Sonntag, 24. Oktober 2010

Stille Nacht, Horror-Nacht (1984)

Der kleine Billy muss als Kind mit ansehen, wie seine Eltern am Weihnachtsabend von einem bewaffneten Räuber brutal ermordet werden. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird er – gemeinsam mit seinem kleinen Bruder – daraufhin von Nonnen in einem katholischen Waisenhaus aufgezogen, wo er von der Mutter Oberin regelmäßig verprügelt wird.

Jetzt ist Billy (Robert Brian Wilson) erwachsen und bekommt einen Job im örtlichen Spielzeugladen. Als das Weihnachtsfest naht, wird er genötigt, im Weihnachtsmannkostüm nörgelige Kinder auf den Schoß zu nehmen. Da braucht es nur noch ein paar Gläser Rotwein, und bei Billy knallen die Sicherungen durch. Mit Feueraxt und anderen Utensilien bewaffnet, meuchelt er alles dahin, was ihm in die Quere kommt…

STILLE NACHT, HORROR-NACHT (Silent Night, Deadly Night) verursachte einigen Wirbel, als er direkt zum Weihnachtsfest in den Kinos gestartet wurde und empörte Elternverbände Sturm gegen den Film liefen. Die Tatsache, dass hier die Erziehung im Waisenhaus mit dem anfänglichen Elternmord gleichgesetzt wird (in beiden Fällen wird Billy vorgeführt, dass Sex unweigerlich zu Bestrafung und Tod führt), machte die Sache nicht wirklich besser.

Formal gehört STILLE NACHT zu den typischen Slasherfilmen der 80er, wobei hier die Identität des Killers kein Geheimnis ist und ihm kein positiver Protagonist gegenübergestellt wird, weder das obligatorische Final Girl noch sonst jemand. Insofern ist STILLE NACHT beinahe ein Psychodrama, das durchgehend aus der Sicht des gestörten Billy erzählt ist.

Regisseur Charles E. Sellier hat zwar kein nennenswertes Budget zur Verfügung (weswegen alle Sets billig wirken), aber er hat eine Menge Spaß an schwarzhumorigen Geschmacklosigkeiten. So schenkt der mordende Billy als Weihnachtsmann einem kleinen Mädchen ein blutiges Teppichmesser, mit dem er gerade sein letztes Opfer aufgeschlitzt hat, und wenn er am Ende von der Polizei niedergeschossen wird, geschieht das im Waisenhaus direkt vor einer Gruppe von Kindern, denen Billy im Sterben zuraunt: „Ihr müsst keine Angst mehr haben, der Weihnachtsmann ist tot.“

Für den Genre-Fan gibt s reichlich originelle Morde zu sehen. Unter den Opfern befindet sich auch eine - wie üblich - nackte Linnea Quigley, die von Billy auf das Geweih eines Hirschkopfes an der Wand gespießt wird, und ein betrunkener Teenager wird während einer Schlittenabfahrt von Billy geköpft. Ho-ho-ho.

Die Verbindung von Sex, Katholizismus und Gewalt im Zusammenhang mit Kindern rief natürlich die Jugendschützer auf den Plan, und so wurde der Film hierzulande gekürzt. Auf Video war er so erfolgreich, dass mehrere Sequels gedreht wurden.
Mittlerweile ist STILLE NACHT, HORROR-NACHT Kult, und als Weihnachtsfilm sehe ich ihn zehnmal lieber als Capras Kitschfest „Ist das Leben nicht schön?“ (1946) oder den "Kleinen Lord", zumal Hauptdarsteller Wilson einfach ein Leckerchen ist, bei dessen Anblick sich sogar der lüsterne Spielzeugladenchef kaum bremsen kann…

07/10

Böse gewesen? Der Weihnachtsmann (Robert Wilson) bei der Arbeit

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