Freitag, 15. Oktober 2010

Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)

Dieser vierte Dracula-Film der britischen Hammer-Studios knüpft inhaltlich direkt an das Finale des Vorgängers "Draculas Rückkehr" (1968) an.

Ein Handlungsreisender beobachtet die Ausmerzung Draculas und stiehlt dessen Ring, Cape und blutroten Staub. Mit diesen Utensilien vollführt später ein junger Adliger (Ralph Bates) im Viktorianischen England eine schwarze Messe für drei wohlhabende Gentlemen, die sich gern in Bordellen herumtreiben, in deren Verlauf Dracula (Christopher Lee) erweckt und sein Diener getötet wird.
Nun nimmt Dracula blutige Rache an den alternden Hedonisten, wobei er sich zunächst die jugendlichen Kinder der Herren gefügig macht (denn irgendwie müssen ja die Dekolletés in den Film - wer will schon Dracula gegen drei alte Lustgreise sehen?)...

Zum ersten Mal in einem Dracula-Film ist der Obervampir eine Art Antiheld, der den Tod seines Jüngers rächt und nebenbei noch gesellschaftliche Doppelmoral und Scheinheiligkeit ausmerzt. Das Drehbuch hat zu diesem Thema ein paar passende Dinge zu sagen, insbesondere in der Zeichnung des unsympathischen Geoffrey Keen in der Hauptrolle, der seiner Tochter (Linda Hayden) jeden Flirt verbietet (und sie zur Not auch mit der Reitgerte prügelt), sich aber selbst in zwielichtigen Etablissements höchst fleischlichen Gelüsten und Opium hingibt.

Das Problem mit WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? (Taste the Blood of Dracula), dessen Titel übrigens jüngst für die DVD-Veröffentlichung auf "Das Blut von Dracula" verkürzt wurde, liegt in der langen Exposition. Es dauert (nach einer kurzen Rückblende zu Beginn) geschlagene 40 Minuten, bis Dracula überhaupt auftaucht, an dieser Stelle ist der Film bereits halb durch. Und so anspruchsvoll er auch ist, als Horrorfilm lässt diese erste Hälfte leider jede Spannung vermissen. Da helfen weder einige ausgezeichnete Darstellerleistungen, noch die wunderbare Musik von James Bernard, der hier erstmals für das jungverliebte Paar ein romantisches Liebesthema komponieren durfte.

Ursprünglich sollte übrigens Vincent Price einen der drei Gentelmen spielen, aber nachdem das Budget des Films drastisch gekürzt wurde, entließ man ihn aus dem Vertrag. Die Kürzungen machen sich bemerkbar, der Film kann bei weitem nicht den außergewöhnlichen Look von "Draculas Rückkehr" vorweisen.

Christopher Lee bekommt hier wenig zu tun, auch wenn er in der zweiten Hälfte des Films öfter zu sehen ist als im kompletten "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972). Sein Stunt-Double ist im Finale deutlich erkennbar, und Regisseur Peter Sasdy inszeniert ihn oft allzu menschlich. Sasdy war verantwortlich für einen der besten Spät-Hammer-Filme, "Hands of the Ripper" (1971), als auch für einen der schlechtesten Filme aller Zeiten, den Pia Zadora-Flop "The Lonely Lady" (1983).
Was mich persönlich an vielen Dracula-Sequels der Hammer-Studios stört ist die Tatsache, dass Dracula nicht im Zentrum der Geschichten steht, sondern völlig separate Handlungen gestrickt werden, in die der Vampir dann irgendwie hineingezwängt wird. Der folgende Beitrag "Dracula - Nächte des Entsetzens" (1970) rückt den Obervampir wieder stärker in den Mittelpunkt.

Da WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? an den Kinokassen nicht den Erfolg seines Vorgängers wiederholen konnte, wurde der Nachfolger mit deutlich mehr Sex und Gewalt aufgepeppt, was aber auch nicht half. Ende der 60er hatte sich das Kinopublikum verändert, und in den Hammer-Studios wusste man nicht recht mit der neuen Generation umzugehen.

06/10

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