Montag, 27. Dezember 2010

House of Usher (2008)

Darauf hat die Welt gewartet: eine schwule Poe-Adaption!

Böse Zungen würden jetzt fragen, warum, war denn Vincent Price noch nicht schwul genug? Aber nein, dies ist eine offiziell schwule Variante. Schon das Cover-Design von HOUSE OF USHER verspricht wohlgeformte Männerkörper in düster-schaurigem Ambiente. Das könnte interessant sein.
Ist es nicht. Aber rührend lächerlich.

Die "Geschichte" (um es mal gewagt zu formulieren) ist an Poes dutzendfach verfilmte Vorlage "The Fall of the House of Usher" angelehnt. Der äußerst attraktive und gut gebaute Victor (Michael Cardelle) folgt einer schriftlichen Bitte seines alten Freundes und Lovers Roderick Usher (Frank Mentier) und trifft per Motorrad auf dessen Landsitz ein. Der arme Roderick, ebenfalls gut aussehend und leicht entrückt, hat seit Jahren das Haus nicht verlassen und vereinsamt trotz gutaussehender Dienerschaft und Schwester Madeline (Jaimyse Haft). Bald schon merkt Victor, dass sich Roderick nicht nur dringend nach körperlicher Zuneigung sehnt, sondern dass ein dunkles Geheimnis auf dem Haus und seinen Bewohnern lastet...

HOUSE OF USHER ist gefilmt wie der Soft-Erotikfilm eines Pay-TV-Kanals und wirkt stellenweise wie eine zu lang gezogene Unterwäsche-Werbung, denn die Schlüpfer sitzen schon verdammt straff auf den knackigen Apfel-Popos. Dazu liegt ein derart starker Weichzeichner über den flachen Bildern, dass David Hamilton seine helle Freude hätte - man wartet förmlich auf zarte Nymphchen oder zärtliche Cousinen, die durch den Garten oder wehende Vorhängte lustwandeln.

Da es sich hier um eine amerikanische Produktion handelt, ist der angedeutete Sex verklemmt und bieder (wie in US-Pornos behält man auch hier die Socken an!), die "Spezialeffekte" sind aufgrund des Null-Budgets lachhaft, und die Besetzung tut nichts außer sich auszuziehen und verträumt oder böse dreinzublicken. Hübsch anzuschauen sind sie alle, mein Favorit ist eindeutig Michael Cardelle in der Badewanne, der von Händen aus dem Jenseits begrapscht wird. Sehr spaßig hingegen ist der muskulöse Diener/Gärtner, der eine von diesen Latzhosen trägt, bei denen immer das Oberteil 'ganz zufällig' nach unten hängt und die gebräunte Brust entblößt. Beim Herrenausstatter findet man diese Latzhosen in der Abteilung "Sexy Arbeitskleidung für den modernen Hengst von heute". Ach, herrlich, so ein Trash.
Anspielungen auf frühere Poe-Verfilmungen gibt es auch, so trägt Roderick immer eine schwarze Sonnenbrille wie weiland Vincent Price in "Das Grab des Grauens" (1964). Oh, und der Film hat auch eine Pointe! Es ist nämlich nicht alles so, wie es zunächst aussieht.

Leider ist HOUSE OF USHER nicht so schlecht, dass er schon wieder unterhält, er ist nur sterbenslangweilig und pubertär. Da lobe ich mir jeden ehrlichen Hardcore-Film, der nicht versucht, auf "Kunst" zu machen und einfach zur Sache kommt. Ehrlich, Jungs, was soll der Quatsch? Regisseur David DeCoteau mag in den USA Kult sein, aber er ist nicht mehr als ein Dilettant, der statt Ideen nur Pin-Ups im Kopf hat. Oder wie Orson Welles es so treffend formulierte: "Everybody wants to make movies - and my stupid brother too."

Auf der anderen Seite - besser als die "Twilight"-Filme ist HOUSE OF USHER allemal...

02/10 - als Männermagazin 08/10

"War es das kalte Grauen oder bin ich nur mal wieder zu leicht angezogen?" -
Michael Cardelle zu Besuch im "House of Usher".

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