Mittwoch, 22. Dezember 2010

Die kleinen Füchse (1941)

Das "alte" Hollywood wird nicht besser als DIE KLEINEN FÜCHSE (The Little Foxes) aus dem Jahr 1941. Die Verfilmung des Theaterstücks von Lillian Hellman, in dem Tallulah Bankhead am Broadway ihre größten Erfolge feierte, gehört zu den großen Klassikern des amerikanischen Films, und selbst der strengste Kritiker wird kaum etwas finden, was an diesem Werk auszusetzen ist.
DIE KLEINEN FÜCHSE markiert den künstlerischen Höhepunkt der Zusammenarbeit von Regisseur William Wyler und seinem Star Bette Davis, und das ist angesichts der Meisterwerke, die beide gemeinsam gemacht haben ("Das Geheimnis von Malampur", 1940, und "Jezebel - die boshafte Lady", 1938), schon erstaunlich.

In ihrer Rolle als Südstaaten-Familienoberhaupt Regina Giddens spielt Bette Davis eine durch und durch moralisch verkommene, von Gier besessene Frau, die keine nennenswerte positive Eigenschaft besitzt. Sie kontrolliert und manipuliert alles und jeden, ihre Habsucht kennt keine Grenzen. Sie schreckt nicht einmal davor zurück, ihrem schwachen Ehemann (Herbert Marshall), der sich weigert, ihr den Einsteig in ein gewinnbringendes Geschäft zu ermöglichen, nach einem Herzinfarkt die lebenswichtigen Medikamente zu verweigern und ihn seinem Schicksal zu überlassen. Am Ende hat sie alles verloren, inklusive der Zuneigung ihrer Tochter Alexandra (Theresa Wright), aber nichts dazu gelernt.

Bette Davis dominiert den Film mit einer ihrer herausragenden Darstellungen, aufgrund derer sie zur Legende wurde. Wie immer gelingt es William Wyler, Davis stets unter Kontrolle zu halten und sie nicht in (zu viele) Manierismen abgleiten zu lassen. Davis' Spielfreude und Energie sind schlicht atemberaubend, und sie ringt nicht einen Moment lang um die Sympathie des Publikums. Mit etwas Augenzwinkern könnte man sagen, ihre Regina Giddens ist das Vorbild für alle Leinwand- und TV-Biester à la Joan Collins' Alexis im "Denver-Clan" (wobei diese durchaus um Sympathie buhlt). Man muss sie einfach hassen und genießt es gleichzeitig, ihr zuzusehen.

Das übrige Ensemble ist hervorragend aufgestellt und spielt ebenso glaubwürdig. Der arme Herbert Marshall hat einfach kein Glück mit Bette Davis als Film-Ehefrau, er musste sich schon in "Malampur" geschlagen geben und wird nun noch mieser von ihr behandelt. Theresa Wright zeigt hier neben Hitchcocks "Im Schatten des Zweifels" (1942) ihre beste Leistung. Ihre grundgute und naive Tochter aus gutem Hause wandelt sich im Laufe des Films zu einer erwachsenen Frau, die die Abgründe ihrer Mutter erkennt und sich endgültig aus deren Manipulationen befreit.

William Wyler hatte bereits 1936 mit "Infame Lügen" (der 1961 von ihm selbst als "Infam" noch einmal inszeniert wurde) eine Vorlage Lilliam Hellmans bearbeitet. DIE KLEINEN FÜCHSE setzte er straff, unprätentiös und immer auf den Punkt in Szene. Er gehört nicht umsonst zu den größten Regisseuren aller Zeiten und beweist, dass er immer exakt weiß, wie er seine Schauspieler zu inszenieren hat, bei wem die stärksten Emotionen liegen und wie er den maximalen Effekt für den Zuschauer erzielen kann. Obwohl dialoglastig und auf wenige Schauplätze begrenzt, platzt DIE KLEINEN FÜCHSE fast vor innerer Spannung. Neben der Gier thematisieren Stück und Film ebenfalls die Werte des "alten Südens" und den Mythos der heilen amerikanischen Familie, die hier nur aus Boshaftigkeit, Neid und Hass besteht.

Ein Film wie DIE KLEINEN FÜCHSE ist im heutigen Kino undenkbar. Eine grausame Geschichte voll bitterer Ironie und faszinierender Figuren, meisterhaft in Szene gesetzt und gespielt, hoch unterhaltsam und dennoch reich an Subtexten und Tiefgründigkeit, wem sollte so etwas heute noch gelingen?
Leider ist DIE KLEINEN FÜCHSE hierzulande selten zu sehen und bislang nicht auf DVD erschienen, der Griff zur Import-DVD lohnt sich wie immer in diesem Fall. Dies ist ein Film für die Ewigkeit.

10/10

Die nicht ganz so heile amerikanische Familie - "The Little Foxes"

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