Sonntag, 24. Oktober 2010

Jessy - Die Treppe in den Tod (1974)

Weihnachten.
Leise rieselt der Schnee, bunte Lichter leuchten, Weihnachtsgesänge sind zu hören. Im abgelegenen Studentinnen-Wohnheim befinden sich nur noch ein paar junge Frauen, die sich für ihren Weihnachtsurlaub bereit machen oder die Feiertage an Ort und Stelle verbringen wollen. Die festliche Stimmung wird durch einen unheimlichen, anonymen Anrufer gestört, der die Mädels bedroht und um das Haus herumschleicht. Als bald darauf eine der Studentinnen verschwindet, wird die Polizei gerufen, doch der Psychopath ist nicht aufzufinden...

Mit JESSY - DIE TREPPE IN DEN TOD, der mittlerweile unter seinem Originaltitel "Black Christmas" auf DVD erhältlich ist, inszenierte der Kanadier Bob Clark den direkten Vorläufer des modernen Slasher-Films. Viele der etwas später unter John Carpenters Regie in "Halloween" (1978) benutzten Schocktechniken- und Elemente werden hier bereits vorweg genommen.
Und ähnlich wie Hitchcocks "Psycho" (1960) spielt Clark gelungen mit der Kombination von klassischen und modernen Horrormotiven - das alte, düstere Haus, der Schnee, die Stille, die unheimlichen Telefonanrufe, die raffinierten und kreativen Mordszenen, die nie selbstzweckhaft und über Gebühr brutal werden. Einige makabere Einfälle wie die Leiche, die auf dem Dachboden des Hauses in einem Schaukelstuhl sitzt, erinnern ebenfalls an den Meister des Suspense. Eine Einstellung im Finale (s.u.) erinnert dazu an einen der besten Horrorfilme aller Zeiten, Robert Siodmaks "Die Wendeltreppe" (1945).

Der Film bietet einige starke Schauspieler, die - ungewöhnlich für einen Slasherfilm - 'wirkliche' Charaktere darstellen, um die man sich sorgt. Olivia Hussey ist als bedrohte Heldin äußerst sympathisch und verletzlich, Keir Dullea ("Bunny Lake ist verschwunden", 1965) als ihr leicht gestörter Freund hält geschickt eine schwierige Balance - trauen wir ihm zu, der Mörder zu sein, oder will er seine Freundin nur beschützen? Diese Ambivalenz macht das Finale in besonderer Weise aufregend. In Nebenrollen glänzen Margot Kidder ("Sisters", 1973), John Saxon ("A Nightmare on Elm Street", 1984) und Art Hindle ("Die Brut", 1979).

Während viele moderne Horrorfilme zu laut, grell, aufdringlich und dabei so harmlos wirken, schafft Bob Clark in BLACK CHRISTMAS gerade durch die Langsamkeit, die kleinen Details und die Stille eine perfekte Grusel-Atmosphäre, in der das Klingeln eines Telefons und das Besteigen eines Dachbodens furchterregende Momente sein können. Ein Kultfilm und kleiner Klassiker des Genres.
Im Jahr 2006 wurde das obligatorische Remake gedreht, in dem nicht zu unterscheidende Kreisch-Mädels von der Stange, alberne Tabubrüche und dämlicher Humor beweisen, wie gut das Original ist.

9.5/10

Er beobachtet dich...

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