Donnerstag, 21. Oktober 2010

Killerhaus (1986)

Als Vorzeige-Irrer war der einzigartige Klaus Kinski immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte. KILLERHAUS (Crawlspace) gehört zu seinen geschmacklosesten Filmen, und das heißt im Klartext: wir haben es hier mit extrem unterhaltsamen Trash zu tun, wie er heute nicht mehr existiert. Schon allein die Inhaltsangabe beschert mir rote Ohren, aber schließlich bin ich für das Drehbuch nicht verantwortlich, sondern lediglich Chronist und Konsument.

In KILLERHAUS spielt Kinski den Vermieter eines Wohnhauses, der mit Vorliebe an sexy Damen vermietet. Die beobachtet er dann heimlich bei diversen Sexspielen und befördert deren Herrenbesuche durch ausgefallene Methoden (wie einen Stuhl, aus dem Messer hervorschnappen, wenn man draufsitzt - Aua!) ins Jenseits.
Wenn Herr Kinski gerade nicht im weitverzweigten Luftschacht-Labyrinth herumkriecht (daher "Crawlspace"), sitzt er in seiner Dachkammer und spielt entweder Russisch Roulette mit sich selbst, hält die Hand über eine Gasflamme, bis es qualmt (und sticht dann in hübschen Nahaufnahmen die Brandblasen auf) oder vollzieht teuflische Experimente, die ihm der Papa - ein ehemaliger KZ-Arzt - beigebracht hat. So weckt er die Organe seiner Opfer in Einmachgläsern ein (wahrscheinlich für schlechte Zeiten) und hat eine ehemalige Assistentin im Käfig eingesperrt und ihr die Zunge herausgeschnitten - vermutlich, damit sie sich nicht mehr über Überstunden beschweren kann (man hört, der 'Schlecker'-Konzern und 'KiK' haben bereits ähnliche Pläne)... au weia, kann man da nur sagen.

Wer das alles schlucken möchte, der sollte unbedingt einen Blick ins Killerhaus (mit dem schönen Untertitel "Horror der grausamsten Art!" - wenn das kein Lockmittel ist!) riskieren. Regisseur David Schmoeller ("Tourist Trap", 1979) zieht alle Register, um seinen Horrorfilm so krank wie möglich zu halten. Fast könnte man meinen, es handle sich um eine Parodie, aber nein, das ist alles ernst gemeint, und Kinski spielt seinen Vermieter aus der Hölle mit der ihm eigenen Intensität und Leidenschaft. Von Edgar Wallaces Butlern und Werner Herzogs Antihelden ist das alles weit, weit entfernt, aber deswegen nicht unbedingt schlechter. Die Kamerafahrten durch den Luftschacht-Irrgarten sind durchaus ansprechend, und Pino Donaggio ("Dressed to Kill" , 1980) hat einen schönen Score dazu komponiert.

Geht es eigentlich nur mir so, oder sieht Kinski auf dem Plakat wie Norman Bates' Mutter aus?

Fazit: wenn es draußen mal wieder regnet und man keine Lust auf "Jenseits von Afrika" hat, dann kann man mit diesem herrlich kranken, durch und durch blöden, aber schön trashigen Film seinen Spaß haben. Dank Kinski kommt hier genug Stimmung auf.

Der US-Verleih krähte: "You're just inches away from a fate worse than death". Aber so schlimm ist er nun doch nicht.

06/10

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