Donnerstag, 25. November 2010

Rot..Rot..Tot (1978)

Weil das Wiedersehen mit Wolfgang Petersens 'Tatort' "Reifezeugnis" (1977) so schön war, folgt hier gleich mein zweiter Lieblings-Beitrag der Krimi-Reihe, der mit Curd Jürgens einen internationalen Star aufweisen kann.

ROT..ROT..TOT erzählt von einem Serienmörder, dem im Nobelviertel von Stuttgart rothaarige Frauen zum Opfer fallen. Im Zuge der Ermittlungen stößt Kommissar Lutz (Werner Schumacher) mit seinem Assistenten Wagner (Frank Strecker) immer wieder auf die Familie Pfandler. Familienoberhaupt und Statistiker Konrad (Jürgens) leidet unter seiner fremdgehenden Ehefrau Julia (Renate Schroeter). Sein frustrierter Sohn Uwe (Christian Berkel), der mit Vorliebe seinen roten Sportwagen fährt, ist schon vormittags betrunken. Das erste Mordopfer wurde von Konrad Pfandler kurz vor der Ermordung gesehen, das zweite war mit Uwe liiert. Und die eiskalte Julia Pfandler trägt ihr Haar in auffallend leuchtendem Rot...

Als ich ROT..ROT..TOT in meiner Jugend im TV sah, habe ich mich mehrere Tage nicht nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Haus getraut, weil ich hinter jeder Ecke Curd Jürgens mit Strangulierseil in den Händen und Mordlust in den Augen vermutet habe
Diesen Effekt hat der Film heute nicht mehr, auch wenn er nach wie vor gut unterhält. Einige kleinere Längen sind leicht zu verschmerzen, dafür wird man mit einem wunderbaren Ensemble entschädigt. Der große Curd Jürgens besitzt eine unvergleichliche Präsenz und überzeugt als introvertierter, gedemütigter Statistiker und Astronom, der von seiner Frau vorgeführt und vom Sohn verachtet wird. Den Sohn spielt der junge Christian Berkel auf den Punkt genau, und Renate Schroeter ist eine herrlich kaltblütige Edelschlampe, die in der ersten Szene morgens von einem Stelldichein mit ihrem Lover nach Hause kommt und diesen vor den Augen ihres Mannes anruft, weil sie ihre Uhr in seiner Wohnung vergessen hat. Sie beendet das Gespräch mit "Ich rufe wieder an, wenn ich einen von euch brauche - dich oder die Uhr!" und fragt ganz unschuldig ihren Gatten Jürgens: "Bist du noch auf oder schon?"

Dass in dieser Form gedemütigte Ehemänner gern zu Serientätern werden, weiß man schon von Patricia Highsmith, und das weiß auch Autor Karl Heinz Willschrei, der sich dicht an die klassischen Vorbilder anlehnt. Ein bisschen Highsmith ("Tiefe Wasser"), ein bisschen Simenon (auf den auch im Dialog angespielt wird), und schließlich auch ein wenig Hitchcocks "Vertigo" (1958), wenn sich herausstellt, dass Jürgens seine Frau Renate Schroeter nur geheiratet hat, weil sie seiner verstorbenen ersten Frau zum Verwechseln ähnlich sieht (auf einem Foto, das die verstorbene Gattin zeigt, ist ebenfalls Schroeter zu sehen).

Dramaturgisch spannend ist die Idee, Jürgens als Täter einzuführen, aber den Zuschauer trotzdem im Unklaren zu lassen, ob er die Morde tatsächlich begangen hat, auch wenn alles dafür spricht. Den Fall aufzuklären ist für die Kommissare nicht weiter schwer, ganz besonders, wenn der Hund des Hauses Pfandler (ein Basset, den auch ein gewisser Inspektor 'Columbo' als Begleiter bei sich führt) ihnen im letzten Akt entscheidend weiterhilft.

Werner Schumacher als Kommissar Lutz gehört zu den weniger charismatischen Ermittlern der 'Tatort'-Reihe, sein Assistent Frank Strecker hat den deutlich interessanteren Part. Letztlich aber ist dies der Film von Jürgens, Berkel und Schroeter, die als wohlhabende, aber charakterlich verkommene Familie hinter den noblen Fassaden des Stuttgarter Villenviertels "Killesberg" (!) eine Galavorstellung liefern.

07/10

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