Mittwoch, 13. Oktober 2010

Wenn Liebe so einfach wäre (2009)

Willkommen im Land der Dauergrinser!

Das Leben kann so schön sein. Zumindest, wenn man Zeit und Geld im Überfluss hat, in prachtvollen Häusern wohnt und sich mit allen gut versteht, sich beim Essen amüsant unterhält und immerzu lacht, lacht und lacht. Und wenn einem zufällig eine etwas böse Bemerkung herausrutscht, dann entschuldigt man sich sofort und lacht einfach weiter.

Klingt wie ein Nancy Meyers-Film? Es ist einer.

Der Plot geht ungefähr so: Frau Grins (Meryl Streep) und ihre drei bis vier Grinsekinder (da keines von ihnen irgendeine Charaktereigenschaft aufweist, habe ich bis zum Schluss nicht verstanden, wie viele es eigentlich sind, auf jeden Fall haben sich alle schrecklich lieb) leben glücklich und harmonisch und zeigen ihre Zähne, so oft es geht. Da trifft Frau Grins ihren Ex-Grins (Alec Baldwin), der mittlerweile mit einer jüngeren Braut verheiratet ist (die natürlich schön, aber kaltherzig und böse ist, sonst gäbe es ein moralisches Dilemma). Frau Grins und Ex-Grins landen nach viel Alkohol im Bett. Am morgen danach greift er ihr zwischen die Beine und sagt "Home, sweet home", kurzes Erschrecken - und Lachen!

Dann trifft Frau Grins auch noch ihren Architekten Mr. Grins (Steve Martin, der so viel Botox im Gesicht hat, dass man nicht weiß, ob bei Madame Tussauds gerade ein Platz frei geworden ist). Die beiden lachen viel und naschen kichernd an Schokoladencroissants, weil zu Frauenfilmen auch immer Süßigkeiten gehören. Zweimal schauen drei grinsende Freundinnen von Frau Grins vorbei - wie man weiß, gehören zu einem Frauenabend seit "Sex and the City" unbedingt vier Frauen, mit drei oder fünf Frauen funktioniert das nicht. Wo diese Frauen herkommen, wer sie sind und wohin sie nach ihren Scherzen verschwinden (wahrscheinlich im Grinse-Nirwana), wer will es wissen?
Auf jeden Fall beschließen sie, dass Frau Grins viel zu jung ist, um den Sex an den Nagel zu hängen, weil ihr sonst womöglich die Vagina zuwächst (Original-Zitat). Der gute Rat der Freundinnen - mach' es, egal mit wem! So müssen Freundinnen sein! Und was für eine schöne Botschschaft auch für die Frauen im Publikum.

Wie es danach weitergeht? Es wird weiter viel gelacht, im Garten gesessen und im Regen herumgestanden, am Ende dann lachen sich die zwei an, die die geringste Chemie miteinander haben und lächeln sich ins Happy End.

Nancy Meyers macht Komödien über Leute (Charaktere möchte man sie nicht nennen, dafür müssten sie Charakter haben), denen es so gut geht, dass sie sich ihre Probleme mit Gewalt konstruieren müssen. Alle sind gandenlos auf sympathisch getrimmt, keiner besitzt irgendeine Schwäche oder unliebsame Eigenschaft. Ecken und Kanten? Gott bewahre!

Da sich Meyers für eine Art weiblichen Woody Allen hält (der sie bei Gott nicht ist!), sitzen stets alle in eleganten Restaurants, in noblen Bars, plappern viel belangloses Zeug und lachen unentwegt, es sei denn, sie sind unglücklich, dann schauen sie kurz bedröppelt drein, bevor sie weiterlachen. Da sich Frau Meyers dazu noch für sehr "französisch" hält (oh lala, ein Film über einen Seitensprung, mon dieu!), möchte man ihr am liebsten Filme wie "Meeresfrüchte" (2005) oder "Wir verstehen uns wunderbar" (2006) um die Ohren schlagen, in denen sich interessante, reife Charaktere intelligente und komische Gefechte liefern, die Welten von Meyers' ur-amerikanischer, verklemmter Spießigkeit entfernt sind.

Zu den Highlights von WENN LIEBE SO EINFACH WÄRE (It's Complicated) gehören: Streeps Besuch beim Schönheitschirurg, dem sie einen langen Vortrag hält, warum sie Schönheits-OPs hasst, dabei sieht ihr Gesicht keine Sekunde so aus, als wäre dort nie etwas gemacht worden (für eine Frau von Mitte 50 hat sie keine einzige Stirnfalte - fairerweise muss man sagen, dass sie aber noch zehnmal besser und natürlicher aussieht als diverse Kollegen/innen, siehe Steve Martin). Die kleinen Schlupflider, die sie in dieser Szene wegoperiert bekommen möchte, sind ab der folgenden Szene, schwups, auf wundersame Weise verschwunden.
Nach dem ersten Sex mit Baldwin muss sich Streep übergeben - da geht es ihr wie dem Zuschauer, der bereits geschlagene 20 Minuten mit dieser unlustigen, stupiden "Komödie" vertan hat - und es folgen noch 90 weitere!

Dass Steve Martins gute Tage vorbei sind, weiß man, seit er nur noch für Disney-Filme grimassiert (mit dem Grimassieren ist dank der Errungenschaften der Schönheits-Industrie nun ebenfalls Schluss). Warum sich Meryl Streep dafür hergibt, ich weiß es nicht, das geht mich auch nichts an, aber ihr zuzuschauen, wie sie sich mit Dauergrinsen ("Mamma Mia"?) über die Tatsache zu retten versucht, dass ihre Figur keine nennenswerte Eigenschaft oder Persönlichkeit besitzt, ist tragisch, insbesondere, wenn man bedenkt, in welch guten Filmen sie in den 80ern zu sehen war. Baldwin wiederholt hier einfach seine Rolle aus der TV-Serie "30 Rock", nur ohne den Witz.

Ich war gewarnt durch den erzkonservativen "Was das Herz begehrt" und den todlangweiligen "Liebe braucht keine Ferien". Was konnte man von WENN LIEBE SO EINFACH WÄRE erwarten? Selber Schuld. Der Film hat gehalten, was Nancy Meyers verspricht.
Während des Films hörte ich ein durchgängigs Rumpeln. Ich denke, das waren Lubitsch, Wilder und Hawks, die in ihren Gräbern rotierten.

00/10

Kommentare:

  1. Hi Mathias, eine köstliche Rezension. Werde wohl einen großen Bogen um den Film machen...LG Ray

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  2. Lieber Ray, dazu kann ich nur raten. Das BIttere ist, dass ich eigentlich alle drei Darsteller mag, aber der Film war eine einzige Qual von der ersten Minute an. Liebe Grüße!

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