Mittwoch, 22. Dezember 2010

Das Kindermädchen (1990)

In den frühen 70ern inszenierte William Friedkin mit "The French Connection" (1971) und "Der Exorzist" (1973) mehrere Meisterwerke in Folge und zählte zu den bedeutendsten Regisseuren des "New Hollywood", doch mehrere Flops - wie das zwar beeindruckende, aber erfolglose Remake "Atemlos vor Angst" (1977) oder der kontroverse Thriller "Cruising" (1981) - brachten seine steile Karriere zum Stillstand.
Bis heute ist ihm kein weiterer Kassenerfolg gelungen, und auch künstlerisch konnte er nie an seine kompromisslosen Frühwerke anknüpfen.

DAS KINDERMÄDCHEN (The Guardian) war ein Versuch, einen komplett kommerziellen Film zu drehen, der garantiert sein Publikum finden würde, aber auch diese Rechnung ging nicht auf. Der Film erzählt vom hübschen Kindermädchen Camilla (Jenny Seagrove), das einem frisch nach L.A. gezogenen Yuppie-Paar (Dwier Brown und Carey Lowell) bei der Babybetreuung hilft. Das junge Paar ahnt nicht, dass es sich mit der Nanny eine bösartige Druidenpriesterin ins Haus geholt hat, die regelmäßig Babys einem Baumgott opfert. Als mehrere unliebsame Zeugen, die der netten Dame nicht über den Weg trauen, blutig ums Leben kommen, werden auch endlich unsere Helden misstrauisch, aber da ist es fast schon zu spät...

Zwar findet sich hier weit und breit kein neuer Impuls für das stagnierende Genre oder eine innovative Erzählweise, aber zumindest ist Friedkins Film durchweg unterhaltsam und spannend. Dazu garniert er die gelackte Produktion mit einigen derben Splatter-Effekten, die das Publikum stets unvorbereitet erwischen und dem Film eine nette Bösartigkeit verpassen. So wird eine Gruppe Punks, die Seagrove und ihr Baby beim Waldpicknick bedroht, unerwartet von Baumstämmen geköpft und zerquetscht, und eine Mitbewerberin um den Nanny-Job (Theresa Randle) landet blutüberströmt im Kaktus.

Die dünne Geschichte wird durch mehrere Erdbeben und Traumsequenzen auf Spielfilmlänge gebracht, Friedkins Regietalent ist im Grunde nur im sehr atmosphärisch-grusligen Prolog zu bewundern, sowie in der dichten Sequenz, in der eine Hundemeute den misstrauischen Architekten des Yuppie-Hauses bedroht und schließlich zerfleischt. Herrlich spaßig ist das überzogene Finale, wenn Dwier Brown mit der Kettensäge loszieht, um den "bösen Druidenbaum" in kleine Stücke zu zersägen und dabei nicht nur der Baum literweise Blut spuckt, sondern auch Jenny Seagrove als Hohepriesterin Beine und andere Körperteile verliert. Das klingt absurd und ist es auch, das sieht man aber nicht alle Tage.

Erwähnenswert ist noch die gute Filmmusik von Jack Hues. Die Schauspieler leisten solide Arbeit, wobei Jenny Seagrove als mysteriöse Titelfigur am meisten überzeugt. Was Kindrmädchen-Filme angeht, ist mir Friedkins Arbeit lieber als Curtis Hansons "Die Hand an der Wiege" (1992), der kurze Zeit später herauskam und aufgrund der stromlinienförmigen Harmlosigkeit den Erfolg hatte, der Friedkin versagt blieb.
DAS KINDERMÄDCHEN ist zwar durchaus konventionell, aber zumindest gelegentlich unvorhersehbar und hübsch rotzig.

07/10

1 Kommentar:

  1. Merry Christmas!!
    New Year's 2011 Fireworks Celebrations Around the World
    http://fireworks2011.blogspot.com/
    Demo on YouTube
    http://youtu.be/yiPvT_nhHt8?hd=1

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...