Montag, 1. November 2010

Halloween II - Das Grauen kehrt zurück (1981)

Die aufgrund des großen Erfolgs des Vorgängers obligatorische Fortsetzung HALLOWEEN II (Halloween 2) knüpft inhaltlich nahtlos an "Halloween - Die Nacht des Grauens" (1978) an.
Wir befinden uns in derselben Nacht, Killer Michael Myers ist noch immer verschwunden, Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die ihm als letzte entkommen ist, wird ins Krankenhaus gebracht. Psychiater Donald Pleasence ist verzweifelt auf der Suche nach Michael Myers. Der schleicht sich nach einigen Morden, die er quasi im Vorbeigehen verübt, ins Krankenhaus, um Laurie ein für allemal ins Jenseits zu befördern. Zunächst müssen einige Krankenschwestern, Ärzte und Pfleger dran glauben, dann stehen sich Laurie und Michael endlich gegenüber...

Man muss Kameramann Dean Cundey dafür loben, dass HALLOWEEN II über weite Strecken zumindest exakt so aussieht wie der Vorgänger. John Carpenter selbst hatte keine Lust, die Regie zu übernehmen, verfasste aber das Drehbuch, das auf dem Papier zahlreiche Möglichkeiten für Suspense bietet, welche aber von Regisseur Rick Rosenthal nicht, bzw. nur selten genutzt werden. In HALLOWEEN II ist Michael Myers nicht mehr eine unheimliche Schreckgestalt, die den potentiellen Opfern vor allem genüsslich Angst einjagt, sondern er taucht unvermittelt auf und schlägt brutal zu, ganz so wie sein filmischer Bruder Jason Vorhees in der "Freitag der 13."-Reihe. Deswegen kann HALLOWEEN II in Sachen Suspense auch nie mit dem Original mithalten. Unnötigerweise erhält Michael Myers hier auch noch eine Vorgeschichte, die seine Jagd auf Jamie Lee erklären soll, aber wie so oft im Horrorfilm ist das, was erklärt wird, nicht mehr bedrohlich (wann werden sie es endlich lernen?). Jetzt ist Michael Myers nicht mehr der universelle "Boogey-Man", sondern ein klinischer Einzelfall, seine Unverwundbarkeit macht so kaum noch Sinn.

Dafür wurde aber an anderer Stelle sorgfältig produziert. So sehen wir z.B. für einen kurzen Augenblick die Leiche von Annie Bracket (Nacy Loomis), die in Teil 1 ermordet wurde und nun aus dem Haus getragen wird, und für die kurze Einstellung kam tatsächlich Schauspielerin Nancy Loomis zurück ans Set. John Carpenters Filmmusik kann erneut in einer neuen Instrumentierung (bzw. Programmierung) überzeugen.
Überhaupt darf HALLOWEEN II wohl als der ultimative Krankenhaus-Horror bezeichnet werden, obwohl das hier dargestellte Hospital wenig glaubwürdig ist. Viel zu schlecht ausgeleuchtet, mit deutlich zu wenig Personal und Patienten besetzt (und das in der Halloween-Nacht! Dafür ist die Baby-Station überfüllt, allerdings fehlen die dazu gehörigen Mütter), erinnert es eher an ein Haunted House klassischer Gruselfilme als einen modernen Krankenhausbetrieb.

Das größte Manko des Films ist die geringe Filmzeit von Jamie Lee Curtis, die so wenig zu tun bekommt (sie spricht höchstens acht Sätze), dass es schon an Fahrlässigkeit grenzt. Sie liegt die meiste Zeit im Dämmerzustand und kommt erst zum Finale aus dem Krankenzimmer. Damit sie äußerlich der von ihr drei Jahre zuvor gespielten Laurie ähnelt, muss sie eine Perücke tragen, die auf hundert Meter als solche erkennbar ist. Dafür ist ihr Schlusskampf mit Michael Myers sehr spannend geraten, nicht zuletzt, weil hier endlich die Bedrohung und Verfolgung eine größere Rolle spielen als der Akt des Tötens.

HALLOWEEN II gefiel übrigens weder den Produzenten noch dem Testpublikum, also ging John Carpenter selbst ans Werk und inszenierte nachträglich ein paar blutige Details, die dem Film deutlich helfen, wegen denen er aber hierzulande, nachdem er auf Video erschien, verboten wurde und es immer noch ist - unfassbar, wenn man ihn heute sieht, er könnte locker ab 16 freigegeben werden.

Im Vergleich mit Carpenters Original kann HALLOWEEN II nicht mithalten, aber er ist formal-technisch und atmosphärisch besser gelungen als die meisten anderen "Halloween"-Klone. Im Kino war er ein großer Erfolg, so dass eine weitere Fortsetzung nicht lange auf sich warten ließ. HALLOWEEN II ist schwer zu bewerten, aber angesichts der Tatsache, dass er so viel schlechter hätte ausfallen können gebe ich gern...

07/10

Kommentare:

  1. An Teil 2 hab ich nur noch wenig Erinnerung, vielleicht lohnt sich da ein zweiter Blick. Damals fand ich ihn nicht besonders stark, eher mittelmässig. LG Ray

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  2. Mittelmäßig stimmt schon, da hast Du recht, aber die Atmosphäre gefällt mir immer gut, und mit Carpenters Musik funktioniert der Film auch für mich, wenngleich nicht so wie das Original. Lieben Gruß!

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