Donnerstag, 7. Oktober 2010

Sleepless (2001)

Nach dem mauen "Trauma" (1993) und dem enttäuschenden "Phantom der Oper" (1998) kehrte Italiens Kultregisseur Dario Argento zur Freude seiner Fans mit SLEEPLESS (Non Ho Sonno) zu seinen Giallo-Wurzeln zurück.
Der Thriller war ein großer Kinoerfolg in Italien und bewies, dass der Maestro noch immer für die eine oder andere Überraschung gut war.

Die Story ist - so gehört sich das für einen Giallo - verzwickt, ich versuche es dennoch in aller Kürze. Der pensionierte Inspektor Moretti (Max von Sydow) und der junge Giacomo (Stefano Dionisi) verfolgen die Spur eines Frauenmörders, der bereits 20 Jahre zuvor Giacomos Mutter auf dem Gewissen hatte und nun wieder am Werk zu sein scheint, obwohl der Hauptverdächtige von seinerzeit längst verstorben ist. Handelt es sich um einen Trittbrettfahrer, oder gingen die damaligen Ermittlungen in die falsche Richtung?

Um es vorweg zu nehmen - SLEEPLESS kann nicht mit Argentos Meisterwerken der 70er mithalten, aber welcher Film kann das schon? Für einen Regisseur, der bereits so lange dabei ist und das Genre geprägt hat wie kein zweiter (außer Bava), ist ihm hier ein ultra-moderner, harter und temporeicher Thriller gelungen, der mit einigen außergewöhnlichen Suspense-Szenarien den Zuschauer in Atem hält.

Begleitet von den peitschenden Rock-und Synthesizer-Klängen von 'Goblin', mit denen Argento nach langer Pause wieder zusammen arbeitete, beginnt er den Film furios mit einer langen und brillanten Sequenz, in der ein potentielles Opfer vom Killer durch einen fahrenden Nachtzug gejagt wird, bevor es ein blutiges Ende findet. Diese Passage ist so wirkungsvoll in Aufbau und Umsetzung, dass der Rest von SLEEPLESS dagegen abfällt. Über Logikfragen (wie kommt der Killer in den Zug?) sollte man sich wie üblich keine Gedanken machen, sondern stattdessen das Zusammenspiel von Schnitt, Kamera und Musik genießen, das Argento virtuos beherrscht.

Zu den weiteren Highlights des Films zählen der zweite Mord an einer Disco-Tänzerin, die als Kätzchen verkleidet nach Feierabend dem fauchenden Mörder direkt in die Arme läuft, der nächtliche Überfall auf Ermittler von Sydow, sowie eine typische Argento-Sequenz hinter den Kulissen einer Ballett-Aufführung, in der die Kamera in einem langen Tracking-Shot dem Verlauf eines Teppichs folgt (es kommen Füße, Staubsauger, etc. ins Bild), bis sie in der Garderobe der Primaballerina endet, die gerade durch die Hand des Mörders den Kopf verliert (auch wenn der abgetrennte Kopf reichlich künstlich aussieht). Auch das finale Duell zwischen Hauptdarsteller Dionisi und dem Killer inklusive spektakulärem Abgang des letzteren kann sich mehr als sehen lassen.

Aufgrund der verschlungenen Handlungspfade stellen sich hier und da ein paar Längen ein - auch weil Argento (wie so oft zu viel unter einen Hut bringen will, aber wer mag ihm das vorwerfen? Neben dem Killer-Plot gibt es noch Rangeleien zwischen dem ehemaligen Cop von Syow und den aktuellen Ermittlern, das Alkoholproblem von Dionisi, eine zarte Liebesgeschichte zwischen Dionisi und seiner Jugendliebe Chiara Caselli, die zur ersten romantischen Sexszene in Argentos Schaffen führt, und eine etwas zu komplizierte Aufarbeitung der Vergangenheit der Beteiligten.

Mit Max von Sydow hat Argento ein schauspielerisches Schwergewicht verpflichtet. Seine Vorstellung des unter Schlaflosigkeit und Gedächtnisverlust leidenden Detektivs mit sprechendem Papagei (ironisch benannt nach "Marcello" Mastroianni) ist perfekt, seine Präsenz ist unvergleichlich. Dionisi und Caselli sind in erster Linie ein hübsches Paar, schauspielerisch bleiben sie blass. In Nebenrollen zeigen die Genre Veteranen Gabriele Lava ("Tenebre", 1982) und Rossella Falk ("Das Rätsel des silbernen Halbmonds", 1972) hervorragende Leistungen. Die überwiegend weiblichen Mordopfer hingegen überbieten sich an schlechten Leistungen, wobei das erste locker von ihren Silikonbrüsten an die Wand gespielt wird.

Leider konnte Argento den guten Weg von SLEEPLESS mit dem folgenden "Card Player" (2004) nicht fortsetzen. Er ist bis heute der letzte wirklich überzeugende Thriller des Meisters und auch für Nicht-Argento-Fans empfehlenswert.

08/10

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