Sonntag, 26. Dezember 2010

16 Uhr 50 ab Paddington (1961)

Die Agatha Christie-Verfilmung 16 UHR 50 AB PADDINGTON (Murder, She Said) ist die erste und beste der insgesamt vier berühmten Miss Marple-Filme, in denen die schrullige Margaret Rutherford als herumschnüffelnde alte Dame begeistert.

Der Film beginnt während einer Zugfahrt. Miss Marple (Rutherford) beobachtet einen Mord in einem parallel fahrenden Zug und verständigt sofort den Schaffner, der aber eher zu glauben scheint, die alte Dame sei nicht ganz bei Verstand. Eine Leiche ist auch nicht zu finden. Gemeinsam mit ihrem Freund Mr. Stringer (Stringer Davis) spaziert Miss Marple die Bahnstrecke ab und entdeckt Spuren, die zum Landsitz der Ackenthorpes führen. Dort lässt sie sich kurzerhand als Wirtschafterin einstellen (was erstaunlich leicht gelingt), um der Familie auf den Zahn zu fühlen. Bald schon entdeckt sie die gesuchte Leiche, die der Mörder im Stall versteckt hat, dann fällt die gesamte Familie einem Giftanschlag zum Opfer, ein weiteres Familienmitglied stirbt, und erst eine Spieluhr kann den Täter überführen...

Die Mischung aus Krimispannung und Humor ist hier noch perfekt ausbalanciert (später sollte der Humor dominieren), und trotz einiger atmosphärisch-grusliger Szenen wie dem Auffinden einer Leiche im nächtlichen Garten oder dem Stromausfall bei Gewitter kann man sich bei den Rutherford-Filmen stets wohlig in sein Sofa kuscheln und fühlt sich extrem gut aufgehoben.

16 UHR 50 AB PADDINGTON lebt natürlich in erster Linie von der Präsenz Margaret Ruhtherfords, die Agatha Christies zierlicher Lady ganz und gar nicht entspricht (Christie war von Rutherford auch nicht angetan), die das Publikum aber von Anfang an liebt. Ihre Grimassen sind köstlich anzuschauen, und das Drehbuch verpasst ihr wunderbare Dialoge, Charaktereigenschaften und Running Gags (wie die ständige Behauptung, alle möglichen Turniere gewonnen zu haben).
Auf schauspielerischer Ebene bekommt sie mit James Robertson-Justice als nörgelndes Familienoberhaupt einen launigen Gegenspieler, der sie - wie so oft - am Ende heiraten möchte. Das Zusammenspiel der beiden gehört zu den Highlights der Verfilmung (insbesondere, wenn er sie anbellt, sie sollte "das wegnehmen" und damit die Brühe meint, die sie gerade serviert hat, sie aber mit einem "Sehr gerne" seinen Cognac nimmt).

Der Krimiplot ist schlüssig eingefädelt, die Auflösung kommt entsprechend überraschend, als Zuschauer hat man allerdings keine Chance, mitzuraten, weil wichtige Informationen fehlen. Das ist aber kein Problem, denn auch so ist 16 UHR 50 AB PADDINGTON von hinten bis vorne beste britische Krimi-Unterhaltung und ein Film, den man immer wieder sehen kann, und den man einfach lieben muss.

09/10

Miss Marple und Mr. Stringer beim Erklimmen der Ackenthorpschen Grundstücksmauer

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