Samstag, 13. November 2010

Die Tote aus der Themse (1971)

Nachdem mit der deutsch/italienischen Co-Produktion "Das Gesicht im Dunkeln" (1969) ein Versuch unternommen wurde, der Edgar Wallace-Reihe neue Impulse zu geben, welche aber vom Publikum (auch mangels Qualität) nicht honoriert wurden, entstand 1971 mit DIE TOTE AUS DER THEMSE eine wieder rein deutsche Produktion mit bekannten und beliebten heimischen Gesichtern.
Der Film, der unter der Regie von Harald Philipp entstand, kann zudem mit einigen sehenswerten Locations und einem straffen Drehbuch punkten, so dass sich der erhoffte Erfolg bei den Zuschauern wieder einstellte.

Uschi Glas spielt hier die junge Australierin Danny Fergusson, die in London ihre Schwester Myrna besuchen will. Myrna hat ihr aber verschwiegen, dass sie in groß angelegten Rauschgifthandel verstrickt ist und als Spitzel für Scotland Yard arbeitet. Kurz vor Dannys Ankunft wird Myrna nach einem geplatzten Drogendeal in einem schäbigen Hotel erschossen. Ein windiger Fotograf (Vadim Glowna), der die Tote fotografieren konnte, stellt aber auf den Aufnahmen fest, dass Myrna möglicherweise noch lebt. Mit Hilfe von Scotland Yard-Ermittler Craig (Hansjörg Felmy) macht sich Danny auf die Suche nach Myrna. Derweil ermordet ein Unbekannter mit einem Gewehr die Mitglieder der Rauschgiftbande aus dem Hinterhalt...

DIE TOTE AUS DER THEMSE verzichtet deutlich auf die dreisten Albernheiten, die etwa einen "Der Mann mit dem Glasauge" (1969) auszeichneten, und siedelt seine Story wieder mehr in der Realität an. Der Humor, der hauptsächlich durch Siegfried Schürenberg als Yard-Chef Sir John zur Auflockerung beitragen soll, ist weniger schrill und peinlich ausgefallen, und Ermittler Felmy bekommt dankenswerterweise keinen blödelnden (oder blöden) Sidekick an die Seite. Zahlreiche Außenaufnahmen in West-Berlin (das durch Schilder, Autos und Telefonzellen als London "verkleidet" wurde) vermitteln eine authentische Atmosphäre, die Sets sind glaubwürdig und werden gut genutzt - insbesondere ein Schlachthaus, in dem mehrere entscheidende Szenen spielen. Einige Originalschauplätze in London können ebenfalls begeistern - so findet eine Ermordung mitten auf dem Picadilly Circus statt.

Die Geschichte um den Rauschgiftring ist nur leidlich interessant, doch das Geheimnis um die verschwundene Myrna und den unsichtbaren Killer halten den Film auf annehmbarem Spannungsniveau. Wie üblich wurden mehrere Elemente aus anderen Erfolgsfilmen gnadenlos kopiert. Vadim Glowna wirkt in seiner Fotografen-Rolle nicht nur äußerlich wie David Hemmings aus Antonionis Hit "Blow Up" (1966), auch das Foto als Beweisstück stammt aus dem filmischen Vorbild, während das Schlachthaus-Finale, in dessen Verlauf Hansjörg Felmy sich mit mehreren Handlangern der Bösen durch kochendes Wasser und Fleisch-Häcksler prügeln muss, stark an die James Bond-Reihe erinnert.

Hansjörg Felmy unterspielt wie üblich seine Rolle sehr angenehm und gehört zu den am wenigsten aufdringlichen Inspektoren der Reihe. Uschi Glas sieht fabelhaft aus und leistet sich schauspielerisch ein paar schlimme Momente, bleibt aber liebenswert und sympathisch. Leider verlangt es das Drehbuch, dass sie sich stets von Männern retten lassen muss und sich niemals selbst zur Wehr setzen kann, was schade ist. Die Nebenrollen sind mit attraktiven Damen wie Petra Schürmann und Brigitte Skay sowie Charaktermimen wie Ivan Desny und Werner Peters gut besetzt. Der große Werner Peters verstarb unglücklicherweise am Tag der Uraufführung von DIE TOTE AUS DER THEMSE.
Siegfried Schürenberg spielte hier zum letzten Mal seine Paraderolle als vertrottelter Sir John, der neben seinen täglichen Aufgaben (wie der lüsternen Sichtung halbnackter Frauen auf Fotos in der Wohnung des ermordeten Fotografen Glowna) auch noch den Fall des Jack the Ripper nachträglich aufrollen möchte.

Erwähnt werden sollten noch die gute Kameraarbeit von Karl Löb, sowie die hervorragende Musik von Peter Thomas, der für diesen Wallace einen eher melancholischen Score mit eingängigem Titelthema komponiert hat. Für beide war es die letzte Arbeit an einem Wallace-Film. Die Story selbst stammt nicht von Edgar Wallace, sondern wurde von Produzent Horst Wendlandt selbst erfunden, nach "Motiven des Autors", welche auch immer das sind.

Obwohl das Publikum DIE TOTE AUS DER THEMSE wohlwollend aufnahm, wählte man erneut den Weg der italienischen Co-Produktion für die Nachfolger. Mit den beiden Filmen "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" (1972) und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1972) ging die erfolgreichste Reihe der deutschen Filmgeschichte zu Ende.

08/10

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