Freitag, 26. November 2010

Das Haus der Krokodile (1975)

Der Sechsteiler DAS HAUS DER KROKODILE aus dem Jahr 1975 gehörte immer zu meinen liebsten TV-Kindheits-Erinnerungen, einige Bruchstücke und Sequenzen habe ich nie vergessen.
Umso schöner, dass dieser kleine TV-Klassiker auf DVD veröffentlicht wurde, und auch wenn die technische Qualität zu wünschen übrig lässt, konnte mich die Geschichte wieder angenehm spannend unterhalten.

Worum geht es? Die Eltern sind verreist, der junge Victor (Tommi Ohrner) lebt mit seiner Schwester Cora (Carolin Ohrner) und der älteren Schwester Louise (Evelyn Palek) allein in der großen, unheimlichen Wohnung. Als eines Tages plötzlich ein Fremder im Spiegel auftaucht, reift in Victor der Verdacht, dass jemand heimlich die Wohnung durchsucht. Aber was sucht er? Und was hat das mit einem tödlich verunglückten Mädchen zu tun, das wir auf Kinderzeichnungen sehen, in denen sie von riesigen Augen beobachtet wird...?

Die Geschichte ist in sechs Teile von je ca. 30 Minuten geteilt, und bereits die erste Episode mit dem Einbrecher im Spiegel kann immer noch eine nette Gänsehaut bereiten. Allein schon wegen der 70er-Ausstattung und Kostüme bietet DAS HAUS DER KROKODILE eine hübsche Nostalgie-Zeitreise. Die Geschichte wird durchweg spannend und ohne unnötige Subplots oder Schnörkel erzählt. Die Inszenierung von Wilm ten Haaf, der auch für das Drehbuch nach der Vorlage von Helmut Ballot verantwortlich zeichnete, ist unaufwendig, aber effektiv.

Von den Schauspielern kann vor allem der junge Tommi Ohrner überzeugen, der später als 'Timm Thaler' und 'Manni, der Libero' deutsche TV-Erfolge feiern sollte. Lediglich die von Evelyn Palek gespielte ältere Schwester bleibt steif und unsympathisch, sie hat allerdings auch die undankbarste Rolle und wird vom Drehbuch stets zur Arbeit oder Verabredungen geschickt, damit die beiden jüngeren Geschwister alleine sind.
Die Geschichte bedient sich klassischer Spannungs-Elemente, die Vorbilder sind u.a. bei Polanski (der Mann im Spiegel stammt aus "Ekel", 1962) und Bava (die Wollfäden, die Victor spannt, um zu beweisen, dass der Einbrecher in der Wohnung war, sind Bavas Klassiker "The Girl Who Knew Too Much" von 1962 entliehen) zu finden, keine schlechte Wahl. Victors Detektiv-Arbeit erinnert gelegentlich an die Abenteuer der "Drei Fragezeichen".

Mit technisch einwandfreien und gelackten TV-Produktionen von heute hat DAS HAUS DER KROKODILE nichts zu tun - man beachte z.B., dass die Zimmer der Kinder vollkommen unaufgeräumt sind, was man in heutigen Produktionen so nicht mehr findet. Auch die sehr originelle Sequenz, in welcher der junge Victor beim Geburtstag des Onkels von mehreren Erwachsenen Alkohol bekommt und schließlich betrunken beim Essen sitzt und in Ohnmacht fällt, würde in ihrer Unkorrektheit heutzutage nicht mehr durch die Mühlen einer TV-Redaktion kommen. Besonders einprägsam und atmosphärisch ist das Klavierstück des Vor- und Abspanns gelungen, gelegentlich schaltet sich auch ein Erzähler ein.

So kann DAS HAUS DER KROKODILE wahrscheinlich bei Jugendlichen des Jahres 2009 nicht mehr als ein müdes Gähnen hervorrufen, doch ich habe die Serie als Kind geliebt und sie gern wieder gesehen, weil Spannung, Witz und Originalität zeitlose Qualitäten sind.

07/10


Der Fremde im Spiegel

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