Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die nackte Wahrheit (2009)

Hier ist ein Vorschlag für die FSK und andere "Schutzorgane": Wie wäre es, wenn Filme wie DIE NACKTE WAHRHEIT (The Ugly Truth) ab 18 freigegeben oder am besten gleich auf dem Index landen würden?
Denn wenn man davon ausgeht, dass Jugendliche nach dem Konsum von Horrorfilmen oder Ballerspielen auf die Straße gehen und Leute umbringen, dann darf man sicher auch davon ausgehen, dass junge Mädchen aus Filmen wie diesem kommen, sämtliche Selbstachtung verloren haben und das nächstbeste Macho-Arschloch heiraten, das sie verprügelt, wenn das Essen anbrennt.
Ist dieselbe Logik.

Katherine Heigl, die RomCom-Darstellerin du jour, spielt hier eine gutaussehende und intelligente TV-Producerin mit sinkenden Einschaltquoten - bis der Berufs-Neandertaler Gerard Butler die Sendung übernimmt, der mit seinen "nackten Wahrheiten" über Männer und Frauen für Kontroversen und Quoten sorgt. Butler benimmt sich wie ein Schwein und hilft Heigl nach anfänglichen Differenzen, sich den charmanten Nachbarn zu angeln, indem er ihr verrät, was Männer von Frauen wollen. Männer wollen lebende Sexpuppen, alles klar?
Also muss Heigl sich in viel zu knappe Outfits zwängen, dümmlich daherreden und sich wie eine Pornoqueen benehmen. Als solche hat sie nämlich beste Chancen, noch einen Kerl abzukriegen, denn seien wir ehrlich - was wäre sie ohne? Im Hollywoodschen Raster ist Heigl ohnehin trotz blendendem Aussehen, Schlagfertigkeit und gutem Job ein Loser, wenn kein Mann ihr sagt, was sie zu tun hat, und selbstverständlich ist sie wegen ihrer privaten Dürreperiode auch schon verzweifelt, obwohl sie die 30 gerade mal überschritten hat.
Dass eine Frau wie Katherine Heigl im wahren Leben nicht einmal den Hauch eines Problems hätte, einen Mann zu bekommen, lassen wir mal beiseite.

Gerard Butler, der mittlerweile auf den Typ des sympathischen Kotzbrockens abonniert ist, darf natürlich nicht ganz abstoßend sein, also gibt ihm der Film noch einen herzallerliebsten Neffen an die Hand, um den er sich rührend kümmert. Der Kleine darf übrigens die offenherzige TV-ShowSendung vom Ersatz-Papa nicht sehen. So viel zu Butlers propagierter "nackter Wahrheit".

Auf dem "Höhepunkt" des Films kommt Katherine Heigl zu selbigem, als sie vibrierende Unterwäsche bei einem Geschäftsessen trägt, während ein Technik-begeistertes Kind am Nebentisch mit der Fernbedienung ihrer heißen Höschen herumspielt und sie bis zum Orgasmus orgelt. Die Szene soll zweifellos ein Update der berühmten "Harry und Sally - Ich will genau das, was sie hatte"-Nummer werden, ist aber so schlecht inszeniert und gespielt, dass sie nur peinlich ist.

Am Ende verlieben sich dann Butler und Heigl (haben wir es nicht geahnt?) ineinander. Butler erkennt die "wahre" Heigl, die doch viel besser ist als das Frankensteinsche Porno-Geschöpf, das er geschaffen hat, Heigl hingegen erkennt, dass... ja, ich weiß nicht genau, was, er ist immer noch ein Kotzbrocken, aber irgendwie müssen die beiden ja zusammenkommen. Das Happy-End findet bei einem Heißluftballonausflug statt, und der Hintergund mit Sonnenuntergang und Ballons ist so schlecht animiert, als würden sich die beiden in einem Videospiel aus den 80ern befinden.

Glücklicherweise - das rettet den Film nicht, macht ihn aber erträglicher als viele andere der Kategorie - kann DIE NACKTE WAHRHEIT mit ein paar herben Vulgaritäten aufwarten, verzichtet außerdem auf allzu süßlichen Schmalz und hält sich mit keiner Szene allzu lange auf, so dass er relativ temporeich vorbeizieht. Die Verwicklungen sind bekannt, das Konstrukt auch, immerhin gibt es aber ein paar Lacher.

Katherine Heigl beschwerte sich nach dem Riesenerfolg "Knocked Up - Beim ersten Mal" (2007) darüber, dass der Film doch etwas frauenfeindlich sei. Warum sie dann für DIE NACKTE WAHRHEIT zusagte, in dem Frauen durchgängig wie Dreck behandelt werden, bleibt ihr süßes Geheimnis.

04/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...