskurve so hochschraubt, dass man hinterher nach Luft schnappen muss, zeigt de Palma als Meister des Suspense und ist mittlerweile ein Klassiker für sich.
Das übertriebene, vor Unwahrscheinlichkeit strotzende Finale im Eurotunnel, in dem sämtliche Gesetze der Schwerkraft außer Acht gelassen werden, ist dann nicht mehr als ein Zugeständnis an das aktuelle Action-Kino.

Wenn man nach de Palmas Handschrift sucht, findet man sie in den Details, wie z.B. in den vielen Überwachungsmonitoren oder der Besetzung von Vanessa Redgrave, die de Palma in jungen Jahren in "Blow Up" (1966) bewundert hat. Dazu gibt es (wieder) einen Mord im, bzw. auf dem Fahrstuhl, eine Bahnhofssequenz und einige religiöse Motive wie Voights Decknamen "Hiob" oder eine Bibel, die die Aufklärung bringt.

Visuell zwar auf Hochglanz poliert, aber weit weniger raffiniert als übliche de Palmas, gibt es auch schauspielerisch eher Massenware. Tom Cruise reichen die üblichen drei Standard-Gesichtsausdrücke, um seinen sympathischen Helden überzeugend zu verkörpern (er hat allerdings einen wirklich guten Moment kurz vor der Café-Explosion, wenn er zu Henry Czerny sagt: "You've Never Seen Me Really Upset!"), während Jon Voight durch seine Rolle schlafwandelt. Immerhin overacted er nicht wie in "Anaconda" (1997). Emanuelle Béart agiert in einer unterentwickelten Rolle entsprechend schwach, Jean Reno und Ving Rhames sind zu 100 % auf Typ besetzt. Die besten Leistungen zeigen Czerny und Redgrave in ihren kleinen Rollen. Die immer wunderbare Kristin Scott-Thomas wird leider schon sehr früh aus dem Film verabschiedet.

Wie bei allen großen Studio-Produktionen musste sich de Palma viel Einmischung gefallen lassen und kam auch mit Cruise als ausführendem Produzent und Hauptdarsteller nur schwer zurecht.
Insgesamt ist MISSION: IMPOSSIBLE ein kurzweiliges, spannendes Action-Spektakel mit genügend Tempo (er könnte allerdings mehr Humor vertragen), um nicht lange über die Glaubwürdigkeit der dünnen Geschichte nachdenken zu müssen. Er altert überraschend gut und ist darüber hinaus zehnmal besser als das völlig vergurkte Sequel von John Woo oder der konturlose dritte Teil.

06/10

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