Sonntag, 24. Oktober 2010

Monster im Nachtexpress (1980)

Roger Spottiswoode ("James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie", 1997) inszenierte auf dem Höhepunkt der Horror-Welle, die John Carpenters "Halloween" (1979) ausgelöst hatte, diesen Slasherfilm, der zu meinen persönlichen Lieblingen zählt.
Die kanadische Produktion besticht durch exzellente Kameraarbeit, ein straffes Script und das originelle Setting - davon abgesehen liebe ich Filme, die in Zügen spielen, wahrscheinlich wegen meiner ewigen Bewunderung für Hitchcocks "Eine Dame verschwindet" (1938).

Scream-Queen Jamie Lee Curtis spielt in MONSTER IM NACHTEXPRESS (Terror Train) eine Medizinstudentin, die mit ihren Kommilitonen eine Silvester-Kostümparty in einem altmodischen Zug feiert, der durch nächtliche Schneelandschaften rast. Das feucht-fröhliche Gelage wird allerdings von einem Serienkiller gestört, der in verschiedenen Masken die Gäste dahinmetzelt. Hauptverdächtiger ist ein zwielichtiger Magier (David Copperfield), der eigens für die Party engagiert wurde. Oder treibt da ein ganz anderer sein böses Spiel? Immerhin gab es doch mal vor Jahren einen gemeinen Streich, der einen Mitstudenten in die Irrenanstalt befördert hat, und an dem Jamie Lee maßgeblich beteiligt war...

Regisseur Spottiswoode erzeugt eine Menge Spannung und spielt intelligent mit dem Thema "Illusionen". So wechselt der Killer mehrfach die Masken (er tritt u.a. als Groucho Marx und als "Creature from the Black Lagoon" auf), während Zauberkünstler David Copperfield magische Tricks an Bord vorführt. Die Identität des Mörders wird sehr geschickt verborgen und bietet eine wirklich überraschende Auflösung. Gegen Ende steht Jamie Lee dann ihrem Killer gegenüber, und Spottiswoode zieht alle Register des Genres, lässt den Mörder mehrfach verschwinden und wieder auftauchen und wirft Jamie Lee von einer lebensgefährlichen Situation in die nächste, bis sie sich - ganz in der Tradition von "Halloween" - in einem verschlossenen Käfig wiederfindet, nur Zentimeter vom Slasher entfernt.

Kameramann John Alcott, der viel für Kubrick fotografiert hat ("Barry Lyndon", 1975, "Uhrwerk Orange", 1971) leuchtet das Geschehen wirkungsvoll aus und findet trotz der Enge des Zuges immer wieder interessante Kamerapositionen. Dank seiner Leistung und der fantasievollen Ausstattung wirkt der Film wesentlich teurer und aufwändiger als die meisten Konkurrenten. Der Gewaltfaktor hält sich dazu sehr in Grenzen, was dem Film zugute kommt. Neben Jamie Lee Curtis spielen Altstar Ben Johnson (als Zugführer) und Jungstar Hart Bochner ("Apartment Zero", 1988) als unsympathischer Macho.

Natürlich spielt kein Slasherfilm in der Liga von "Halloween", aber MONSTER IM NACHTEXPRESS sorgt mit seinen hohen Production Values und guter Regie für hervorragende Thriller-Unterhaltung und die eine oder andere Gänsehaut.

08/10

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