Montag, 27. Dezember 2010

The Crazies (2010)

Wenn Regisseure grottenschlechte Remakes von ohnehin schon minderwertigen Filmen wie "Die Horror-Party" (1986) inszenieren, dann ist das schlimm genug. Wenn sie sich an modernen Klassikern mit Kultstatus wie George Romeros "The Crazies" (1973) vergreifen, dann kann man nur hoffen, dass die neue Version der alten zumindest keine Schande antut.

Breck Eisners CRAZIES - FÜRCHTE DEINEN NÄCHSTEN (The Crazies) ist glücklicherweise so solide inszeniert, dass man sich nicht ununterbrochen fremdschämen muss. Gleichzeitig hat er weder dem Genre noch dem Subgenre des Zombiefilms irgendetwas Neues hinzuzufügen.
Hier wie dort geht es um eine ländliche Kleinstadt, die von einer Epidemie heimgesucht wird, welche die Bewohner in mordgierige Zombies verwandelt. Das Militär riegelt die Stadt ab, interniert und tötet die Infizierten, nur eine kleine Gruppe entzieht sich dem radikalen Einmarsch und versucht, zu entkommen.

Regisseur Eisner gelingen dabei ein paar spannende Sequenzen, der Höhepunkt ist die Szene im verlassenen Diner. Das Problem ist nur, dass es seit Romeros "Crazies" bereits unzählige Filme zum Thema gegeben hat und die Überraschung über die wild gewordene Landbevölkerung sich mehr als nur in Grenzen hält. Das Zombie-Genre ist mittlerweile so tot, dass es eigentlich einen Romero bräuchte, um es zu reanimieren, aber der wandelt selbst seit Jahren nur noch auf ausgetreteten Pfaden. So ist das erste Drittel von THE CRAZIES nichts anderes als aufgewärmter Kaffee von vorgestern, und das extrem schwache Ende mit der hundertmal dagewesenen "Pointe" schlichtweg ideenlos.

Was an diesem Remake wirklich überrascht ist die Tatsache, dass Eisner Romeros politischen Subtext (der seinerzeit durchaus als Vietnam-Allegorie verstanden werden wollte) lediglich kopiert anstatt ihn auch nur ansatzweise auf heutige Verhältnisse zu übertragen. Er ist dazu nicht mehr Motor der Handlung, sondern nur Beiwerk. Das ist dann doch sehr enttäuschend - ganz zu schweigen von der Vergeudung Radha Mitchells in einer unglaublich undankbaren Rolle. Mitchell hat nicht nur unter Woody Allens Regie ("Melinda und Melinda", 2005) bewiesen, dass sie weitaus mehr kann.

Und wieder stellt sich die (müßige) Frage: wer braucht das? Warum sollte man sich die schwächere Veriante eines guten Originals anschauen, das überall zu haben ist? Und ist "solide" im heutigen Kino schon eine Qualität, die man loben muss? Für einen Hitchcock, Wyler, Welles oder auch einen Romero wäre "solide" eine Beleidigung gewesen. Breck Eisner freut sich. Herzlichen Glückwunsch.

05/10

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